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Best Practice: Zusammenarbeit Berufsberatung und Schule

Begleitung je nach Lebenssituation

Wenn Schüler/-innen sich für eine Berufsausbildung oder ein Studium entscheiden, spielen viele Faktoren eine Rolle. Hilfestellung können verschiedene berufsorientierende Angebote geben, die stets ineinander greifen sollten. Wie das gelingt, zeigen Thomas Seiler, Berufskoordinator am Hohenstaufen-Gymnasium in Kaiserslautern, sowie Reinhard Krämer, Berufsberater bei der örtlichen Agentur für Arbeit.

In der Berufsberatung spielen die vorhandenen Kenntnisse und die Vorstellungen der Schüler/-innen eine wichtige Rolle.

Berufsorientierung ist ein Prozess, der sich nicht auf einen bestimmten Zeitraum begrenzen lässt. Die Bundesagentur für Arbeit hat daher das Projekt "Lebensbegleitende Berufsberatung" hevorgerrufen, das inzwischen flächendeckend Anwendung findet.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Berufsorientierung zu starten? Die Ansichten darüber gehen auseinander. „Eine Mutter fragte neulich, ob wir nicht schon in der fünften Klasse beginnen können“, erzählt Thomas Seiler. Er und Reinhard Krämer sind sich einig: Das ist zu früh. Sie fangen drei Jahre später mit ersten Veranstaltungen an.

Kaiserslautern ist eine von vier deutschen Städten, in denen das Pilotprojekt „Lebensbegleitende Berufsberatung“ der Bundesagentur für Arbeit anlief. Die Idee dahinter: Eine ganzheitliche Berufsberatung, die mit Orientierungsangeboten für Schüler/-innen beginnt, vornehmlich an der Schule und mit einer verstärkten Präsenz der Berufsberater/-innen vor Ort. Sie hört jedoch nach dem Abitur beziehungsweise der Ausbildung oder dem Studium nicht auf, sondern begleitet Erwerbstätige bei Bedarf auch im Berufsleben, etwa, wenn sie sich für berufsbegleitende Anpassungsweiterbildungen interessieren. Inzwischen ist aus dem Pilotprojekt die Regel geworden. Das Konzept „Lebensbegleitende Berufsberatung“ findet flächendeckend Anwendung.

Dr. Thomas Seiler

Das Konzept sieht vor, dass der Berufsorientierungs-Unterricht spätestens in der neunten Klasse startet. Das Hohenstaufen-Gymnasium beginnt mit der Berufsorientierung sogar eine Klassenstufe darunter.

Für Thomas Seiler hat das einen praktischen Nutzen: „Bis vor einigen Jahren wurde den Jugendlichen am Anfang der neunten Klasse gesagt, sie müssen ein Praktikum machen und sollen sich eine Stelle suchen. Dann wurde im Deutschunterricht das Thema Bewerbung durchgenommen, das war’s.“ Den Schüler(inne)n fehlte das nötige Rüstzeug für eine gute Vorbereitung. Der Berufskoordinator des Hohenstaufen-Gymnasiums rief deshalb vor fünf Jahren das Modul „Bewerbungstraining“ ins Leben. In der Projektwoche besuchen die Achtklässler verschiedene Unternehmen in der Region, lernen Bewerbungen zu schreiben und üben Bewerbungsgespräche.

Gezielte Unterstützung leistet Berufsberater Reinhard Krämer. Zunächst spielerisch: „Wir schauen, welche Kenntnisse vorhanden sind und welche Vorstellungen von Berufen die Schülerinnen und Schüler haben.“ Dann gezielt: „Ich helfe ihnen bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder der Bewerbung“, berichtet er. Im Rahmen eines diskursiven Unterrichtsgesprächs erarbeiten sie im Klassenverband, wie sie ein geeignetes Praktikum finden, den Kontakt zu Betrieben herstellen sowie ihre Praktikumserfahrung für ihren künftigen Schul- und Berufsweg nutzen können.

Logisch auf das Betriebspraktikum in der neunten Klasse aufbauend, beginnt der intensivere Einstieg in die Studien- und Berufsorientierung. Berufskoordinator Thomas Seiler hat dafür ein umfangreiches Portfolio aus freiwilligen und Pflichtveranstaltungen zusammengestellt. Unter anderem besuchen Studierende das Gymnasium und stellen ihre Studienfächer vor, es gibt Berufs- und Studienorientierungstage, ein weiteres Bewerbungstraining, Besuche an Hochschulen in der Region sowie im Berufsinformationszentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit Kaiserslautern. Highlight ist ein organisiertes Speed-Dating mit Unternehmen aus der Umgebung.

Reinhard Krämer ergänzt das Angebot um Berufswahl-Unterricht und Vorträge, etwa zu den Studienmöglichkeiten in Kaiserslautern und Umgebung, mit Sprechzeiten in der Schule und Einzelgesprächen. Dabei geht er immer auf die aktuelle Lebenssituation der Schüler/-innen ein: „In der neunten Klasse beginnt allmählich die Vorbereitung auf die Oberstufe sowie die Wahl der Leistungs- und Grundkurse. Das greife ich auf und zeige, welche Schulfächer für bestimmte Berufe besonders wichtig sind.“

Der Fokus liege nicht allein auf Studienberufen, betont Thomas Seiler: „Nicht alle wollen studieren. Berufsausbildung ist ein Thema, insbesondere, wenn Schülerinnen und Schüler nach dem Mittleren Schulabschluss das Gymnasium verlassen. Da kommt immer wieder die Frage nach einem Ausbildungsberuf auf.“ Reinhard Krämer ergänzt: „Ich zeige dann, wie es nach dem Mittleren Schulabschluss weitergehen kann, welche Möglichkeiten es gibt, in die Ausbildung zu gehen und später vielleicht die Hochschulreife über den sogenannten zweiten Bildungsweg nachzuholen.“

Sowohl dem Lehrer als auch dem Berater ist es wichtig, dass Berufsberatung in erster Linie Hilfe und Orientierung geben muss. „Gute Studien- und Berufsberatung soll informieren, Entscheidungen begleiten und Schülerinnen und Schülern zur Seite stehen“, fasst der Berufsberater zusammen. „Das kann über größere Veranstaltungen, aber auch Einzelberatungen passieren.“

Bei der Beratung bevorzugen Reinhard Krämer und Thomas Seiler den persönlichen Kontakt. In der Corona-Pandemie sind sie jedoch auf andere Kommunikationswege ausgewichen. Der Berufskoordinator informiert auf der schuleigenen Website sowie über die für den Schulbetrieb entwickelte Kommunikationsplattform Sdui über aktuelle Veranstaltungen zur Studien- und Berufsorientierung. Dort sind Reinhard Krämers Kontaktdaten hinterlegt. „Wir haben die Schülerschaft informiert, dass wir weiterhin da sind – auch solange keine persönlichen Gespräche möglich sind“, betont der Berufsberater, der während der Pandemie verstärkt telefonisch berät und per E-Mail Auskunft gibt.

Die intensivere Begleitung scheint ihre Wirkung zu entfalten. „Die Schülerinnen und Schüler wissen heute mehr Bescheid über Begrifflichkeiten – da bleibt was hängen“, sagt Thomas Seiler. Und auch Reinhard Krämer findet lobende Worte: „Am Hohenstaufen-Gymnasium ist die berufliche Orientierung gut vorbereitet und organisiert. Dadurch kann ich als Berufsberater sehr gut wirken und die Schülerinnen und Schüler kommen gerne in die persönliche Beratung.“

abi» 30.09.2020

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