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Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 2

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

01.09.2017

Wie viel sollte man jeden Tag für das Physikum lernen? Müssen es jeden Tag acht Stunden sein oder reicht es, sich etwas vorzunehmen und dann so lange zu machen, bis man damit fertig ist? Keiner scheint darauf eine richtige Antwort zu haben. Ich beobachte mich beim Selbstbetrug, wenn ich schnell mit meinem Vorhaben durch bin und trödele, um sagen zu können, sechs und nicht nur fünf Stunden gelernt zu haben. Ich denke oft nur daran, wie viele Stunden ich heute oder morgen habe, um zu lernen. Sind es mehr als fünf, bin ich wohl gestimmt, sind es weniger, werde ich gestresst. Das Lernen für das Physikum ist ein riesiger Berg, der zu erklimmen ist, auf dem man aber bei jeder Tagesetappe kaum an Höhe gewinnt. Dabei ist das nicht wahr. Ich schaffe jeden Tag mehr, als ich mir zugestehe, als sich auch die anderen zugestehen.
In dieser Zeit auf vieles verzichten zu müssen, gilt als normal. Da muss jeder durch, höre ich dann. Es muss anders gehen, denke ich – schöner, qualitativer, schöpfender.
Einige Wochen liegen noch vor mir. Ich fühle mich jetzt schon abgeschlagen, habe leichte Kopfschmerzen und erinnere mich kaum mehr daran, was ich in den ersten Tagen zu den Muskeln, Arterien und Venen des menschlichen Körpers gelernt habe.
Was also kann helfen? In Münster ist nun wahrlich viel geboten. Es fällt den Studierenden der Medizin nur leider selten auf. Ich habe mir nun zwei Stunden Zeit genommen und jede Menge Veranstaltungen rausgesucht: Gigs von kleinen Bands, Jam-Sessions in Bars, Kurzfilmabende im Szenekino und Improvisationstheater in Cafés. Jeden Tag zu etwas Besonderem machen, ist mein Ziel. Nicht vergessen, dass es mehr gibt als das Physikum, als das Studium, als den späteren Beruf.
Wo ist die Rebellion? Warum sind wir alle so konform und diszipliniert? Wir sollten anfangen, weniger drauf zu geben und einfach mehr zu leben. Der Rest wird schon klappen. Das könnte ein Anfang sein.

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