interaktiv

Zwischen Studium & Beruf

Panik!

Autor:
Noelle

Rubrik:
studium

18.04.2018

Ich bin müde. Das merke ich vor allem daran, dass ich nicht einmal mehr die Kraft habe, mich aufzuregen.
Gestern habe ich mein letztes Vorstellungsgespräch dieser Bewerbungsrunde hinter mich gebracht. Ich musste dreieinhalb Stunden lang einen Social-Media-Test absolvieren und eine Power Point Präsentation erstellen – und all das noch vor dem eigentlichen Gespräch! Da sich meine letzten Sorgen bezüglich der Uni inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst hatten, war es danach soweit: Ich war frei!
Am nächsten Tag rollte ich mich nach dem Aufwachen noch zwei Stunden genüsslich im Bett umher, bevor ich duschte, in der Wohnung für Ordnung sorgte und opulent frühstückte. Ich erledigte einige Dinge, kaufte mir zum Beispiel einen Küchenrollenhalter und eine Obstschale. Dann der Schock: Als ich später bei meiner Bank Bargeld ziehen wollte, stellte ich fest, dass meine EC-Karte weg war! Obwohl mein Kopf in höchster Alarmbereitschaft dröhnte, erinnerte ich mich daran, dass ich sie zuletzt beim Kauf der Obstschale gezückt hatte. Nach einem kurzen Anruf in der Filiale jedoch erneut Ernüchterung: Niemand hatte meine Karte gefunden. Da blieb mir nur, bei der Notfallhotline meiner Bank anzurufen und meine Karte sperren zu lassen.
Vor ein paar Tagen hätte ich vor lauter Panik wahrscheinlich bitterlich geweint. In den vergangenen Wochen habe ich so viele Tränen vergossen, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich musste so viele Entscheidungen fällen und gleichzeitig so viele Enttäuschungen einstecken und Kompromisse eingehen – das hat mich mürbe gemacht. Ich verspüre nun nur noch diese tiefe Müdigkeit.
Höchste Zeit also für einen Tapetenwechsel: In zwei Tagen gehe ich mit meinem Papa auf Kreuzfahrt. Ich freue mich am meisten auf Ruhe, Gelassenheit und das Lesen von Büchern, die seit einem halben Jahr in meinem Bücherregal versauern. Ab und an plagen mich Gedanken daran, dass noch immer viel zu tun ist: Mein Freund muss bald umziehen, meine berufliche Zukunft ist noch nicht in trockenen Tüchern und mein Zimmer gleicht eher einer Müllhalde als einem neuen Zuhause. Trotzdem ist mir das alles gerade herzlich egal. Ich habe meinen Abschluss so gut wie in der Tasche, ich habe ein Dach über dem Kopf – der Rest wird sich schon irgendwie regeln.

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