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Barrierefrei studieren?: Was will mir dieser Flyer sagen?

Autor:
Daniela

Rubrik:
studium

09.07.2009

Natürlich sind nicht alle so wie diese Studentin in der Cafeteria. Nur passiert es mir leider viel zu häufig, dass ich übergangen oder bewusst geschnitten werde. Beispielsweise auch dann, wenn Flyer verteilt werden. Klar, ich kann keine Flyer lesen. Aber vielleicht interessiert mich ja trotzdem, worum es geht. Viele kommen nicht einmal auf diesen Gedanken.

Andere wiederum drücken mir den Flyer mit der Bemerkung in die Hand: „Vielleicht kannst du ihn dir ja von irgendjemandem vorlesen lassen." Oder sie erklären mir kurz, worum es geht, nennen mir Zeit und Ort der beworbenen Veranstaltung und gehen dann weiter. Und ich freue mich dann darüber, dass ich gesehen worden bin. Denn meine Blindheit ist doch kein Grund, nicht auf mich einzugehen.

Anfang der Woche verteilte jemand Flyer in Briefkästen. Ich kam gerade nach Hause, als er vor unserem Wohnheim stand. Er ging mir entgegen, begrüßte mich und lud mich zu irgendeinem Sommerfest ein, das auf dem Flyer angekündigt wurde. Dann meinte er: „Ich kenne dich ja aus der Politikvorlesung."

Ich kannte ihn nicht. Aber er hatte mich dort wahrgenommen und anschließend eins und eins zusammengezählt. Ergebnis: Zwei. Ich bin blind, ich kann keine Flyer lesen, also wäre es doch nett, mir zu helfen. Und so fügte er noch hinzu: Falls ich zum Sommerfest kommen und dort seine Stimme hören würde, könne ich ihn jederzeit ansprechen. Er nannte mir seinen Namen und sagte, dass er mir dann gerne helfen würde.

Ich war beeindruckt und dankbar dafür, wie sehr er auf mich und meine Behinderung eingegangen ist.