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Medizin studieren

Frühschicht

Seit Anfang Jahres arbeite ich in einem Krankenhaus in Münster als Pflegehelfer. Im Prinzip muss ich dabei das Gleiche machen wie damals im Pflegepraktikum: Pflege. Und doch, ein bisschen was hat sich geändert. Da wäre zum einen die Tatsache, dass ich mittlerweile etwas von Medizin verstehe. In meiner Zeit als Pflegepraktikant hatte ich keinen blassen Schimmer. Ob zuerst der Dünndarm und dann der Dickdarm kommt oder andersherum, hätte ich nicht beantworten können. Wenn ich in der Patientenaufklärung las, um mich weiterzubilden, war ich schon stolz, dass ich die Abkürzung TEE für „transösophageale Echokardiografie“ auswendig aufsagen konnte. Dabei muss der Patient eine Ultraschallsonde „verschlucken“, sodass der Arzt das Herz von innen begutachten kann, denn die Speiseröhre läuft am Herz vorbei. Dagegen bin ich jetzt ein echter Profi, der euch das sogar erklären kann.
Ich kann also in meiner jetzigen Tätigkeit als Pflegehelfer selbstständiger einschätzen, was einem Patienten jetzt gut tun könnte, oder kann auch besser nachvollziehen, weshalb die alte Dame nicht mithelfen kann, wenn sie gewaschen wird.
Ebenfalls geändert hat sich die Bezahlung: Als Pflegepraktikant schuftete ich drei Monate im Schichtsystem volle 40 Stunden und verbrachte einen Großteil der Zeit mit den Fäkalien und dem Urin der Patienten, ohne einen einzigen Cent als Wertschätzung zu erhalten. Jetzt arbeite ich immerhin auf 450-Euro-Basis.
Ich soll vor allem in den Nachtschichten eingesetzt werden, sprich von 20 bis 6 Uhr. Da man in dieser Zeit jedoch nur mit einer Schwester oder einem Pfleger auf Station ist, macht es Sinn, schon im Vorfeld zu wissen, wo was ist. Daher musste ich vier Tage am Stück zur Frühschicht antanzen, um eingearbeitet zu werden. Abgesehen vom frühen Aufstehen, für das ich nicht gemacht bin, machte das Ganze doch ziemlich Spaß!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Mar 23, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Mar 23, 2018

Medizin studieren

Schauspielkunst

Nicht nur in der Neurologie mussten wir dieses Semester ein Fallseminar bestreiten, sondern auch in der Psychiatrie. Der Anspruch erhöhte sich dabei nicht so sehr für uns Studierende, vielmehr wurde den Schauspielern einiges mehr abverlangt: Kopfschmerzen lassen sich nun mal leichter darstellen als Stimmenhören. Genauer gesagt, kommt es beim Schauspielern von Kopfschmerzen nicht auf die Feinheiten an, denn wenn im Skript für die Schauspieler steht, sie sollen diese als beidseitig dumpf beschreiben, bringt einen das als Studierender/Arzt allein bereits auf die richtige Fährte - ganz anders beim Stimmenhören, Beschreiben von Verfolgungswahn oder dergleichen. Da macht es einen Unterschied, ob der „Patient“ zwischendrin nach oben in die Ecke schaut, mitten im Satz verstummt, jemandem zu lauschen scheint oder all das einfach nicht macht.

Ganz besonderes Talent brauchte meines Erachtens der junge Mann, der eine akute Entzugssymptomatik mimte. Er wurde fast schon handgreiflich, lief extrem unruhig im Zimmer auf und ab, verlangte von mir ein Beruhigungsmittel sowie, in ein Entzugsprogramm aufgenommen zu werden. Da ist es als Anfänger unglaublich schwer, souverän zu bleiben und dem Mann zu erklären, dass er kein Medikament bekommen werde, sondern er jetzt wieder heimzugehen und bei ernsthaftem Interesse an einem Entzug mit Termin vorstellig zu werden habe. Das hat Hand und Fuß, aber es ist für uns auf ständige Hilfsbereitschaft getrimmte Mediziner erst mal kontraintuitiv, einen Patienten unverrichteter Dinge heimzuschicken. Letzten Endes helfen dann die Fallnachbesprechungen ungemein, Licht ins Dunkel zu bringen und eigene Verhaltensfehler aufzudecken.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Mar 16, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Mar 16, 2018

Medizin studieren

Generalprobe

Es gibt kaum etwas Besseres, als frisch Gelerntes direkt unter Beweis stellen zu können. In Münster gibt es in den Unterricht integrierte Fallseminare, in denen Arzt spielende Studierende auf Patienten spielende Schauspieler losgelassen werden. Nicht ganz zufällig sind diese Fallseminare wohl dieses Mal an das Ende der Klausurphase gelegt worden. Denn bis dahin hat sich – so wohl die Überlegung – der eine oder andere Studierende schon mit dem Thema auseinandergesetzt.
Was mich betrifft, ging der Plan auf: In sechs Situationen schilderten mir Patienten ihre Beschwerden und meine Aufgabe war es, eine Diagnose zu stellen, Behandlungspläne aufzustellen und beides den Patienten zu vermitteln. Auch Zwischenmenschliches galt es zu meistern. Einfach ist es in keinem Fall, einer 25-Jährigen zu sagen, dass sie aller Voraussicht nach an Multipler Sklerose erkrankt ist. Und wenn für diese dann eine Welt zusammenbricht, muss man als Arzt Ängste nehmen und erklären, dass das nicht mehr zwingend eine „Rollstuhl-Diagnose“ sein muss. Aber es geht einem selbst auch unter die Haut.
Schwierig wurde es, als ich in eine akute Stresssituation versetzt wurde: Geschildert war eine typische Schlaganfall-Symptomatik und instinktiv spürte ich, wie sich ein gewisser Druck breitmachte, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen, um dem Patienten die bestmögliche Akuttherapie zukommen zu lassen.
Dass das Ganze „nur“ ein Spiel war, merkte ich erst zehn Minuten später, als wieder die Glocke ertönte, die einen in die Realität zurückholte und ins nächste Zimmer, zum nächsten Fall schickte.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Mar 9, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Mar 9, 2018