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Medizin studieren

Ruhig bleiben

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

17.08.2017

Diese Ferien waren für mich mal wieder Anlass, um zum Atlantik zu düsen. Der Bus muss diesen Sommer schließlich genutzt werden. Zu Beginn schlug mir das durchwachsene Wetter auf die Stimmung, aber schließlich entlohnten ziemlich gute Wellen die Warterei!
Leider ist es schwierig, ein sogenannter „Landlocked“-Surfer zu sein, also nicht am Wasser zu leben: Ein Jahr habe ich nicht auf einem Brett gelegen, geschweige denn gestanden und muss dann innerhalb von zwei Wochen wieder auf ein Niveau kommen, das mich nicht wie den größten Amateur dastehen lässt. Es ist frustrierend, wenn man die erste Woche der Form vom Vorjahr hinterherjagt, bis man dann in den letzten Tagen des Urlaubs merkt, wo man stehen könnte, hätte man ein paar Wochen oder gar Monate Zeit zum Surfen. Aber so ist das eben, Spaß macht die Sache ja trotzdem immer.
Wobei, es gibt da Situationen, die mich zur Weißglut treiben. Beim Surfen spielt der sogenannte „Localism“ eine teils sehr wichtige Rolle. Hiesige Surfer wollen „ihre“ Wellen nicht von in der Gegend rumdümpelnden Gelegenheitssurfern „verstopft“ wissen. Das Problem ist nämlich, dass es gerade in Hossegore und südlich durchaus Wellen gibt, in denen Anfängern nichts zu suchen haben. In der Natur der Sache begründet liegt aber die Tatsache, dass Anfänger das eben nicht wissen und dann ein Sicherheitsrisiko darstellen. Manche Locals gehen cool damit um, andere werden aggressiv.
Letzteres habe ich in meiner zweiten Woche erlebt. An einem guten Tag waren ein paar echt fitte Surfer aus Hossegore, leider aber eben auch ein paar deutsche Dümpelnasen auf einer eher fortgeschrittenen Welle. Eine der Locals verbrachte den Großteil ihrer Session damit, diese Deutschen wüst zu beschimpfen und anzuschreien – miese Stimmung auf dem Wasser. Zwar ließ sie mich in Ruhe, rechnete mich aber ganz offensichtlich zu den anderen Deutschen dazu. Das gab ihr ihrer Auffassung nach das Recht, mir alle Wellen, für die ich mich in die Vorfahrt positioniert hatte, strittig zu machen. Wieder an Land erntete ich von einem anderen Einheimischen ein mitleidiges „She’s always like that. I’m sorry that she destroyed your session!“
Meine Laune war im Keller und traute sich auch erst zwei, drei Stunden später wieder ins Erdgeschoss.

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