zum Inhalt

Barrierefrei studieren?: Warum nicht einfach kompliziert (Teil 2 von 2)

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

18.11.2010

Wie die Prüfung aussieht, hängt auch davon ab, welchen Professor man sich als Prüfer wählt. Möglich, dass einer sagt: „Legen Sie mir zu jedem Thema ein Thesenpapier vor!“ Damit die Prüfung nicht ins Leere läuft, versteht sich. Möglich aber auch, dass er nur meint: „Lesen Sie die Bücher, die ich Ihnen genannt habe. Irgendetwas daraus werde ich fragen.“ Oder es heißt: „Was Sie lesen, ist mir eigentlich egal.“ Während es einem anderen umso wichtiger ist, dass ich zunächst eine ausführliche und fundierte Literaturliste erstelle, die er dann freigeben kann – oder auch nicht.

Jede Prüfungsvorbereitung bedarf also umfassender Organisation. Und in meinem Fall besonders, denn infolge der Behinderung habe ich den Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. So bekomme ich bei einer schriftlichen Prüfung mehr Zeit. Das bedeutet zugleich, dass ich an einem anderen Ort als die anderen sitze. Denn ich muss länger beaufsichtigt werden. Und mit dem Laptop arbeiten.

Das wiederum heißt, dass für den reibungslosen Ablauf vorab der Behindertenbeauftragte der Universität hinzuzuziehen ist. Von ihm erhält das Institut dann ein Computerprogramm. Mit dessen Hilfe kann sichergestellt werden, dass ich nicht auf meine Unterlagen zurückgreife, während ich mit dem eigenen Laptop arbeite – mit dem einzigen, der über eine blindenspezifische Software verfügt. Vor der Prüfung muss also jemand kommen, um das Programm zu installieren. Und danach muss er meine Dateizugriffe kontrollieren und das Programm wieder deinstallieren.