Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Zwischen Schule und Beruf

Kulinarische Gepflogenheiten

Mit der Erwartung, meine neue Chefin zum ersten Mal zu treffen oder wenigstens eine der Klosterschwestern am Empfang vorzufinden, gehe ich die letzten Schritte zu meinem neuen Zuhause. Entgegen meiner Vermutung schallt mir ein junges, dynamisches „Bonjour“ entgegen. Und das gleich vier Mal. Denn – wie könnte es in einem Altersheim/Kloster auch anders sein – es stehen vier Mädchen in meinem Alter vor dem Eingang und fragen mich hoffnungsvoll: „Bist du Katharina?“ Die warten dann wohl schon eine halbe Stunde, ganz pünktlich bin ich nämlich nicht …

Drinnen treffe ich dann auch endlich meine Chefin, die unverzüglich beginnt, mit mir durch die Gänge zu hetzen. So durch die Flure fliegend, bestätigt sie das in meinem Kopf bereits vorhandene Bild einer etwas chaotischen, wenngleich herzlichen Frau, die darüber hinaus auch gleich meiner Hoffnung auf einen Happen zu Essen Gestalt gibt. Im Nachhinein war es nämlich keine besonders gute Idee, mit einer Sparversion von Brötchen in den Tag zu starten, ohne zu wissen, ob dieser noch ein weiteres Mahl bereithalten würde.

Jegliche Sorgen diesbezüglich wären allerdings absolut überflüssig gewesen. Es kristallisiert sich im Laufe der nächsten Tage heraus, dass es hier grundsätzlich immer genug bis viel zu viel gibt. Schließlich bin ich bei den Franzosen! So entschließe ich mich dazu, das Abendessen in der Küche abzubestellen. Ich ernte einen skeptischen Blick und die Frage, ob ich heute Abend wirklich nichts essen wolle. Nein, antworte ich, und die nächsten auch nicht. Ich beteuere noch drei Mal, dass ich nicht verhungern werde und auch keine gefährliche Diät mache. Ich bin eben zwei warme Mahlzeiten am Tag nicht gewöhnt. Außerdem fällt mir auf, dass die französischen Köche Gewürze höchstens als Deko im Schrank zu haben scheinen. Sie benutzen sie jedenfalls so sporadisch, dass ich zum ersten Mal wahrnehme, wie zerkochtes Gemüse in seiner natürlichsten Form wirklich schmeckt. Nach nichts.

Inzwischen kann ich aber sagen: Man gewöhnt sich daran. In diesem Sinne – Bon appétit!

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  May 11, 2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
May 11, 2015

Zwischen Schule und Beruf

Aufbruch

Mich beschleicht dass Gefühl, dass ich jetzt typischerweise mit Berichten von meiner Aufregung vor dem ersten Tag, einer heulenden Familie am Bahnhof oder einer innigen letzten Umarmung vom Freund erzählen müsste...

Tatsächlich fällt mein Abschied allerdings doch irgendwie nüchtern aus. Ich gehe grundsätzlich relativ unbekümmert und zuversichtlich durch die Welt, sodass es mir schwer fiel, der Abfahrt mit Aufregung oder gar mit Zweifeln entgegenzublicken.

Als ich losfuhr, habe ich also noch gar nicht begriffen, was mir gerade für eine Veränderung bevorsteht. Dazu passend finde ich meinen Bruder noch im Bett vor, als ich ihm aus Wiedersehen sagen will. Es folgen drei doch noch sehr herzliche Umarmungen von Mama, Papa und Schwesterchen und los kann's gehen – (nur!) 15 Minuten später als geplant. Eigentlich. Weil das doch ein bisschen zu reibungslos gewesen wäre, zeigt das Navi zunächst gar nichts an. Entschuldigen lässt sich dieser Schwächeanfall glücklicherweise schnell, als sich herausstellt „da ist kein Strom drin“.

Nach halber Strecke ziehe ich begeistert Bilanz: nur ein Stau, noch kein Unfall, dafür eine gefundene Abkürzung. Viel besser geht’s ja gar nicht, denke ich, und fahre den Erklärungen meiner Mama folgend von der Autobahn auf die Bundesstraße. Prompt fängt das Navi an, sich zu beschweren und fordert die Rückkehr, was ich munter ignoriere. Definitiv hatte Mama gesagt: „Hinter Schweich, über die Mosel rüber, Abfahrt B206 nehmen.“ Halt! Stop! Hinter der Mosel? Soweit ich mich erinnere, habe ich noch kein Stück Fluss gesehen. Angenommen, ich habe, wie es sich beim Autofahren empfiehlt, durchgängig aus dem Fenster geschaut, liegt der Schluss nahe, dass ich in die falsche Richtung unterwegs bin. Ein Blick aufs Navi ist wenig hilfreich, weil ich die Richtung, in die ich unterwegs bin, weder als falsch noch als richtig identifizieren kann. So verunsichert beschließe ich, dem Navi doch wieder das eine oder andere Ohr zu leihen. Zurück auf der Autobahn, unternehme ich demnach keinen weiteren Versuch, es besser zu wissen, und komme mit einer halben Stunde Verspätung endlich an.

Ich habe also schon die erste neue Erfahrung gemacht. Alleine Autofahren mag banal klingen, ist aber, wenn man noch knapp 400 Kilometer unbekannte Strecke vor sich hat und vorher überwiegend mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz unterwegs war, nichts, auf das man nicht verzichten könnte. Dementsprechend bin ich bei meiner Ankunft einigermaßen stolz auf mich.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  May 4, 2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
May 4, 2015

Zwischen Schule & Beruf

Salut und hallo aus Frankreich

Ich bin Katharina, genannt Katha, 18 Jahre alt und lebe seit fünf Monaten in einem Kloster im Elsass. Dorthin verschlagen hat mich vor allem meine Ahnungslosigkeit. Meine Entsendeorganisation hatte mir nämlich lediglich mit auf den Weg gegeben, dass ich in einem „religiös geprägten“ Altenheim als Animateurin arbeiten würde.

Als ich mich vor etwa einem Jahr bei der Organisation für einen IJFD (Internationaler Jugendfreiwilligendienst) bewarb, schien mir die Aussicht auf ein Jahr im französischen Ausland mit dieser Arbeit als ideal, um nach Turbo-Abi und einer übersprungenen Klasse vor dem Studium einfach noch etwas älter zu werden, und dabei bestensfalls noch eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen. Den Fakt, dass die Einrichtung „religiös geprägt“ ist, tat ich als normal und nicht weiter verwunderlich ab, da viele soziale Einrichtungen von kirchlichen Trägern unterstützt werden.

Umso überraschter war ich, als ich am ersten Tag erfuhr, dass es sich um ein Altenheim handelte, dass so eng mit dem örtlichen Kloster kooperiert, dass es im selben Haus untergebracht ist.

So wohne ich jetzt also im Kloster.

Die Hälfte meines Freiwilligendienstes habe ich mittlerweile hinter mir und mich dementsprechend gut eingelebt. In meinem Blog werde ich natürlich trotzdem überwiegend von aktuellen Ereignissen berichten und euch die wichtigsten – und oft interessantesten – Momente und Aha-Effekte auf dem Weg bis hierher nicht vorenthalten.

Hier könnt ihr also gerne verfolgen, wie es sich als Nichtgläubige im Kloster lebt, welche Erlebnisse ich als Deutsche im Elsass mache und welche Kuriositäten der Arbeitsplatz Altenheim mit sich bringt.

Autor: Katha  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 14, 2015
Autor: Katha
Rubrik: orientieren
Apr 14, 2015