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Medizin studieren

Anstrengend und einsam

Autor:
Maril

Rubrik:
studium

13.11.2020

... und trotzdem sehr spannend. So würde ich meine ersten offiziellen Wochen im Studium beschreiben. Am Montag setzte ich mich um 9 Uhr vor den Laptop und stand gegen 17 Uhr wieder vom Schreibtisch auf. Natürlich ist das ein wenig übertrieben. Zwischendurch habe ich gegessen, war einkaufen und habe einen kleinen Spaziergang gemacht, aber prinzipiell beschreibt das meinen Tagesablauf. Ein Großteil meiner Vorlesungen wird als Podcast, also als vertonte Präsentation online hochgeladen. Eine Vorlesung findet auch als Hybridveranstaltung statt. Zehn Studierende sitzen also im Hörsaal und die restlichen 310 vor ihrem Laptop und folgen der Vorlesung per Zoom. Nach dem derzeitigen Plan kann ich also erst Ende Januar zum ersten Mal die Vorlesungen im Hörsaal erleben. Die Seminare und Praktika finden ebenfalls als Zoom-Meeting statt und ansonsten wurde selbst für den Histologie-Kurs, in dem eigentlich nur mikroskopiert wird, eine clevere Lösung gefunden. So erfreuen wir Erstsemester uns an einem virtuellen Mikroskop, für welches die Präparate in hoher Auflösung eingescannt wurden. Bis jetzt sind auch zwei Demonstrationstermine für das Semester angesetzt, in denen wir dann auch mit einem echten Mikroskop hantieren dürfen.
Diese Abläufe sind schon ein wenig ernüchternd, doch bis jetzt hält mich die Komplexität und die Faszination, die für mich von all den zu behandelnden Themen ausgeht, bei Laune. Mir ist weder langweilig, noch habe ich Konzentrationsschwierigkeiten. Wäre auch kein gutes Zeichen, wenn das schon nach ein paar Wochen Studium der Fall sein sollte.
Um ehrlich zu sein, ist es aber schon einsam, da man nur einen Bruchteil seiner Kommilitonen persönlich kennt und auch sonst wenig zwischenmenschlichen Kontakt pflegen kann. Also versauert man allein und mit krummen Rücken am Schreibtisch und stiert auf den Bildschirm. Und da das Studium bereits ab der ersten Woche knallhart losgeht, ist es auch kein entspanntes Arbeiten. Diese Woche beispielsweise mussten wir die doppelte Menge an Anatomie-Vorlesungen bewältigen, da der Zeitplan aufgrund des späten Studienbeginns ansonsten nicht aufgehen würde. Also ja, es ist hart, aber die derzeitige Lage ist meiner Meinung nach trotzdem keine Hürde für ein erfolgreiches Studium. Man muss eben einfach die positiven Seiten sehen. Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass für bestimmte Praktika die wöchentlichen Testate wegfallen. Oder, dass ich in den kurzen Pausen nicht von einem Hörsaal zum nächsten hetzen muss. Was bleibt mir auch anderes übrig, als mich über solche Sachen zu freuen? So kann es auch eine schöne Zeit werden und das ist doch das Ziel.

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