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Medizin studieren

Plagiat

Das Literaturverzeichnis meiner Dissertation wächst und wächst. Trotzdem habe ich zunehmend das Gefühl, dass das Zitieren nicht so richtig rund läuft. Die Angst, Fehler zu machen, sitzt tief. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Doktortitel aberkannt wurden, weil der Autor durch fehlende oder mangelnde Angabe der Quelle ein Plagiat beging. Dabei geht es tatsächlich schneller als gedacht, ein Zitat falsch zu setzen.
Schwierig wird es zum Beispiel, wenn man Zitate aus Rezensionen in der Originalquelle sucht, aber partout nicht finden kann. Denn auch in den Literaturverzeichnissen renommierter Wissenschaftler verschieben sich ab und an die zugeordneten Ziffern, sodass die Quellenangabe nicht mehr stimmt. Das macht die Arbeit natürlich alles andere als einfach. Deshalb wächst also nicht nur mein Literaturverzeichnis, sondern auch meine Unsicherheit, schon eine Stelle übersehen, aus einer Quelle zu viel zitiert oder eine Aussage mit zu wenigen Verweisen untermauert zu haben. Hier bleibt letztlich nur der Gang zu einer Beratungsstelle, doch auf den Termin muss ich leider noch etwas warten. Also schreibe ich weiter und hoffe, dass am Ende alles passt.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Jul 30, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Jul 30, 2018

Medizin studieren

Kellereinsatz

Im zweiten Semester habe ich zum ersten Mal Leichen gesehen. Damals marschierte die komplette Kohorte voller Tatendrang in den Präperationssaal, um dort alles über die menschliche Anatomie zu lernen. Auf 20 nackte, graue Leichen waren viele damals nicht vorbereitet, doch im Laufe der Zeit überwanden nahezu alle ihre Scheu vor den Toten.
Doch mit dem unmittelbaren, akuten Tod hatte das nichts zu tun. Die Leichen erinnerten nur entfernt an Menschen, waren sie doch allesamt seit mehreren Monaten tot und über längere Zeit in Formaldehyd konserviert worden.
Insofern war es für mich überraschend, als in einer ruhigen Nachtschicht die Nachtschwester der Chirurgie bei uns anrief und fragte, ob ich mit in den Keller kommen könnte. Wir sollten eine soeben verstorbene Patientin nach unten in den Raum bringen, in dem die Toten vom Bestatter abgeholt werden. „Klar, warum nicht, ist schließlich mein Job!“, dachte ich und machte mich auf den Weg zur chirurgischen Station. Ein bisschen neugierig war ich definitiv, gleichzeitig sicherlich auch nervös. Im Zimmer der Verstorbenen wurde meine Nervosität größer: Einerseits wirkte die Patientin, als würde sie schlafen. Andererseits war absolut klar, dass dieser Schlaf anders war als der eines Lebenden. Als wir die Tote im Kühlraum aus dem Bett auf eine Liege lagerten, wurde klar, was anders war: Obwohl noch warm, hatte doch die Totenstarre bereits eingesetzt. In dem dunklen, sterilen Keller beschlich nicht nur mich, sondern auch die Nachtschwester, ein mulmiges Gefühl von Endgültigkeit. Daher waren wir froh, wieder nach oben gehen zu können.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Jul 25, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Jul 25, 2018

Medizin studieren

Eine kleine Prise Praxis

Der Arm liegt regungslos vor mir. Venen treten auf seiner Oberfläche hervor, in die ich nun mit einer Nadel stechen soll. Ich schaue hoch zu meiner Tutorin, die den ersten Test abnimmt und mir Punkte geben wird, wie gut ich den Modellarm bearbeiten kann. Ziel ist es, einen Zugang zu legen, über den Infusionen laufen oder Blutabnahmen stattfinden können. Und weil es hier um Kontakt zu Patienten geht, wird auch bewertet, wie viel man mit dem Arm, der so unbeeindruckt und mit Einstichstellen übersät vor einem liegt, spricht und ihm erklärt, was man nun macht. Also: Zuerst wird die Lieblingsvene ausfindig gemacht, dann desinfiziere ich – sprühen, wischen, sprühen, einziehen lassen. Währenddessen lege ich mir den Zugang mit der spitzen Nadel sowie ein paar Tupfer und ein Pflaster zum Fixieren zurecht. Der Stauschlauch darf nicht vergessen werden. Das ist eine Schlinge, die man um den Arm legt, um den Blutfluss zu unterdrücken, sodass die Venen voller sind.
Dann geht’s ans Eingemachte: Vorsichtig setze ich die Nadel an, zittere ein wenig und verfluche innerlich meine Unsicherheit. Bisher habe ich erst einmal Blut abnehmen dürfen und das ist zweieinhalb Jahr her. Ich steche zu, schiebe die Nadel weiter und ... es fließt natürlich kein Blut. Meine Tutorin kritzelt eine Notiz aufs Papier und legt mir nahe, ausgiebig zu üben.
Glücklicherweise kann ich das im Studienhospital sehr umfassend tun. Fast jedem Studierenden wird ein persönlicher Tutor zur Seite gestellt, der einem das richtige Legen eines Zugangs zeigt, Tipps gibt und Kritik äußert – das ist echt hilfreich. Nach drei weiteren erfolglosen Versuchen, habe ich es endlich geschafft, eine Vene zu treffen. Doch das Blut schießt eher heraus, weil ich natürlich in meinem Eifer vergessen habe, den Schlauch zu lösen. Was eine Sauerei! Aber Fehler sind schließlich da, um aus ihnen zu lernen. Und wo, wenn nicht hier?
Was aber wohl jeder Studierende zum Gähnen langweilig findet, ist Hygiene. Also nicht die eigene, sondern die im Krankenhaus. Sie ist elementar für die Sicherheit der Patienten. Wir lernten etwa, wie man sich die Hände richtig desinfiziert und wie man steril arbeitet. Nach dem Erlernen jeder neuen Fertigkeit freue ich mich auf den nächsten Kurstag, um noch mehr Praxis beherrschen zu können.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Jul 23, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Jul 23, 2018