zum Inhalt

Barrierefrei studieren?: Eine barrierefreie Welt (Teil 2 von 2)

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

28.06.2010

Wie muss man sich die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) nun im Einzelnen vorstellen? Zunächst einmal ist neben jeder Bürotür auch in Brailleschrift angebracht, wer sich dahinter verbirgt. >Abtg.-Ltg.< heißt es etwa oder >Lektor<. In anderen Fällen ist zumindest die Raumnummer zu lesen. Das erleichtert die Orientierung für Blinde enorm. Hier in der Uni muss ich mir entweder einprägen, wer oder was wo zu finden ist oder ich muss nachfragen, jedes Mal.

Auch die Knöpfe des Aufzuges sind in der DZB mit Braille beschriftet. Hinzu kommt, dass es eine akustische Ansage gibt. Sobald der Fahrstuhl anhält, übermittelt mir diese, auf welchem Stockwerk ich mich soeben befinde. Ein weiterer, interessanter Punkt ist die Vereinbarung, dass Türen immer entweder ganz geöffnet sein oder aber geschlossen bleiben müssen. Damit wird verhindert, dass sich ein Blinder unangenehm stößt. Aus dem gleichen Grund achtet das Reinigungspersonal darauf, seine Wägen nicht mitten im Flur stehen zu lassen.

Mich auf diese Weise frei und sicher bewegen zu können, war eine neue Erfahrung. Und ich habe sie sehr genossen. Blind zu sein, ist in der DZB normal. Und dafür bin ich nicht nur dankbar, sondern deswegen auch entspannt. Die anderen weichen mir nicht etwa aus, weil sie verunsichert sind. Ich muss ihnen nichts erklären. Der Umgang mit mir und meiner Behinderung ist, anders als in der Gesellschaft und auch an der Uni üblich, völlig selbstverständlich und daher unproblematisch. In den Häusern der DZB findet Inklusion statt – so, wie sie gemeint ist.