interaktiv

Zwischen Schule und Beruf

Kulinarische Gepflogenheiten

Autor:
Katha

Rubrik:
orientieren

11.05.2015

Mit der Erwartung, meine neue Chefin zum ersten Mal zu treffen oder wenigstens eine der Klosterschwestern am Empfang vorzufinden, gehe ich die letzten Schritte zu meinem neuen Zuhause. Entgegen meiner Vermutung schallt mir ein junges, dynamisches „Bonjour“ entgegen. Und das gleich vier Mal. Denn – wie könnte es in einem Altersheim/Kloster auch anders sein – es stehen vier Mädchen in meinem Alter vor dem Eingang und fragen mich hoffnungsvoll: „Bist du Katharina?“ Die warten dann wohl schon eine halbe Stunde, ganz pünktlich bin ich nämlich nicht …

Drinnen treffe ich dann auch endlich meine Chefin, die unverzüglich beginnt, mit mir durch die Gänge zu hetzen. So durch die Flure fliegend, bestätigt sie das in meinem Kopf bereits vorhandene Bild einer etwas chaotischen, wenngleich herzlichen Frau, die darüber hinaus auch gleich meiner Hoffnung auf einen Happen zu Essen Gestalt gibt. Im Nachhinein war es nämlich keine besonders gute Idee, mit einer Sparversion von Brötchen in den Tag zu starten, ohne zu wissen, ob dieser noch ein weiteres Mahl bereithalten würde.

Jegliche Sorgen diesbezüglich wären allerdings absolut überflüssig gewesen. Es kristallisiert sich im Laufe der nächsten Tage heraus, dass es hier grundsätzlich immer genug bis viel zu viel gibt. Schließlich bin ich bei den Franzosen! So entschließe ich mich dazu, das Abendessen in der Küche abzubestellen. Ich ernte einen skeptischen Blick und die Frage, ob ich heute Abend wirklich nichts essen wolle. Nein, antworte ich, und die nächsten auch nicht. Ich beteuere noch drei Mal, dass ich nicht verhungern werde und auch keine gefährliche Diät mache. Ich bin eben zwei warme Mahlzeiten am Tag nicht gewöhnt. Außerdem fällt mir auf, dass die französischen Köche Gewürze höchstens als Deko im Schrank zu haben scheinen. Sie benutzen sie jedenfalls so sporadisch, dass ich zum ersten Mal wahrnehme, wie zerkochtes Gemüse in seiner natürlichsten Form wirklich schmeckt. Nach nichts.

Inzwischen kann ich aber sagen: Man gewöhnt sich daran. In diesem Sinne – Bon appétit!

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