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Medizin studieren

Wiederbelebung

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

25.05.2018

In der Notaufnahme geht es bisweilen hektisch, wenn nicht gar chaotisch zu. Der eine rennt von A nach B, der nächste von C nach A, überall stehen und liegen Patienten und der eine oder andere Praktikant – ich zum Beispiel – steht dumm in der Ecke rum. Entsprechend können auch mal wichtige Dinge im Eifer des Gefechts untergehen – Feingefühl, Respekt und ein freundlicher Umgangston etwa. Letzteres ist harmlos, als Praktikant muss man sich ein dickes Fell zulegen und damit leben können, ab und zu angeraunzt zu werden. Sobald es um den Patienten geht, ist für mich allerdings eine Grenze erreicht.
Ein eindrückliches Beispiel ist mir da im Gedächtnis geblieben: Vom Notarzt wurde eine Patientin mit Schlaganfall eingeliefert, die wegen eines akuten Schlaganfalls nicht mehr sprechen oder sich bewegen konnte, wohl aber alles verstand. Es handelte sich um eine ältere Patientin aus dem Altersheim, die wohl eine Patientenverfügung vorliegen hatte, die eine Herzdruckmassage zur Wiederbelebung sowie andere, lebensverlängernde Maßnahmen ausschloss. Da diese bei der Behandlung eines Schlaganfalls durchaus nötig werden können, ist diese Info für die weiterbehandelnden Ärzte wichtig. Doch die Ärzte diskutierten das Ganze vor der Patientin, die ja total klar und angsterfüllt war, nach dem Motto: „Frau X will nicht wiederbelebt werden, wenn gleich was schiefgeht. Das ist meines Erachtens so dermaßen daneben, dass mich diese Situation noch sehr lange beschäftigte.
Dabei kann ich die beiden involvierten Ärzte zum Teil sogar verstehen, denn die Situation war absolut chaotisch. Aber sie hätten das Feingefühl besitzen müssen, in dem Moment zumindest die Stimme zu senken.
Und so bleibt mir nur, zu hoffen, dass eine neue Generation Ärzte aus solchen Erfahrungen ihre Lehren ziehen und diese möglichst lange in der Praxis umsetzen werden.

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