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Studentenleben live

Aufruf an den heutigen Reisenden

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

09.01.2017

Bei meinem letzten Besuch in Prag übernachtete ich nicht wie sonst bei Freunden, sondern im Hostel. Denn in meinen Reiseführer, den ich derzeit verfasse, gehören eben auch Tipps zu Unterkünften.
Freilich, so ein Hostel bietet einiges: Man kommt schnell und relativ unkompliziert an einen Schlafplatz, man übernachtet meist zentral, hat keine weiten Wege zu den Sehenswürdigkeiten und es ist günstiger als eine Übernachtung im Hotel. Bei meinem Aufenthalt in zwei Prager Hostels wurde mir aber wieder einmal klar, warum ich dieser Art von Unterbringung so oft aus dem Weg gehe: Hostels sind Nicht-Orte. Ein Hostel in Prag könnte genauso gut in Mailand, Brüssel oder Berlin stehen. Wenn man im Hostel übernachtet, hat man sehr wenig Kontakt zu Einheimischen und zu dem Land, das man bereist. Man schwimmt in einer internationalen Blase und teilt sich ein Zimmer mit Menschen aus allen Kontinenten. Das Personal spricht keinen Brocken Tschechisch, stattdessen perfektes Englisch. Aus den Lautsprechern schallt kein tschechisches Radio, sondern international gefeierte Gute-Laune-Musik, beim Frühstück gibt es weder Rohliky-Hörnchen noch das typisch tschechische Kümmelbrot, nirgends finden sich tschechische Aufschriften.
Klar, das Hostel hat seine Berechtigung. Es ist ideal für denjenigen, der spontan eine Übernachtung braucht, sich anonym in einer Stadt aufhalten möchte, aber dennoch Momente des Bier-für-25-Kronen-Trinkens mit Menschen aus aller Welt erleben möchte. Das Hostel ist entstanden aus einer neuen Reisebewegung. Ich bin jedoch der Meinung, dass diese Art des Reisens grob zu hinterfragen ist: Warum muss man in einem interessanten Land Menschen von überall kennenlernen wollen? Ein Land, eine Küche, eine Kultur – reicht das nicht?
Mein Aufruf an den Reisenden des 21. Jahrhunderts lautet daher: Fahr‘ mal runter! Lass‘ dich auf deine Umgebung ein und suche den Kontakt zu Einheimischen; oder gehe ihnen zumindest nicht aus dem Weg. Statt für ein Frühstück im Hostel draufzuzahlen, besuchst du ein Café und statt des Segways bewegst du dich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt. Erlebnisse und Begegnungen werden dich für deine neue Art zu reisen belohnen.

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