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Medizin studieren

Es könnte alles und nichts sein

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

30.11.2018

Die junge Patientin stellt sich nach einem Fahrradsturz bei mir vor. Sie gibt an, kurz nicht aufgepasst zu haben – dann lag sie plötzlich da. Sie hat keine schlimmen Verletzungen, kann sich aber an den Sturz nicht erinnern. Von einer Passantin weiß sie, dass sie vorne über den Lenker gefallen sei. Und nun?
Fälle wie diese begegnen einem täglich in der Notaufnahme. Patienten stellen sich mit unklarem Krankheitsbild vor und man soll innerhalb kürzester Zeit herausfinden, was ihnen fehlt. Ich hatte das Glück, einen jungen Assistenzarzt für einen Spätdienst begleiten zu dürfen, ihm erst über die Schulter zu schauen, später auch alleine Patienten aufzunehmen und die ersten Behandlungen durchzuführen.
Den Assistenzarzt durfte ich dauernd mit Fragen nerven, er hat mich die Gespräche aber weitestgehend selbst führen lassen und darauf vertraut, dass ich die richtigen Entscheidungen in Bezug auf die Diagnostik treffe.
Selbstverständlich habe ich bei meinem ersten Einsatz lange nicht alles richtig gemacht. Ab und zu hat mein Betreuer die Anamnese erneut gemacht, damit ich sehen konnte, was ich schon alles bedacht habe und wo ich Lücken ließ. Und da wurde mir auch bewusst, warum man sagt, dass man über zehn Jahre braucht, bis man eine vollständige, umfassende Anamnese durchführen kann. Denn in akuten Situationen ist es wichtig, abzuschätzen, welches Problem welche Priorität genießen sollte. Das kann ich mit meiner geringen Erfahrung noch nicht bewerten.
Insgesamt bin ich froh, dass ich den kurzen Einsatz in der Notaufnahme machen konnte. Ich wurde gefordert, musste mich aus meiner Komfortzone herausbegeben, selbstständig arbeiten und auf mein Können vertrauen – aber auch zugeben, wenn ich etwas nicht wusste. So konnte ich vieles lernen, insbesondere über mich selbst und meine Fähigkeiten.

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