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Medizin studieren

Ethik

Die Situation sei folgende: Nach einem schweren Verkehrsunfall bin ich mehrere Minuten bewusstlos, mein Herz schlägt nicht mehr. Personen, die mich entdecken, versuchen, mich wiederzubeleben. Nach einiger Zeit trifft ein Krankenwagen ein. Sanitäter und Notärzte übernehmen, ich werde eingeladen, bin nach wie vor bewusstlos, aber mein Herz schlägt wieder. Auf dem Weg ins Krankenhaus muss ich erneut reanimiert werden. Auf der Intensivstation bessert sich mein Zustand nicht, ich muss künstlich beatmet und nach einigen Tagen künstlich ernährt werden. Meine Eltern wissen nicht, ob ich diese lebenserhaltenden Maßnahmen gewollt hätte. Ebenso wenig wissen sie im Falle meines Todes mit meinen Organen passieren soll.
Dieses Szenario ist fiktiv, aber es zeigt, wie wichtig Patientenverfügungen sind. Diese klären, ob eine Patientin oder ein Patient in einer lebensbedrohlichen Situation um jeden Preis am Leben gehalten werden möchte, ob künstliche Beatmung und Ernährung, Bluttransfusionen oder Wiederbelebungen gewollt sind. Deshalb lernen wir in einem Ethikseminar, wie man eine solche Verfügung mit einem Patienten zusammen ausfüllt, worauf zu achten ist und, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen sind. Vorgefertigte Textbausteine erleichtern eine genaue Einordnung des Patientenwillens, sodass kein Interpretationsspielraum bleibt.
Im Rahmen der Patientenverfügung wird auch dazu aufgefordert, sich zur Organspende zu äußern. In meinen Augen spricht nichts dagegen, all meine Organe an Menschen zu spenden, deren Leben davon abhängt. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Im Übrigen ist eine Verfügung nicht für immer gültig und kann jederzeit widerrufen werden.
Bei alldem bemerke ich eines: Es fällt selbst uns Medizinstudierenden, die schon öfter als der Ottonormalbürger mit dem Tod konfrontiert waren, schwer, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Aug 3, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Aug 3, 2018

Medizin studieren

Kirchentag

Vor einigen Wochen fand in Münster der Kirchentag der katholischen Kirche statt. Eigentlich hätte ich keinen Grund, etwas darüber zu schreiben, da ich nicht religiös bin. Aber aus verschiedenen Gründen betraf mich das Spektakel dann doch mehr als erwartet. Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, gab es in Münster am Osterwochenende einen Anschlag. Entsprechend angespannt war die Stimmung vor dieser Großveranstaltung, für die 150.000 Besucher erwartet wurden. Viele Kliniken der Stadt bereiteten sich auf Notfälle vor. In manchen Krankhäusern wurde keine Operationen mehr angesetzt, um freie Betten für den Fall eines Unglücks zu haben. Teile einer Station wurden gesperrt, um Platz für den Katastrophenfall zu schaffen.
Auch die Uni wurde teils gesperrt, manche Zweigbibliotheken machten für die Tage zu. Busse wurden umgeleitet und Rollstuhlfahrer gelangten ohne Taxi nicht mehr in die Stadt.
Zum Glück hatte ich mit den äußeren Umständen kaum etwas zu tun, ich hatte das ganze Wochenende über Nachtschichten. Doch ganz Münster, so mein Eindruck, war in Bereitschaftshaltung. Was mich betrifft, verlief das Ganze dann doch eher entspannt, sodass es schon fast grotesk anmutet, was für Vorkehrungen getroffen wurden.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Aug 2, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Aug 2, 2018

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Plagiat

Das Literaturverzeichnis meiner Dissertation wächst und wächst. Trotzdem habe ich zunehmend das Gefühl, dass das Zitieren nicht so richtig rund läuft. Die Angst, Fehler zu machen, sitzt tief. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Doktortitel aberkannt wurden, weil der Autor durch fehlende oder mangelnde Angabe der Quelle ein Plagiat beging. Dabei geht es tatsächlich schneller als gedacht, ein Zitat falsch zu setzen.
Schwierig wird es zum Beispiel, wenn man Zitate aus Rezensionen in der Originalquelle sucht, aber partout nicht finden kann. Denn auch in den Literaturverzeichnissen renommierter Wissenschaftler verschieben sich ab und an die zugeordneten Ziffern, sodass die Quellenangabe nicht mehr stimmt. Das macht die Arbeit natürlich alles andere als einfach. Deshalb wächst also nicht nur mein Literaturverzeichnis, sondern auch meine Unsicherheit, schon eine Stelle übersehen, aus einer Quelle zu viel zitiert oder eine Aussage mit zu wenigen Verweisen untermauert zu haben. Hier bleibt letztlich nur der Gang zu einer Beratungsstelle, doch auf den Termin muss ich leider noch etwas warten. Also schreibe ich weiter und hoffe, dass am Ende alles passt.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Jul 30, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Jul 30, 2018