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Semesterferienloch

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

06.04.2017

Es ist ein Wochentag, 14 Uhr. Ich werde wach. Draußen steht die Sonne am Himmel und versucht, durch meine schweren Gardinen hindurch in mein Zimmer einzudringen. Sie schafft es nicht. Gegen 15 Uhr bequeme ich mich aus dem Hochbett. Ich öffne die Vorhänge und das Fenster. Straßenlärm. Und viel zu gutes Wetter. Ich gehe ja aber sowieso nicht raus. Ich nenne das alles: Semesterferienloch. Dann klingt es nicht so nach Gammeln.
Dabei sollte ich die Wohnung mal wieder putzen, das sieht aus hier. Und die Fenster, an denen sich der Feinstaub so stark festsetzt, dass man kaum noch durchsehen kann. Aber nein. Ich bleibe lieber hier unten, in meinem Semesterferienloch.
Ich könnte spazieren gehen, ich könnte Dates haben oder lange nicht gehörte Freunde anrufen. Oder sie gar treffen! Oder die Großeltern! Ich könnte eine kleine Wanderung starten. Ich könnte Fotos einkleben, Wäsche aufhängen, mir endlich einmal eine Tschechisch-Vokabelliste anlegen oder Polnisch-Stoff nachholen. Ich könnte das Fahrrad in die Werkstatt bringen oder einfach einmal ein paar YouTube-Tutorials anschauen und selber lernen, wie man so einen Platten wieder heile macht. Oder einkaufen gehen, im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Ich könnte endlich wieder etwas in mein Tagebuch schreiben, am Reiseführer arbeiten, ein Buch lesen. Oder wenigstens einen Film sehen. „Netflix and chill“, das machen doch alle heutzutage so.
Ich aber, ich mache nichts, hier unten in meinem Loch. Einfach nichts. Weil ich eben all diese Sachen tun könnte, vielleicht auch tun sollte, aber nicht muss.
Vielleicht ist das auch mal okay, sage ich mir. Und es wird ja auch wieder besser. Es kommt ja der Monat in Prag und dann das neue Semester mit neuen Terminen und Uni. Dann werde ich langsam wieder hervorkrabbeln.

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