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100 erste Tage an der Uni

Ostium atrioventriculare dextrum

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

29.12.2015

Als mehr oder weniger alten Geisteswissenschaftler zog es mich am vergangenen Freitag das erste Mal in Vorlesungen der Naturwissenschaftler – die der Mediziner! Es war der letzte Unitag des Kalenderjahres 2015, ich hatte bereits am Tag zuvor die letzten Veranstaltungen hinter mich gebracht und machte mich nun auf, meine Mitbewohnerin die Medizin studiert, einmal bei ihrem Unitag zu begleiten.

Mein Tag als Medizinstudent begann mitten in der Nacht: um 6.30 Uhr klingelte der Wecker und riss mich aus dem Schlaf. Montag bis Freitag die erste Vorlesung um acht Uhr zu haben – daran will ich mich wirklich nicht gewöhnen müssen. Im altehrwürdigen Anatomiehörsaal mit den hölzernen Sitzbänken (Wer hier wohl schon alles gelernt hat?) herrscht Bahnhofsatmosphäre. Die Studierenden tauschten sich nicht gerade leise darüber aus, wohin sie in den Winterurlaub fahren würden. Der Professor vorne wäre ohne sein Headset völlig aufgeschmissen gewesen. Er erzählte etwas von Koronararterien und berichtete, dass ein Herz eigentlich so aussieht, „wie bei der Fleischtheke bei ihnen!“. Pulmonalvenen, Vena cardiaca cordis parva, Ostium atrioventriculare dextrum – bei so vielen lateinischen Begriffen ist es vielleicht wirklich sinnvoll, dass die Vorlesung schon nach 60 Minuten endet und nicht wie bei mir erst nach 90 Minuten.

Im Anschluss an die Anatomievorlesung ging es mit Biologie weiter. Der Professor vermittelte keinen Stoff, sondern hielt stattdessen eine Weihnachtsvorlesung ab. Er stand Bier trinkend mit Weihnachtsmannmütze und weihnachtsmarktähnlicher Beschallung im Hintergrund am Pult. Er erzählte außerordentlichen Stuss von ausgestorbenen Tierarten; unter anderem Wesen mit vier Nasen, oder solche, die sich nur mit der Nase fortbewegen.

Höherklassiger Humor erwartete mich bei der Weihnachtsvorlesung der Chemie, dem letzten Punkt auf meiner Agenda als Medizinstudent. Die Chemikerveranstaltung war komplett von den Studierenden organisiert und gestaltet. Gegen zwei Euro Eintritt (der Hörsaal war brechend voll!) bekam ich einiges geboten: Weihnachtsliedersingen, Glühweinausschank und einen Abklatsch diverser Märchen mit vielen, vielen Experimenten mit ordentlich Bumm und Knall und Peng und Blitz und floureszierenden Farben. Sogar Schnaps-Pralinen wurden in die Reihen geschleudert. „Aus 100 Prozent Zucker und 100 Prozent Alkohol“, de facto ein mit Alkohol getränkter Zuckerwürfel in Alufolie eingewickelt.

Willkommen bei den Naturwissenschaftlern!

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