interaktiv

Medizin studieren

Wieder ganz unten anfangen

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

08.10.2018

Wenn ich irgendwo neu bin, bin ich immer noch nervös und unsicher, ob ich mich mit meinen Kollegen verstehe und, ob ich mit den Aufgaben, die mir gestellt werden, zurechtkomme. Das hat sich nicht geändert, obwohl ich schon oft irgendwo neu angefangen habe. Aber die Ärztinnen und Ärzte in der Klinik haben etwas Einschüchterndes. Bereits am ersten Morgen wurde mir klar, dass der Monat in der Unfallchirurgie und Orthopädie mir so einiges an Selbstbewusstsein abverlangen wird.
Überrascht war ich, wie viele Famulanten und Studierende aus dem Praktischen Jahr auf der Station eingesetzt wurden. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass ich wohl kaum der einzige sein würde, da das St. Elisabeth-Krankenhaus eines der zentralen Häuser in Leipzig ist. Die Station 14, auf der ich gearbeitet habe, versorgt fast ausschließlich Patienten, die Knie- oder Hüftprothesen bekommen haben, aber auch Patienten mit Kreuzbandverletzungen, Knochenbrüchen oder ausgekugelten Schultern.
Meine Aufgaben beschränkten sich darauf, Blutentnahmen zu machen oder einen Zugang für Infusionen zu legen. Ab und zu durfte ich noch Aufnahmeuntersuchungen mit dem Stethoskop machen. Das war an sich schon der Kontakt, den ich außerhalb der Visite zu den Patienten hatte.
Die Visite in der Unfallchirurgie dauert pro Patient eine Minute. Sie läuft in etwa so ab: „Wie geht es uns denn heute? Was machen die Schmerzen? Zeigen Sie mal die Wunde. Na, das sieht ja prima aus. Wir entlassen Sie dann in drei Tagen. Lassen Sie sich noch ein bisschen von den Schwestern verwöhnen. Tschüss!“ Und dann verlassen 20 Menschen wieder den Raum, Chefarzt, Oberärzte, Assistenzärzte, Physiotherapeuten, Krankenpfleger und ganz hinten ich, der hier in den nächsten vier Wochen seinen Platz finden muss.

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