interaktiv

Schülerleben live

Vom Rudel getrennt

Autor:
Noelle

Rubrik:
auszeit nach dem abi

12.12.2012

Ich überlege schon lange, worüber ich diesmal schreiben könnte. Normalerweise kribbelt mir irgendein Thema in den Fingern und das muss ich dann auch loswerden. Aber warum ist das jetzt nicht so? Weil es nichts zu erzählen gibt? Nein, sicher nicht. Irgendwie saust das ganze Leben gerade nur so an mir vorbei und ich bekomme kaum einen Eindruck richtig zu fassen.

Vor kurzem war ich zuhause und habe ein leider viel zu kurzes Wochenende mit meiner Familie und meiner besten Freundin verbracht. Dabei ist mir einmal mehr klar geworden, dass selbst in kleinen nordhessischen Orten nicht alles beim Alten bleibt und dass plötzlich Dinge zum Alltag geworden sind, die man sich zuvor nie hätte vorstellen können. Wovon ich rede? Von den kunstvoll manikürten Fingernägeln meiner Freundin zum Beispiel. Anderen kommt das jetzt sicher total blöd vor, aber das war echt ein kleines Detail, das mich ein wenig aus der Bahn geworfen hat. Vor noch einem halben Jahr hätten wir niemals Geld in sowas investiert und wenn doch, dann hätten wir vorher Wochen darüber geredet, was, wo und wie viel. Wie Mädchen halt so sind. Jetzt ist es einfach so, ohne dass ich in Kenntnis gesetzt worden wäre. Denn das ist etwas ganz Entscheidendes, das sich geändert hat: Es gibt keine kleinen Zettelchen mehr, die man sich schreibt, und man tauscht sich auch nicht mehr über jede noch so banale Kleinigkeit aus.

Das ist, als wäre man von seinem Rudel getrennt worden. Und das merke ich auch sehr stark, wenn es um meinen Geburtstag geht, der schon in ein paar Tagen vor der Tür steht. Man sollte doch meinen, in der Großstadt gäbe es Tausende von Möglichkeiten. Unzählige Discos, Kneipen, Clubs, Restaurants, ja sogar einen Zoo und einen Freizeitpark. Lauter Dinge, die es in unserem beschaulichen Heimatörtchen sicher nicht gibt. Trotzdem weiß ich nicht, was ich tun soll. Mal abgesehen davon, dass der Dezember nicht der geeignetste Monat für Freizeitaktivitäten ist... Zuhause wüsste ich sofort, wie ich meinen „Ehrentag” gebührend feiern könnte: mit meinen Mädels in der Dorfdisco oder beim Cocktailsbarbetreiber unseres Vertrauens, denn da kennt ja wirklich jeder jeden. Köln dagegen erschlägt mich einfach mit seinen unzähligen Angeboten, den nicht vertretbaren Preisen und der wegfallenden Option, auch irgendwie zu Fuß nach Hause zu kommen. Aber das größte Defizit liegt in den Gästen: Meine Freunde sind nicht da!

Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf die Feiertage, die dieses Jahr hoffentlich ihrem Namen alle Ehre machen werden! Weihnachten 2012 werde ich es zum ersten Mal wieder richtig zu schätzen wissen, meine Familie und meine besten Freunde um mich zu haben. Und ich werde jede gemeinsame Sekunde mit ihnen nur so aufsaugen, denn jetzt weiß ich erst, wie kostbar solche Momente sind.

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