interaktiv

Medizin studieren

Schubladen

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

18.04.2018

Ich hatte mittlerweile häufig im Krankenhaus mit Patienten, Pflegekräften und Ärzten jeder Rangordnung zu tun. Dadurch wird für mich langsam klar, was ich später nicht machen will. Natürlich hat vermutlich jeder den Anspruch, ein bestmöglicher Arzt zu werden. Dieses Unterfangen ist aber stark davon abhängig, welche Art von Person man ist. Empathie kann man sich nicht einfach vornehmen, wenn man auf ein „Gestern ist meine Frau gestorben, heute rast mein Herz“ normalerweise mit „Das ist vermutlich psychogen, stellen Sie sich nicht so an, in zwei Wochen ist’s wieder besser“ reagiert hat. Klar, kann man an einer adäquateren Antwort arbeiten. Aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale lassen sich nicht so leicht in die Schranken weisen.
Was man aber auf jeden Fall tun kann, ist, im Lauf der eigenen Karriere auf bestimmte Dinge Acht zu geben. Zum Beispiel, den Patienten ernst zu nehmen. Das ist mir nämlich in meinen diversen Praktika sehr aufgefallen: Je älter und erfahrener der Arzt, desto häufiger projiziert er schlechte Erfahrungen auf ähnliche zukünftige Patienten und neigt dazu, diese schneller in eine Schublade zu stecken. Das vereinfacht die Arbeit enorm, wirft aber das Problem auf, dass man einem großen Anteil der Patienten Unrecht tut.
Selbstverständlich ist das aus meiner Perspektive ein sehr hehres, vermutlich naives Ziel, später niemals Patienten in eine Schublade zu stecken. Mir ist klar, dass dies in der einen oder anderen Situation passieren wird und ich vielleicht auch rational nicht anders handeln können werde – aber ich kann mir ja zumindest vornehmen, das nicht Überhand nehmen zu lassen!

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