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Medizin studieren

Fehlentscheidungen

Tagelang wartet man auf die perfekten Wellen. Sieht in den Vorhersagen ganz am Ende einen Trend. Freut sich tags darauf, dass die Vorhersage zu stimmen scheint.
Man liest im Surfführer, welcher Strand für diese Wellen geeignet sein könnte. Bei dieser Gezeit, bei diesem Wind und den Wellen aus dieser Richtung, wird es da in Bakio perfekt sein? Oder sollte ich doch lieber nach Mundaka? Aber was, wenn da wirklich so viele aggressive einheimische Surfer im Wasser sind? Lauter Fragen, die ein Büchlein zu beantworten versucht, aber dies eben nur eingeschränkt vermag.
Schlussendlich muss ich mich auf meinen Instinkt verlassen – und der lag leider vor ein paar Tagen falsch. Die Wellen waren dort, wo ich war, gut. Aber eben nicht so gut wie ein paar Kilometer weiter. Das erfuhr ich leider erst, nachdem ich nach einer mittelmäßigen Surfsession weiter gen Westen fuhr und an einem anderen bekannten Spot hielt. Dort ist laut den anderen Surfern eine richtig gute Welle gebrochen. Also einfach nochmal rein? Nein, so einfach geht das nicht. Der circa sechsstündige Wechsel zwischen Ebbe und Flut hat diese tolle Welle innerhalb einer halben Stunde in ein unsurfbares „Schwabbelmonster“ verwandelt. Und in drei Stunden soll der Wind drehen! Also weiter zum nächsten Strand, der vor eben diesem Wind geschützt liegt. Doch dort verhält sich alles anders als vorhergesagt. Mein sonst ganz guter Instinkt versagte an diesem Tag auf ganzer Linie. Zurück bleibt das bittere Gefühl, ziemlich gute Wellen ziemlich mies genutzt zu haben.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Oct 24, 2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Oct 24, 2017

Medizin studieren

Physikumslogbuch - finaler Eintrag

Es ist neun Uhr morgens. Ich bin müde, habe kaum geschlafen. Die Prüfer empfangen meine Mitprüflinge und mich im Seminarraum. Sie lächeln. Der gefürchtete Professor der Anatomie ist krank geworden und wird durch seinen Zögling vertreten, der ihm in Strenge in nichts nachsteht. Eine meiner Mitstreiterinnen ist voriges Semester genau bei ihm durchgefallen. Der Schock über das Wiedersehen steht ihr ins Gesicht geschrieben und wirkt sich auch auf uns andere aus.
Besonders der erste Teil zur Anatomie läuft bei mir einfach nicht. Drei von uns begutachten zunächst an den vorbereiteten Mikroskopen je ein Präparat und machen sich Notizen, fertigen Zeichnungen an. Die Vierte im Bunde wird zur Körperspende gebeten. Vor mir liegt ein Präparat der embryonalen Mundhöhle, es geht um Zahnentwicklung. Das kann ich halbwegs. Ich zeichne die Zähne in ihren unterschiedlichen Stadien der Entwicklung und versuche, möglichst viele Details einzubauen.
Dann werde ich gebeten, zur Körperspende zu kommen. Meine Hände schwitzen, ich kann mir kaum die Handschuhe anziehen. Zudem schwanke ich ständig zwischen hellem Wachsein wegen der Aufregung und purer Müdigkeit wegen der Anstrengung der vergangenen Wochen, der schlaflosen Nacht. Wenig konzentriert nehme ich die Niere heraus. Der Prüfer stellt mir währenddessen mehrere Fragen, für die ich mich sortieren muss. Er will Details hören. Sein Fragestil wirft mich aus der Bahn und ich muss oft sagen, dass ich etwas nicht weiß, obwohl ich das eigentlich tue. Es ist, als seien die Bereiche meines Gehirns, wo die Informationen abgespeichert sind, durch eine Barriere abgeriegelt! Auch die Befragung über den Unterschenkel läuft nicht besser. Ich weiß, dass ich es in den Sand gesetzt habe. Es liegt an mir, am Prüfer, an den vergangenen Wochen.
Ich beiße die Zähne zusammen und gebe in der Histologie alles. Obwohl mich der merkwürdige Fragestil wieder verwirrt, bringe ich die paar Minuten halbwegs souverän zu Ende. Die Prüfungen zur Physiologie und zur Biochemie sind von meiner Seite aus ebenfalls solide, wenn auch nicht besonders gut. Doch ich bin wieder zuversichtlich, dass es doch noch etwas wird.
Und tatsächlich: Wir bestehen alle! Ich mit einer Drei. Die Begründung lautet, dass ich mich oft verhaspelt hätte. Doch das ist mir in diesem Moment egal. Ich spüre nur, wie das Gewicht dreier Elefanten von meinen Schultern weicht und die Welt um mich herum wieder Farbe bekommt.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Oct 19, 2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Oct 19, 2017

Medizin studieren

Wieder am Meer

Nach den bestandenen Klausuren und einer sehr kurzweiligen, weil schnell zu erledigenden Pack-Aktion, saß ich in diesem Jahr das dritte Mal auf dem Fahrersitz meines Busses in Richtung französischer Atlantikküste. Nur dieses Mal nicht mit unmittelbarer Deadline vor Augen, sondern ganz auf den Spuren meines „Post-Abitur-Sommers“ 2012. Damals hatte ich zwar hauptsächlich in dem Surfcamp gearbeitet, habe aber auch einen Trip nach Galizien gemacht, über den ich damals schon berichtet habe. Genau das steht auch dieses Jahr auf der Agenda – wohl mein letzter Sommer den ich in vollen Zügen genießen kann, vor dem unvermeidbaren Hammer-Examen übernächsten Winter.
Los ging es! Nach kurzem Zwischenstopp in Paris düste ich an den Atlantik, genauer in das Surf-Mekka Seignosse/Hossegor/Capbreton. Zwischen Parkplätzen am Strand, Schlafplätzen und Supermärkten pendelnd verbrachte ich hier die ersten Tage bei noch einigermaßen guten Wellen. Doch wie das leider des Öfteren im August so ist, verschwanden die auch schnell wieder.
Also fuhr ich weiter in den Süden, in das wunderschöne grüne Baskenland. Den meisten ist nicht klar, wie grün und vor allem bergig Nordspanien sein kann. Ist man nicht darauf eingestellt, wird man immer wieder überrascht, wenn man eine serpentinenreiche Straße entlangfährt, achtprozentige Steigungen erklimmt, an Kuhweiden vorbeirauscht und auf einmal um eine Kurve biegt und das Meer in all seiner Pracht erblickt. Fast hätte ich vergessen, dass ich mich im eigentlich doch trockenen, braunen „Sommer-Spanien“ befinde, mutete das alles doch sehr alpin an. Klar, die Palmen zwischen den Koppeln irritierten, davon abgesehen ist es gebirgig – aber eben auch maritim. Und so arbeite ich mich gen Westen durchs Baskenland von einem wunderschönen Strand zum nächsten Fischerdörfchen vor, in Erwartung der nächsten Wellen …

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Oct 16, 2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Oct 16, 2017