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Zwischen Schule & Beruf

Auf eigenen Füßen

Manchmal frage ich mich wirklich, wieso mir alle ihre gut gemeinten Ratschläge aufdrücken müssen. Nachdem ich es halbwegs erfolgreich geschafft habe, meine Mama von meinen eigenen Plänen zu überzeugen, die sich vielleicht nicht so damit decken, wie sie es gerne hätte, kommt auch schon die Nächste: meine Oma. Nichtsahnend ging ich ans Telefon und hätte ich gewusst, was mich erwartet, hätte ich es lieber gleich ganz ausgeschaltet. „Hallo, hallo, hast du denn schon eine Wohnung?” Spätestens bei dieser Frage schwante mir Böses. „Ich habe nämlich eine für dich! Ich hoffe, du bist mir nicht böse, aber ich habe eine Annonce geschaltet.”

Das sollte jetzt vermutlich der Moment sein, in dem ich in endlose Freudensprüngen und Dankesreden ausbreche. Jeder hätte so reagiert und jedem hätte ich es gegönnt. Wenn ich so darüber nachdenke lande ich zwangsläufig bei meiner Freundin, die in Tübingen immer noch kein Zimmer gefunden hat und vorerst mit Jugendherberge und Feldbett vorlieb nehmen muss. Was würde sie wohl zu solch einem Angebot sagen? Wenn ich könnte, würde ich es ihr mit einer Schleife verpacken und per Post schicken. Denn ich will es nicht. „Bitte was?!”, werdet ihr euch jetzt denken, „Wie undankbar kann ein Mensch sein?!” Aber hat es wirklich etwas mit Undankbarkeit zu tun, wenn man einfach mal seine eigenen Entscheidungen treffen möchte?

Wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Lachen, weil meine Oma mal wieder das getan hat, was sie am besten kann, nämlich sich aufzuspielen, als sei sie Superwoman und die Retterin der verlorenen Seelen. Und weinen, weil ich alles andere als gut mit meinem schlechten Gewissen umgehen kann, das sich in diesem Fall ungefragt, aber dennoch wirkungsvoll einschaltet.

Ganz sicher ist es verschwendete Lebensmüh, nach dem Wieso, Weshalb und Warum zu fragen. Das einzige Warum, das mich nicht loslässt, ist die Frage, wieso keiner akzeptieren will, dass ich jetzt alt genug bin, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Wieso weiß jeder besser, was gut für mich ist? Wieso fragt nie jemand, wie ich zu einer Sache stehe? Vielleicht möchte ich ja gar nicht alleine wohnen? Vielleicht möchte ich mir meine Wohnung einfach alleine aussuchen?

Nein. Stattdessen habe ich das Gefühl, wieder dankbar für etwas sein zu müssen, um das ich nicht gebeten habe. Sicher werde ich noch oft genug auf die Nase fallen und dann um die Hilfe meiner Familie bitten, aber es wäre schön, wenn ich mich bis dahin einfach selbst ausprobieren dürfte.

Autor: Noelle  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Oct 16, 2012
Autor: Noelle
Rubrik: auszeit nach dem abi
Oct 16, 2012

Zwischen Schule & Beruf

Spirituelle Reinigung

Die letzte Woche vor Semesterbeginn ist angebrochen. Vergangenen Freitag war ich noch ein letztes Mal mit meinen Freunden in einer Bar, in dieser Woche haben sie sich nach Münster, Siegen, Lüneburg oder Aachen verzogen und Wochen oder Monate werden vermutlich vergehen, bis wir uns das nächste Mal sehen. Meine beiden besten Freundinnen sind schon nach Leipzig unterwegs, die erste eigene Wohnung renovieren und das Studentenwohnheim beziehen.

Und ich? Ich bleibe erst einmal hier. Zu Hause. Aber bevor das Studium beginnt, möchte ich Ordnung in mein Leben bringen! Und wo fängt man da am besten an? Genau, im eigenen Zimmer. Letzte Woche hatte ich einen Plan: Ich würde in meinen vier Wänden wirklich aufräumen. Nicht nur husch husch, den Boden frei machen, um mal wieder ein bisschen Staub saugen zu können, sondern wirklich Ordnung schaffen. Natürlich hat das nicht so schnell geklappt, wie es sollte, aber seit einer Woche arbeite ich mich Stückchen für Stückchen vor. Die Kommode wird Schublade für Schublade entrümpelt und geordnet und es ist interessant, wie viele alte Erinnerungen dabei zum Vorschein kommen: Hello-Kitty-Lipgloss aus dem Urlaub vor drei Jahren, eine Eintrittskarte für die Frankfurter Buchmesse 2011, wo ich mit ein paar Freundinnen war, die Seifenblasendose, die wir für die Mottofotos in der Abizeitung benutzt haben.

Erinnerungsstücke an Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Schöne Erfahrungen, aber auch weniger gute Erfahrungen. Und viel Müll, der entgegen meiner Messi-Prinzipien in die Tonne wanderte.

Komplett ordentlich ist es noch nicht, aber ich kann sehen, wie es langsam wird. Allmählich stelle ich Ordnung in meinem Zimmer her und mache Platz für das Studentenleben, das nächste Woche beginnt.

Autor: Janna  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Oct 5, 2012
Autor: Janna
Rubrik: auszeit nach dem abi
Oct 5, 2012

Zwischen Schule & Beruf

Kompromisse

Endlich! Während meine Freundin schon plant, wegen der miserablen Wohnsituation vor der Uni zu campieren, erlebe ich erste Erfolge. Nachdem ich an die hundert Nummern gewählt und mindestens genauso häufig Bekanntschaft mit allen Arten von Bandansagen gemacht hatte, haben mein Freund und ich am Freitag nun endlich eine Wohnung besichtigt. So ganz glatt, wie ich es gern gehabt hätte, ist es dann zwar doch nicht gelaufen, aber was soll’s, positiv bleiben! Und so haben wir auch gelernt, dass Männer, die auf Rasenmähern rumfahren, höchstwahrscheinlich Hausmeister sind und immer Bescheid wissen!

Aber so sehr ich mich auch über diese Chance freue, das alles ist schon sehr neu für mich. Nicht nur, dass ich mich in einer komplett anderen Umgebung zurecht finden muss. Plötzlich sind die Häuser zehnmal so groß wie in der Heimat und die Nachnamen an der Klingel klingen auch viel exotischer.

Und nun stellt sich mir die Frage: Wie viele Kompromisse muss man eingehen? Wahrscheinlich hätte mir klar sein müssen, dass nicht alles ganz so easy und rosig ist. Denn während andere Paare sich bewusst dafür entscheiden, mehrere Kontinente zwischen sich zu bringen, bin ich eher der häuslich-familiäre Typ. Ich möchte nicht Heiligabend unter Palmen in Neuseeland verbringen. Die Vorstellung, mit meinem Freund stattdessen unter einer eingetopften Nordmanntanne im gemeinsamen Wohnzimmer zu sitzen, finde ich da deutlich schöner. Spätestens jetzt sollte mir also klar werden, dass ich nun nicht mehr allein bin. Zu zweit hat man eben auch immer die doppelte Portion an Wünschen, Hoffnungen und Vorstellungen. Am liebsten würde ich schon wieder eine Pro- und Kontraliste mit ausformulierter Erörterung schreiben. Der Deutsch LK lässt mich eben doch nicht los. Aber Worte können nicht jedes Problem an die Wand reden. Vielleicht sollte ich zufrieden sein mit dem, was ich gerade habe, und einfach mal JA sagen. Zeit zum Grübeln bleibt schließlich noch genug.

Autor: Noelle  |  Rubrik: auszeit nach dem abi  |  Oct 1, 2012
Autor: Noelle
Rubrik: auszeit nach dem abi
Oct 1, 2012