interaktiv

Zwischen Schule und Beruf

Aufbruch

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

04.05.2015

Mich beschleicht dass Gefühl, dass ich jetzt typischerweise mit Berichten von meiner Aufregung vor dem ersten Tag, einer heulenden Familie am Bahnhof oder einer innigen letzten Umarmung vom Freund erzählen müsste...

Tatsächlich fällt mein Abschied allerdings doch irgendwie nüchtern aus. Ich gehe grundsätzlich relativ unbekümmert und zuversichtlich durch die Welt, sodass es mir schwer fiel, der Abfahrt mit Aufregung oder gar mit Zweifeln entgegenzublicken.

Als ich losfuhr, habe ich also noch gar nicht begriffen, was mir gerade für eine Veränderung bevorsteht. Dazu passend finde ich meinen Bruder noch im Bett vor, als ich ihm aus Wiedersehen sagen will. Es folgen drei doch noch sehr herzliche Umarmungen von Mama, Papa und Schwesterchen und los kann's gehen – (nur!) 15 Minuten später als geplant. Eigentlich. Weil das doch ein bisschen zu reibungslos gewesen wäre, zeigt das Navi zunächst gar nichts an. Entschuldigen lässt sich dieser Schwächeanfall glücklicherweise schnell, als sich herausstellt „da ist kein Strom drin“.

Nach halber Strecke ziehe ich begeistert Bilanz: nur ein Stau, noch kein Unfall, dafür eine gefundene Abkürzung. Viel besser geht’s ja gar nicht, denke ich, und fahre den Erklärungen meiner Mama folgend von der Autobahn auf die Bundesstraße. Prompt fängt das Navi an, sich zu beschweren und fordert die Rückkehr, was ich munter ignoriere. Definitiv hatte Mama gesagt: „Hinter Schweich, über die Mosel rüber, Abfahrt B206 nehmen.“ Halt! Stop! Hinter der Mosel? Soweit ich mich erinnere, habe ich noch kein Stück Fluss gesehen. Angenommen, ich habe, wie es sich beim Autofahren empfiehlt, durchgängig aus dem Fenster geschaut, liegt der Schluss nahe, dass ich in die falsche Richtung unterwegs bin. Ein Blick aufs Navi ist wenig hilfreich, weil ich die Richtung, in die ich unterwegs bin, weder als falsch noch als richtig identifizieren kann. So verunsichert beschließe ich, dem Navi doch wieder das eine oder andere Ohr zu leihen. Zurück auf der Autobahn, unternehme ich demnach keinen weiteren Versuch, es besser zu wissen, und komme mit einer halben Stunde Verspätung endlich an.

Ich habe also schon die erste neue Erfahrung gemacht. Alleine Autofahren mag banal klingen, ist aber, wenn man noch knapp 400 Kilometer unbekannte Strecke vor sich hat und vorher überwiegend mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz unterwegs war, nichts, auf das man nicht verzichten könnte. Dementsprechend bin ich bei meiner Ankunft einigermaßen stolz auf mich.

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