interaktiv

Medizin studieren

Testat No. 3

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

04.08.2017

Auch im vierten Semester lässt die Physiologie noch einmal grüßen. In der Neurophysiologie lernen wir, wie Sehen und Hören, Gleichgewichtssinn, Schmerzempfinden, Gedächtnis und Schmecken funktionieren. Zwei mündliche Prüfungen stehen hierzu an, die uns auf das Physikum vorbereiten sollen. Apropos: Das Wort Physikum erschreckt uns alle mit jedem Tag mehr.
Die dritte Physiologieprüfung meines Medizinstudiums war dank des Prüfers ein Geschenk. Schon zu Beginn setzte er einen Haken hinter jeden Namen, was bedeutet, dass man bestanden hat – und das, bevor man überhaupt geprüft worden ist! Bei meiner ersten Prüfung bei ihm im Dezember vorigen Jahres war ich deshalb sehr erleichtert, bin dieses Mal aber unzufrieden. Es ist unbefriedigend, viel gelernt zu haben, und eine Prüfung nur deshalb zu bestehen, weil der Prüfer davon ausgeht, dass man gelernt hat. Es ließ das gewohnte Erfolgsgefühl vermissen, das ich brauche, um am Ball zu bleiben. So bestand ich die Prüfung, weil ich da war. Ich saß sie ab, ohne Druck, beantwortete ein paar Fragen, ob falsch oder richtig war egal, es interessierte nicht mehr. Ist das der Anspruch?
Immerhin fragte er uns nach Versuchen im Praktikum, in denen wir Muskelreflexe testeten, elektrische Ströme an Nerven ableiteten und eine Elektroenzephalogie (EEG) machten, die dazu dient, Hirnströme festzustellen. Auch wollte er wissen, nach welcher Dauer man sich an Reize wie dem salzigen Geschmack auf der Zunge gewöhnt, wie Signale an Synapsen verarbeitet werden und wann es zu einer Weiterleitung kommt. Dennoch kratzte er nur an der Oberfläche und testete uns nicht auf dem Niveau, das uns im Physikum erwartet – was er am Ende deutlich machte. Es sei eine große Differenz zwischen diesem Testat und dem ersten Staatsexamen, denn das wird schwerer, unvergleichbar schwerer. Das fällt schon auf, wenn man Physikumsfragen der vergangenen Jahre durchgeht, um sich vorzubereiten. Dort werden Inhalte abgefragt, die uns teilweise nicht einmal gelehrt wurden – weder in Vorlesungen oder Seminaren, noch im Praktikum. Das bringt mich ins Grübeln darüber, ob es nicht sinnvoller ist, sich nur auf ein Lehrbuch zu stürzen, das perfekt auf das Physikum zugeschnitten ist, statt die Veranstaltungen zu besuchen.
Unser Studiendekan warnt zwar immer wieder vor dieser Einstellung. Doch was müssen wir als Arzt können?

Diesen Artikel teilen