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Medizin studieren

Schubladen

Ich hatte mittlerweile häufig im Krankenhaus mit Patienten, Pflegekräften und Ärzten jeder Rangordnung zu tun. Dadurch wird für mich langsam klar, was ich später nicht machen will. Natürlich hat vermutlich jeder den Anspruch, ein bestmöglicher Arzt zu werden. Dieses Unterfangen ist aber stark davon abhängig, welche Art von Person man ist. Empathie kann man sich nicht einfach vornehmen, wenn man auf ein „Gestern ist meine Frau gestorben, heute rast mein Herz“ normalerweise mit „Das ist vermutlich psychogen, stellen Sie sich nicht so an, in zwei Wochen ist’s wieder besser“ reagiert hat. Klar, kann man an einer adäquateren Antwort arbeiten. Aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale lassen sich nicht so leicht in die Schranken weisen.
Was man aber auf jeden Fall tun kann, ist, im Lauf der eigenen Karriere auf bestimmte Dinge Acht zu geben. Zum Beispiel, den Patienten ernst zu nehmen. Das ist mir nämlich in meinen diversen Praktika sehr aufgefallen: Je älter und erfahrener der Arzt, desto häufiger projiziert er schlechte Erfahrungen auf ähnliche zukünftige Patienten und neigt dazu, diese schneller in eine Schublade zu stecken. Das vereinfacht die Arbeit enorm, wirft aber das Problem auf, dass man einem großen Anteil der Patienten Unrecht tut.
Selbstverständlich ist das aus meiner Perspektive ein sehr hehres, vermutlich naives Ziel, später niemals Patienten in eine Schublade zu stecken. Mir ist klar, dass dies in der einen oder anderen Situation passieren wird und ich vielleicht auch rational nicht anders handeln können werde – aber ich kann mir ja zumindest vornehmen, das nicht Überhand nehmen zu lassen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 18, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Apr 18, 2018

Medizin studieren

Chefarztvisite

Chefärzte benehmen sich teilweise schon komisch. Verhalten einem Patienten gegenüber, welches man einem Assistenzarzt nie im Leben durchgehen ließe, scheint selbstverständlich zu sein. Da wäre beispielsweise die unangenehme Angewohnheit, nicht mehr mit dem Patienten zu sprechen, sondern mit der begleitenden Schar Ober- und Assistenzärzte ÜBER den Patienten zu reden – in dessen Beisein.
Mit „Glück“ bekommt man dann als mittelgradig verdutzter Patient eine dieser Chefarztvisiten mit. Man stelle sich vor, krank oder verletzt in der Klinik zu liegen und gegen zehn Uhr vormittags, wenn normalerweise der gewohnte Arzt zur Visite und Besprechung des weiteren Prozederes vorbeikommt, geht auf einmal die Tür auf und zehn komplett unbekannte Gesichter rauschen herein. Erst ganz hinten ist der bisher behandelnde Arzt auszumachen. Und dann beginnt einer der Ärzte – ganz vorne, meist ein bisschen älter als die anderen, oft nicht wirklich krankenhaustypisch gekleidet, also meist der Chefarzt –, mit dem zweitältesten Arzt – gemeinhin der Oberarzt – über einen zu sprechen. Ab und zu merkt der bisher behandelnde Arzt von hinten etwas an. Der Zwischenruf wird aber meist nicht merklich zur Kenntnis genommen. Als Patient wundert man sich vermutlich ziemlich, wie zehn Leute im Raum stehen und über einen sprechen können, aber oft kein Wort des Grußes oder des Abschieds verlieren. Entsprechend bedröppelt sind viele von ihnen auch, wenn man dann nach ein paar Minuten noch mal alleine zu ihnen kommt, um zu erklären, was da gerade passiert ist und wie es weitergehen wird.
Nichtsdestotrotz sind im Vorfeld alle immer ziemlich heiß auf diese sagenumwobenen Chefarztvisiten – Patienten wie Assistenzärzte.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 12, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Apr 12, 2018

Medizin studieren

Ab in die Heimat

Wie jedes Semester ging auch dieses Mal die Klausurphase sehr unspektakulär zu Ende. Nach zwei Tagen Ankreuzerei war es geschafft und die Ergebnisse wurden im Nu veröffentlicht. Alles bestanden, Semesterziel erreicht!
Aber lange Zeit, auszuruhen, blieb mir nicht: Am nächsten Tag schon fuhr ich mit dem Zug in die Heimat nach Nürnberg. Normalerweise komme ich ja immer nur auf Stippvisite für ein paar Tage vorbei. Das ist schade, schließlich würde ich gerne mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Deswegen habe ich beschlossen, dieses Jahr meine letzte Famulatur, die ich in der Neurologie absolvieren werde, in die Heimat zu legen. Nicht bedacht hatte ich dabei leider die einstündige Anreise jeden Tag von zuhause zum Krankenhaus.
Nichtsdestotrotz bin ich gespannt darauf, wie es sich in der Neurologie arbeitet. Schließlich hilft alles Interesse an einem Fachgebiet nichts, wenn man am Ende feststellt, dass einem die Arbeitsbedingungen dort nicht liegen. Deshalb gilt es, die nächsten vier Wochen abzuwarten und dann unter Umständen schon erste Entscheidungen für meine – mittlerweile doch relativ nahe – berufliche Zukunft zu treffen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 4, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Apr 4, 2018