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100 erste Tage an der Uni

Vorsicht Rutschgefahr

Autor:
Noelle

Rubrik:
studium

17.12.2013

Laut Wikipedia besuchen über 26.000 Studenten derzeit die Georg-August-Universität in Göttingen. Das sind rund 20 Prozent der gesamten Einwohnerzahl Göttingens. Und da das Land Niedersachsen als eines der letzten zwar immer noch Studiengebühren verlangt, wir hier jedoch nicht mal eine Busfahrkarte finanziert bekommen, sind diese 26.000 Studenten auf das Fahrrad angewiesen – so wie ich.

Schon wenn man auf den Bahnhofsvorplatz tritt, bietet sich einem ein besonderes chaotischer Anblick: auf der rechten Seite tummelt sich ein Meer von Drahteseln, und wer dort keinen Platz mehr gefunden hat, kettet sein Fahrrad an einen Baum oder die letzte freie Straßenlaterne. Die meisten der Fahrräder haben ihre besten Zeiten deutlich hinter sich. Sie rosten an allen Ecken und Enden, und eigentlich konnte auch ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal ein Rad mit Rücktrittbremse gefahren bin, wahrscheinlich im Grundschulalter oder so, doch nun bin ich froh darüber. Je älter der Gaul, umso besser. So kann man ihn wenigstens auch mal zehn Minuten ohne Schloss vor dem Supermarkt stehen lassen, ohne dass man Angst haben muss, dass der Nächste das als Entwendungsaufforderung versteht.

Ja, ich muss zugeben, obwohl ich im Vorfeld nicht sonderlich viel Lust auf die endlose Radlerei hatte, allmählich gewöhne ich mich daran. Diese tägliche sportliche Betätigung hat nämlich auch einen bedeutenden Nebeneffekt: Man kann locker mal zwei Kekse mehr essen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Auch wenn das ab und an mal ein wenig Muskelkater bedeutet.

Heute musste ich jedoch schmerzhaft feststellen, dass es im Dezember langsam Zeit wird, sich auf eigene Kosten eine Busfahrkarte zuzulegen. In Gedanken schon ganz bei meinem Referat über die Minnekonzeption in Heinrich von Veldekes „Eneasroman“ rutschte ich beim Abbiegen auf das Unigelände plötzlich mit den Reifen weg und landete – bamm – auf dem Bürgersteig. Mein erster Gedanke in einer solchen Situation ist immer: totstellen – ja oder nein? Doch ich entschied mich dagegen, und obwohl ich liebend gerne im Erdboden versunken wäre, rappelte ich mich schnellstmöglich wieder auf. Freundlicherweise kamen mir auch sofort zwei junge Studenten zur Hilfe. Am liebsten hätte ich losgeheult, doch ich versicherte ihnen, dass alles okay sei, und humpelte schnell mit meinem leicht lädierten Fahrrad weiter. Das Studentenleben ist also nicht nur anstrengend und teuer, sondern auch echt gefährlich!

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