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Medizin studieren

Die erste Härteprüfung

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

11.08.2017

Physikum. Das Wort, das alle Medizinstudierenden bereits vor dem ersten Semester in Angst und Schrecken versetzt hat, wird jetzt greifbar. Am 22. August ist es so weit: Wir schreiben unser schriftliches Physikum, ein paar Tage später folgt der mündliche Teil, der sich auf die Anatomie, die Physiologie und die Biochemie beschränkt – aber diese Fächer bringen schon mehr als genug mit sich.
Was heißt es nun konkret, dass das Physikum so kurz bevorsteht und man nun vier Semester wiederholen muss? In erster Linie bedeutet es, reduzierter zu leben. Es ist zwar nicht so, dass man es in diesem Studium gewohnt ist, besonders viel Freizeit zu haben. Aber das Bisschen, das bisher blieb, wird nun auch in Anspruch genommen. Meine Wochen setzen sich somit aus Arbeiten, Lernen, Sport und Schlafen zusammen. Mehr geht leider nicht. Man muss dabei auf sich Acht geben, nicht zu sehr in Stress zu geraten und auch mal Menschen zu sehen, die nicht in der gleichen Situation stecken.
Anstrengend ist lediglich, dass ich ausgerechnet in diesem Monat fünf Nachtdienste bei meiner Arbeit abzuleisten habe, insgesamt sieben Histologiekurse betreue und jede Woche einmal eine ältere Dame aus dem Haus, in dem ich arbeite, nachmittags betreue – irgendwie muss unsere geplante Reise nach Nepal ja finanziert werden. Dazwischen muss ich jeden Tag circa fünf Stunden Lernen unterkriegen.
Wunderbarerweise ist für Medizinstudierende bereits viel vorgekaut. Es gibt Skripte, die alle Themen zusammenfassen, sowie Lernpläne, die kostenlos zur Verfügung stehen. Ich wählte einen 30-Tage-Lehrplan, um das Lernen möglichst lange aufzuschieben, und werde ihn auf circa 40 Tage strecken. Einige meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen finden kein Ende mit dem Lernen, weil sie sich nichts Konkretes für einen Tag vornehmen. Das halte ich für gefährlich, weil man dadurch deutlich gestresster ist und nie ein Gefühl der Zufriedenheit verspürt – schließlich ist man nie fertig.
Mein Lernplan beginnt mit der Anatomie, die ich in einer Woche abarbeiten werde. Allein bei diesem Gedanken wird mir schwindelig. Wofür wir einst mehrere Monate Zeit zum Lernen hatten, werde ich nur ein paar Tage aufwenden – und muss es genauso gut, wenn nicht sogar besser draufhaben. Gut ist, dass an jedem Tag vorgesehen ist, dazugehörige Fragen anzukreuzen. Diese stammen aus den vergangenen Jahren und es sind hilfreiche Erklärungen beigefügt.
Ich bin gespannt, wie viel Kraft mich das nach einem Semester, das es bisher schon in sich hatte, kosten wird – und werde drei Kreuze machen, wenn wir September haben und der Spuk vorbei ist.

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