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Medizin studieren

Physikumslogbuch - Eintrag 5

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

13.10.2017

Es klingelt. Der Postbote. Clara, meine Mitbewohnerin und Kommilitonin schaut mich an. Wir springen auf, rennen zur Tür, dem Postboten entgegen. Er guckt etwas irritiert, nennt dann meinen Namen. Ich unterschreibe und nehme den Brief entgegen: die Einladung zur mündlichen Prüfung des Physikums. Clara ist etwas enttäuscht und gleichzeitig erleichtert – sie wird ein paar Tage mehr haben, um sich vorzubereiten. Ich erhalte den Brief hingegen früh, werde also nach dem schriftlichen Teil des Physikums nicht mehr viel Zeit haben, mich gezielt vorzubereiten.
Doch es kommt noch schlimmer: Wie erstarrt lese ich die Namen meiner drei Prüfer vor. In Claras Gesicht spiegelt sich meine eigene Emotion wider, sie drückt ihr Bedauern aus. In Anatomie werde ich vom gefürchtetsten Professor abgefragt, über den so manche Legende im Umlauf ist und der eine beachtliche Zahl an Prüflingen bereits durchfallen ließ. Die Physiologie wartet für mich mit ihrem Chef auf, der auch im Vorstand des Max-Planck-Instituts sitzt. Nur die Biochemie bietet einen Prüfer, der auf den ersten Blick okay zu sein scheint.
In jedem Fach – Anatomie (mit Histologie), Physiologie und Biochemie – haben wir 15 Minuten Zeit, sodass die Prüfung insgesamt ungefähr drei Stunden dauern wird. Geprüft werden wir in Vierergruppen. Über die Semestergruppe auf Facebook finden sich die Leute, die sich gemeinsam der Herausforderung stellen, um sich zusammen vorzubereiten oder die Prüfer nach Terminen zum Kennenlernen zu fragen. Meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind alle zwischen 28 und 30 Jahre alt, mit 21 Jahren bin ich das Küken. Eine hat bereits ein Zahnmedizinstudium hinter sich, die anderen beiden jeweils eine Ausbildung in der Krankenpflege. Eine tritt zum zweiten Mal an und ist entsprechend nervös. Doch bereits zu Anfang kristallisierte sich heraus, dass wir vier es gemeinsam anpacken und wir uns zur Not an allen sechs Tagen nach der schriftlichen Prüfung treffen werden, Hauptsache, wir bestehen.
Wie bei allen Testaten gibt es auch für das Physikum einige Altprotokolle, die sehr helfen, sich gezielt auf die Prüfer vorzubereiten. Allerdings war das Lesen ernüchternd – ich wurde in meiner Sorge bestätigt, dass es schwierig werden wird. Sechs Tage blieben uns, um nochmal drei Fächer so intensiv zu lernen, dass wir uns alle sicher in ihnen bewegen können. Eine Mammutaufgabe. Aber wir stellten uns ihr.

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