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Medizin studieren

Der Berg ruft

Nach einem Monat der puren Entspannung hieß es Anfang August: Ab in die Alpen! Zunächst in einer größeren Gruppe unterwegs, wanderten wir für ein paar Tage von Hütte zu Hütte. Zunächst war uns der Wettergott wohlgesonnen, doch der letzte Tag zwang uns zu spontaner Umdisponierung: Laut Wetterprognose sollte es vormittags noch schön sein und gegen Nachmittag gewittern. Also wollten wir früh aufstehen und die Etappe schnell durchziehen. Doch daraus wurde nichts, pünktlich um sechs Uhr morgens fing es an zu regnen und Besserung war nicht in Sicht – was also tun? Die geplante Route war nun nicht mehr möglich, zu tief hingen die Wolken, zu hoch verlief der anvisierte Weg. Es blieb uns nichts anderes übrig, als einen Umweg zu gehen und die Tour um einen Tag abzukürzen. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte: Wären wir über den Höhenweg zur Hütte gewandert, hätten wir mit Schnee zu kämpfen gehabt. So mussten wir nur mit Regen klar kommen. Den Tag, den wir durch das Abkürzen gewonnen hatten, verbrachten wir in Innsbruck, wo wir Stadtbild und Torten genießen konnten und am Abend die neue Kletterhalle austesten konnten.
Die folgenden Tage verbrachten wir – nun in deutlich kleinerer Gruppe – auf einer schönen, kleinen Hütte im Osten Tirols. Von dort aus gab es zahlreiche Klettergärten – also Felswände mit Haken drin, um sich beim Klettern abzusichern – die wir allesamt austesteten. Gekrönt wurde dieser Kletterurlaub von ein paar schönen langen Mehrseillängenrouten, also alpiner Kletterei, die höher als nur zwanzig, dreißig Meter hoch geht, sondern eben mehrere Seillängen lang ist. Um die Technik dahingehend nochmal zu vertiefen, hatten wir einen Bergführer für einen Tag, der das, was wir bereits in einem DAV-Kurs vor ein paar Jahren gelernt hatten, überprüfte und verfeinerte. Derart geschult verbrachten wir noch einige schöne Tage bei überwiegend perfektem Wetter in Tirol!
Wieder einmal wurde mir klar, wie sehr ich landschaftliche Abwechslung dort oben im plattgebügelten Münsterland vermisse. Mittlerweile bin ich mir doch relativ sicher, dass es mich früher oder später wieder in den Süden zieht, um der Bergwelt ein Stückchen näher zu sein! Doch zunächst ging es wieder nach Münster: Die nächsten zwei Wochen galt es, nochmal ordentlich Literatur zu pauken, um meine Dissertation zu verteidigen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Sep 26, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Sep 26, 2019

Medizin studieren

Zeit für mich

Drei Wochen früher als geplant war ich nun also wieder in Deutschland. Zu tun gab es vor allem eines: Entspannen. Der ursprünglich für Ende Juli geplante Termin der Verteidigung meiner Doktorarbeit fiel ins Wasser, sodass ich knapp vier Wochen Zeit hatte, in Münster die Seele baumeln zu lassen. Morgens aufzustehen und nicht zu wissen, was der Tag bringt – ein Zustand, den ich seit Studienbeginn nie mehr hatte. Nicht, weil es nicht möglich gewesen wäre, sondern, weil ich es nicht wollte. Jetzt allerdings genoss ich diese Abwesenheit von Verpflichtungen in vollsten Zügen, besuchte Freunde, auch außerhalb Münsters und NRWs, machte Sport, wenn ich dazu Lust hatte und nicht, wenn ein zweistündiges Zeitfenster es erlaubte. Morgens blieb ich nach dem Aufwachen erst mal im Bett und las, bevor ich mich langsam in den Tag gleiten ließ. Und mittags überlegte ich spontan, ob ich mit Freunden in die Mensa, mir lieber selbst etwas kochen oder auf den Markt zum Essen gehen wollte.
Alles in allem eine wirklich erholsame Zeit.
Meinem Naturell entspricht dieses Verhalten eigentlich nicht. Ich plane gerne meine Tage durch, um alles machen zu können, worauf ich Lust habe. Entsprechend froh war ich auch, als Ende Juli ein sogenanntes „gruppendynamischen Training“, ein freiwilliges Angebot der Medizinischen Fakultät, anstand. Dadurch war ich eine Woche lang von 9 bis 19 Uhr beschäftigt. Dabei beschäftigten wir uns in einer Gruppe von acht Leuten während der ganzen Zeit nur mit uns selbst und der Gruppe. Eine intensive Erfahrung, da man gezwungenermaßen viel über eigene Handlungsweisen, Denkweisen und Marotten reflektiert. Aber auch eine super lehrreiche Zeit, die einem im Alltag, aber auch später im Beruf, eigentlich in allen Situationen, in denen man in einer Gruppe funktionieren muss, von Vorteil sein kann. Nach dem Ende dieses Trainings stand dann ein kleiner Zwischenurlaub in den Alpen an.

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 20, 2019

Medizin studieren

Fern und doch ganz nah

Zwei Monate, bevor es nach Riga ging, habe ich mich neu verliebt. Und das klingt vielleicht etwas naiv, aber in den zwei Monaten sind wir eng zusammengewachsen, sodass mein Auslandssemester für uns zur Herausforderung wurde. Nun lebten wir für fünf Monate weit voneinander entfernt – sie in Münster, ich in Riga.
Ich mag keine Fernbeziehungen. Ich bin jemand, der gerne viel Zeit mit seinem Partner verbringt und die Nähe sucht. Aber nun mussten wir mit der Situation umgehen. Sich zu vermissen ist kräftezerrend. Manchmal hat man das Gefühl, es sei kein Ende in Sicht, aber es lohnt sich. Besonders im Nachhinein finde ich unsere Entwicklung während des Auslandssemesters spannend und spüre, wie sie nachhaltig unseren Umgang miteinander und unsere Beziehung prägt. Anfangs haben wir noch recht wenig Kontakt gehabt, haben ab und zu miteinander geschrieben und alle paar Tage telefoniert. Wir merkten aber beide, dass wir uns nach einer gewissen Regelmäßigkeit sehnten. So entstanden kleine Rituale. Ich fing an, morgens nach dem Aufstehen einen kleinen Text zu schreiben, griff dabei Themen vom Vortag auf, wünschte ihr gute Dinge für den Tag und verabredete mich für später. Abends wünschten wir uns dann „Gute Nacht“, so beendete man den Tag zusammen und hörte nochmal, wie es dem anderen ging. Sonntags nahmen wir uns mehr Zeit und chatteten miteinander. Wir nutzten die Zeit, die wir hatten.
Dazu bemühten wir uns, uns in nicht allzu großen Abständen zu sehen und etwas miteinander zu erleben. Zum Beispiel fuhren wir an die Küste Lettlands, haben Nationalparks besucht und uns gegenseitig noch mehr in das jeweilige Umfeld mit einbezogen. Sie lernte alle meine Leute in Riga kennen, ich noch mehr ihrer Freundinnen und Freunde in Münster, sodass wir uns in der Ferne immer gut vorstellen konnten, was der andere gerade macht. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Teilhabe, wonach wir beide uns gleichermaßen sehnten.
Wir wuchsen dadurch enorm, gaben uns viel Halt in einer unsicheren Zeit, denn keiner von uns konnte Garantie geben, dass das alles funktioniert. Doch das tat, unsere Beziehung blühte so richtig auf.
Die nächste Herausforderung wird sein, wieder in einen gemeinsamen Alltag einzutauchen. Aber auch das werden wir ehrlich und aufrichtig miteinander angehen, denn das ist das Wichtigste.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Sep 18, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Sep 18, 2019