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Medizin studieren

Chefarztvisite

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

12.04.2018

Chefärzte benehmen sich teilweise schon komisch. Verhalten einem Patienten gegenüber, welches man einem Assistenzarzt nie im Leben durchgehen ließe, scheint selbstverständlich zu sein. Da wäre beispielsweise die unangenehme Angewohnheit, nicht mehr mit dem Patienten zu sprechen, sondern mit der begleitenden Schar Ober- und Assistenzärzte ÜBER den Patienten zu reden – in dessen Beisein.
Mit „Glück“ bekommt man dann als mittelgradig verdutzter Patient eine dieser Chefarztvisiten mit. Man stelle sich vor, krank oder verletzt in der Klinik zu liegen und gegen zehn Uhr vormittags, wenn normalerweise der gewohnte Arzt zur Visite und Besprechung des weiteren Prozederes vorbeikommt, geht auf einmal die Tür auf und zehn komplett unbekannte Gesichter rauschen herein. Erst ganz hinten ist der bisher behandelnde Arzt auszumachen. Und dann beginnt einer der Ärzte – ganz vorne, meist ein bisschen älter als die anderen, oft nicht wirklich krankenhaustypisch gekleidet, also meist der Chefarzt –, mit dem zweitältesten Arzt – gemeinhin der Oberarzt – über einen zu sprechen. Ab und zu merkt der bisher behandelnde Arzt von hinten etwas an. Der Zwischenruf wird aber meist nicht merklich zur Kenntnis genommen. Als Patient wundert man sich vermutlich ziemlich, wie zehn Leute im Raum stehen und über einen sprechen können, aber oft kein Wort des Grußes oder des Abschieds verlieren. Entsprechend bedröppelt sind viele von ihnen auch, wenn man dann nach ein paar Minuten noch mal alleine zu ihnen kommt, um zu erklären, was da gerade passiert ist und wie es weitergehen wird.
Nichtsdestotrotz sind im Vorfeld alle immer ziemlich heiß auf diese sagenumwobenen Chefarztvisiten – Patienten wie Assistenzärzte.

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