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Medizin studieren

Augen, nichts als Augen

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

01.12.2017

Zurück in Deutschland erlebe ich einen Kulturschock! Vorbei die Zeiten des „So-lange-wie-man-will-schlafen“, des „Keine-Ahnung-wo-ich-morgen-sein-werde“, kurz: vorbei mit dem verlängerten Sommer. Trübes Münsteraner Regenwetter erwartete mich, als ich am Sonntag spät abends ankam. Beste Voraussetzungen also, um am nächsten Morgen guter Dinge und mit größter Motivation in ein zweiwöchiges Blockpraktikum zu starten.
Dem eigenen Wunsch nach durfte ich dieses in der Augenheilkunde verrichten, also einem der Fächer, welches ich im vorigen Semester belegt hatte. Schließlich geht es in den Blockpraktika darum, das im Semester Gelernte zu vertiefen. Im Gegensatz dazu stehen die Famulaturen, mehrmonatige Praktika, die man – bis zu einem gewissen Grad – nach eigenen Vorlieben aussuchen kann.
Ich war in die Ambulanz eingeteilt und sah viele Patienten – viele Augen. Es ist faszinierend, sich Augen in einer so hohen Frequenz aus nächster Nähe zu betrachten, meist durch eine Lupe, ein Mikroskop oder dank sonstiger Hilfsmittel wie der Spaltlampe, der Funduskopie für das Betrachten des Augenhintergrundes oder anderen Verfahren der Bildgebung.
So klein das Auge auch ist, merkt man doch, wie abhängig man davon ist, wenn man den Schilderungen der Patienten zuhört. Dabei ist es egal, ob das Auge „nur juckt“, weil man die Gefahr sexuell übertragbarer Krankheiten unterschätzt, seit Monaten kaum noch sehen kann, weil ein Tränenschleier vor dem Auge hängt, oder einem an Silvester ein Böller so dermaßen um die Ohren geflogen ist, dass man froh sein kann, wenn ein Auge nicht enukleiert, also herausgenommen, werden muss, sondern „tot“ in der Augenhöhle bleiben darf.
Mal sehen, was die nächsten Semester so bringen. Aber die Augenheilkunde nehme ich nach diesem Praktikum auf meine Liste möglicher Spezialisierungen auf!

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