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Medizin studieren

Ethik

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

03.08.2018

Die Situation sei folgende: Nach einem schweren Verkehrsunfall bin ich mehrere Minuten bewusstlos, mein Herz schlägt nicht mehr. Personen, die mich entdecken, versuchen, mich wiederzubeleben. Nach einiger Zeit trifft ein Krankenwagen ein. Sanitäter und Notärzte übernehmen, ich werde eingeladen, bin nach wie vor bewusstlos, aber mein Herz schlägt wieder. Auf dem Weg ins Krankenhaus muss ich erneut reanimiert werden. Auf der Intensivstation bessert sich mein Zustand nicht, ich muss künstlich beatmet und nach einigen Tagen künstlich ernährt werden. Meine Eltern wissen nicht, ob ich diese lebenserhaltenden Maßnahmen gewollt hätte. Ebenso wenig wissen sie im Falle meines Todes mit meinen Organen passieren soll.
Dieses Szenario ist fiktiv, aber es zeigt, wie wichtig Patientenverfügungen sind. Diese klären, ob eine Patientin oder ein Patient in einer lebensbedrohlichen Situation um jeden Preis am Leben gehalten werden möchte, ob künstliche Beatmung und Ernährung, Bluttransfusionen oder Wiederbelebungen gewollt sind. Deshalb lernen wir in einem Ethikseminar, wie man eine solche Verfügung mit einem Patienten zusammen ausfüllt, worauf zu achten ist und, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen sind. Vorgefertigte Textbausteine erleichtern eine genaue Einordnung des Patientenwillens, sodass kein Interpretationsspielraum bleibt.
Im Rahmen der Patientenverfügung wird auch dazu aufgefordert, sich zur Organspende zu äußern. In meinen Augen spricht nichts dagegen, all meine Organe an Menschen zu spenden, deren Leben davon abhängt. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Im Übrigen ist eine Verfügung nicht für immer gültig und kann jederzeit widerrufen werden.
Bei alldem bemerke ich eines: Es fällt selbst uns Medizinstudierenden, die schon öfter als der Ottonormalbürger mit dem Tod konfrontiert waren, schwer, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

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