interaktiv

Medizin studieren

Spaß beiseite, es wird ernst

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

28.07.2017

Vorsichtig lasse ich den Umschlag in den Briefkasten gleiten. Es fühlt sich so offiziell an, meine Unterlagen für das Physikum an das Landesprüfungsamt zu schicken. Das schien im ersten Semester noch so weit weg.
Das Physikum ist die erste große Prüfung im Medizinstudium und wird zum Abschluss der sogenannten Vorklinik geschrieben. An zwei Tagen, am 22. und 23. August, werden wir schriftlich in Form von Multiple-Choice-Fragen geprüft. Anschließend steht jeweils eine mündliche Prüfung in Anatomie, Physiologie und Biochemie an, die man alle am Stück absolviert. Fünf Tage vor dem Prüfungstermin erfährt man, wann man dran ist.
Das Physikum ist notwendig, um weiter studieren zu dürfen und in den klinischen Abschnitt des Medizinstudiums einzusteigen. Somit ist es ziemlich wichtig. Viele wollen auch deshalb gut abschneiden, da sie sich erhoffen, ein Stipendium zu erhaschen. Wer bereits Stipendiat ist, braucht gute Noten, um weiter gefördert zu werden. Mir hingegen reicht es, zu bestehen.
Die Herangehensweisen, für das Physikum zu lernen, sind daher unterschiedlich. Manche begannen bereits in den vorigen Semesterferien, Biologie und Chemie aus dem ersten Semester aufzuarbeiten, andere wiederum fingen damit während des Semesters an. Ich werde mich am 30-Tage-Lernplan von ViaMedici des Thieme-Verlags orientieren. Ich möchte nicht zu früh mit dem Lernen beginnen, da mir sonst womöglich am Ende die Kondition fehlt, weiteren Stoff in meinen Kopf zu füllen. Es zehrt an den Kräften, über Wochen bis Monate am Stück zu büffeln. Besonders, weil wir währenddessen noch zwei Testate in der Neurophysiologie und eine Prüfung für die integrierten Seminare leisten müssen.
Ich stelle mich darauf ein, dass ich mindestens fünf Wochen vor dem Physikum kaum mehr Zeit für mich haben werde, sondern jeden Tag von morgens bis abends in meine Lehrbücher hüpfe und erst dann wieder auftauche, wenn ich die anstehenden Module für einem Tag drauf habe. Am Folgetag beantworte ich vorgegebene Fragen, um das Gelernte zu wiederholen.
Ich will mich aber nicht bereits zu Anfang des Semesters mit dem Stress dieser Prüfung plagen. Ich will in dieser Zeit nämlich nicht vergessen, dass wir studieren. Und das bedeutet für mich, so viel Freiheit zu haben, wie nie wieder später in meinem Leben. Deshalb nehme ich noch alles mit, was geht, und schiebe das Lernen in die bleibenden Lücken – bis ich fünf Wochen vor dem Physikum stehe. Ich bin auf diese intensive Zeit gespannt. Es ist wie das Abitur, nur gefühlt dreimal so viel.

Diesen Artikel teilen