interaktiv

Medizin studieren

Schauspielkunst

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

16.03.2018

Nicht nur in der Neurologie mussten wir dieses Semester ein Fallseminar bestreiten, sondern auch in der Psychiatrie. Der Anspruch erhöhte sich dabei nicht so sehr für uns Studierende, vielmehr wurde den Schauspielern einiges mehr abverlangt: Kopfschmerzen lassen sich nun mal leichter darstellen als Stimmenhören. Genauer gesagt, kommt es beim Schauspielern von Kopfschmerzen nicht auf die Feinheiten an, denn wenn im Skript für die Schauspieler steht, sie sollen diese als beidseitig dumpf beschreiben, bringt einen das als Studierender/Arzt allein bereits auf die richtige Fährte - ganz anders beim Stimmenhören, Beschreiben von Verfolgungswahn oder dergleichen. Da macht es einen Unterschied, ob der „Patient“ zwischendrin nach oben in die Ecke schaut, mitten im Satz verstummt, jemandem zu lauschen scheint oder all das einfach nicht macht.

Ganz besonderes Talent brauchte meines Erachtens der junge Mann, der eine akute Entzugssymptomatik mimte. Er wurde fast schon handgreiflich, lief extrem unruhig im Zimmer auf und ab, verlangte von mir ein Beruhigungsmittel sowie, in ein Entzugsprogramm aufgenommen zu werden. Da ist es als Anfänger unglaublich schwer, souverän zu bleiben und dem Mann zu erklären, dass er kein Medikament bekommen werde, sondern er jetzt wieder heimzugehen und bei ernsthaftem Interesse an einem Entzug mit Termin vorstellig zu werden habe. Das hat Hand und Fuß, aber es ist für uns auf ständige Hilfsbereitschaft getrimmte Mediziner erst mal kontraintuitiv, einen Patienten unverrichteter Dinge heimzuschicken. Letzten Endes helfen dann die Fallnachbesprechungen ungemein, Licht ins Dunkel zu bringen und eigene Verhaltensfehler aufzudecken.

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