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Studieren im Ausland

Die tschechische Ballkultur

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

17.04.2018

Dass die Tschechen auf Bälle stehen, war mir bewusst. Wie sehr das aber der Fall ist, hat mich dann doch überrascht.
Der Wahn um den Abiball zeigt sich schon lange vor dem glamourösen Event. Schon für die wöchentlichen Tanzstunden schmeißen sich die Schüler in Schale, proben in voller Montur für den großen Tag und werden in der Regel von mindestens einem Elternteil kritisch beäugt.
Deutsche und tschechische Abibälle unterscheiden sich vor allem im Termin: Die tschechischen Bälle steigen nämlich immer vor den Abiturprüfungen, mitten im letzten Schuljahr. Die Schärpe mit der Aufschrift „Abiturient 2018“, die allen feierlich verliehen wird, hat man sich also eigentlich noch gar nicht verdient.
Ich besuchte den Abiball eines Gymnasiums im Nordwesten von Prag. Gefeiert wurde in der Lucerna, einem der größten und prächtigsten Säle der Stadt. Es waren gewiss 600 Leute da: Lehrer, Eltern, Geschwister und natürlich die Abiturienten, in pompösen Kleidern und gut sitzenden Anzügen.
Bevor den Abiturienten die Schärpen übergeben wurden, sprachen einige Redner. Und dann wurde getanzt: Die Live-Band mit allem drum und dran legte los und die die Abiturienten tanzten zunächst ein Solo mit den Lehrern, dann mit den Eltern.
Doch tschechische Abiturbälle bieten noch viel mehr: Das freie Tanzen wurde immer wieder unterbrochen durch semi-professionelle, extra einstudierte Tanzeinlagen. Am Ende gab es dann das Highlight: Alle fünf Abiturklassen gaben eine Performance zum Besten – ganz großes Kino! Die Anstrengungen, die hier hineingesteckt wurden, waren deutlich erkennbar. Es war ein großartiges Erlebnis, den Klassen dabei zuzuschauen und die Stimmung im Saal mitzuerleben. Wirklich toll, dass hier alle Klassenverbände zusammenwirkten, um etwas auf die Beine zu stellen.
Kurz nach Mitternacht endete der Abiball. Zur Aftershow-Party ging nur ein Teil der Schüler, der Rest ist vermutlich bereits zufrieden und erschöpft ins Bett gefallen.

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