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Studentenleben live

Und bitte!

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

01.02.2017

Es ist viel zu früh an einem viel zu kalten Wintermorgen und ich bin auf dem Weg zu einem Filmdreh. Schon das zweite Mal bin ich über meine Komparsenagentur beim Dreh einer großen Feierabend-Krimi-Serie dabei.
Am ersten Drehort gehe ich direkt zum Cateringbus und versorge mich mit Frühstück und Kaffee. Da ist es wieder: dieses Filmgefühl. Viel zu viele Leute in schwarzen Jacken und Walkie-Talkies am Hosenbund laufen geschäftig umher und man selber schwimmt nutzlos irgendwo zwischen ihnen. Vor zwei Tagen war ich bereits bei der Kostümanprobe gewesen, nun bittet man mich in den Wohnwagen und erneut in die Bundeswehruniform – ein eigenartiges Gefühl. Gut zu wissen, dass es nur ein Spiel ist. Ich soll einen Wachmann in einer Leipziger Kaserne mimen. Die Ankleiderin hatte extra neue Schulterstücke besorgt, die meinem jungen Alter entsprechen. Nun schlüpfe ich in mehrere Kleidungsschichten, ziehe die Schnürsenkel fest, die Kappe sitzt. „ Bischof“ steht auf meinem Tarnfleckhemd. Ich smalltalke mit einem Schauspieler, der sich auch gerade in Schale schmeißt. Plötzlich klopft es und einer der Schwarzbejackten kommt herein: „Ich habe eine ganze tolle Nachricht für dich! Du bist jetzt zivil, sollst einen Passanten spielen. Der Wachmann wurde gestrichen. Die nehmen nun doch einen echten Soldaten aus der Kaserne. Die denken doch auch, wir haben hier nichts zu tun …“ „Das ist Film“, denke ich.
Am nächsten Drehort treffe ich auf drei andere Komparsen und dann endlich kommt der große Auftritt. Nach sechs Stunden warten, rumsitzen, frieren, heißt es: „Kamera ab, Ton ab, und bitte!“ Ich laufe irgendwo in den Unschärfen des Hintergrunds durchs Bild. Man dankt uns. Ich gehe nach Hause. Und bitte!

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