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Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 1

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

23.08.2017

Welcher Tag ist heute? Montag, Mittwoch oder doch Samstag? Die Geschäfte sind offen, Sonntag wird es also nicht sein. Ich weiß es nicht, die Tage verschwimmen in einem Einheitsbrei. Ich sehe nur, dass heute Tag 7 meines Lehrplans ansteht, was bedeutet, dass heute alle Hirnbereiche, die Gefäße des Gehirns, die Bestandteile des Rückenmarks und die Funktionen des Kleinhirns zu lernen sind. 30 Seiten des Skripts sind das, wird um die fünf Stunden dauern. Dann ist auch dieser Tag geschafft und es geht auf zum nächsten, um die Anatomie innerhalb von neun Tagen abzuschließen.
Es sind keine Farben an diesen Tagen zu sehen, sondern nur ein stufenloses Grau, das alles umgibt. Wenige Lichtblicke bieten die vollen Tage, die mit Lernen anfangen, von Lernen geprägt sind und mit Lernen wieder aufhören. Morgens werden Altfragen gekreuzt, um Inhalte des Vortages zu wiederholen, anschließend steht meist die Tätigkeit als studentische Hilfskraft im Mikroskopierkurs der Drittsemester an, um die Histologie schon abzuhaken, schnell Mittag essen, um hastig wieder am Schreibtisch zu sitzen. An den Abenden ist man zu müde und gestresst, um etwas zu unternehmen. Ohnehin scheint sich niemand aus seinem Dickicht der Vorbereitung herausbewegen zu wollen.
Was ich in den ersten Tagen meiner Vorbereitung am meisten gehört habe: „Ich will noch etwas schaffen, die Zeit nutzen.“ Deshalb werden keine Feiern besucht und keine Treffen geplant, um möglichst produktiv zu sein. Man trifft seine Freundinnen und Freunde, um Themen durchzusprechen, sich Fakten an den Kopf zu schleudern und weiter zu lernen. Es ist ein Rad, das sich dreht, durch die eigenen Schritte beschleunigt wird – bis es ins Schleudern gerät.

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