interaktiv

Medizin studieren

Iran = Gastfreundschaft

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

23.06.2017

Direkt nach meinem Kletterurlaub ging es für mich mit meiner Arbeitsgruppe aus dem Labor nach Mashhad, dem religiösen Zentrum des Iran. Ziel war eine internationale Konferenz, die allerdings eher eine Kollaborations-Tagung der Münsteraner Neurologen mit der Medizinischen Fakultät der Uni Mashhads darstellte. Drei Tage verbrachten wir dort, drei extrem anstrengende Tage. Nicht so sehr aufgrund der Tagung, denn sechs Stunden Vorträge und Posterpräsentationen sind definitiv noch im Rahmen. Vielmehr aufgrund des kulturellen Begleitprogramms.
Die Iraner waren sehr bestrebt, uns alles zu bieten, was man in drei Tagen bieten kann. Und so wurden wir in jeder freien Minute irgendwo zum Essen, in einen Palast, ein Museum, ein Einkaufszentrum oder zu einem Fototermin gebracht.
Fotos schienen unsere Gastgeber sowieso gerne zu machen, ein Kameramann und eine Fotografin waren omnipräsent. Weswegen uns diese Ehrerbietung zuteilwurde, keine Ahnung. Aber ihnen war es einfach wichtig, uns Gästen alles Mögliche zu ermöglichen. Jedem von uns 15 Deutschen waren ein bis zwei „Betreuer“ zur Seite gestellt, die auch nicht davor Halt machten, einen auf die Toilette zu eskortieren.
Das Highlight unseres Kurztrips war der Besuch des heiligen Schreins von Imam Reza (dem 8. Imam nach Mohammed), der in Mashhad ermordet wurde. Seither dient sein Schrein als Pilgerort für jährlich rund 20 Millionen Gläubige und hat Mashhad eine wichtige Position in der iranischen Tourismusbranche eingebracht.
Leider viel zu früh mussten wir den Heimweg antreten. Ich hätte gerne viel mehr gesehen – auch außerhalb einer geschlossenen, geführten Gruppe. Ich hätte mich zum Beispiel gerne außerhalb eines strengen Rahmens mit jungen Iranern und Iranerinnen unterhalten, um herauszufinden, wie sie zu Religion, Kopftuch, den USA und den Freiheiten stehen, die sie augenscheinlich nur aus dem West-Fernsehen kennen; und aus dem Internet, das allerdings größtenteils gesperrt ist, etwa Facebook.

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