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Berufsberatung an Schulen

Lehrkräfte sind Türöffner

Im Zuge der beruflichen Orientierung sind Berufsberater/-innen regelmäßig an den Schulen präsent. Sie beraten die Schüler/-innen, organisieren Veranstaltungen und unterstützen die Lehrkräfte. Wie genau, das erklärt Berufsberaterin Kathrin Bothe.

Lehrkräfte sind neben den Eltern die wichtigsten Personen, die den Berufsorientierungsprozess begleiten.

Das Engagement von Lehrkräften spielt beim Thema Berufsberatung eine wichtige Rolle. Von ihnen hängt in der Regel ab, wie viel Zeit der Berufsorientierung im Unterricht eingeräumt wird.

abi» Frau Bothe, was genau machen die Berufsberater/-innen der Agenturen für Arbeit an den Schulen?

Kathrin Bothe

Kathrin Bothe: Da gibt es ein ganzes Portfolio. Sie bieten etwa Berufsorientierungsveranstaltungen in den Klassen oder im Berufsinformationszentrum (BiZ) und regelmäßige Sprechzeiten an, in denen kurze Fragen der Schülerinnen und Schüler beantwortet werden können. Wenn es von Seiten der Schule gewünscht und ein Raum dafür vorhanden ist, können auch längere Beratungsgespräche an der Schule stattfinden. Früher ging das nur in den Agenturen für Arbeit, inzwischen aber auch vermehrt vor Ort – abgesehen natürlich von den vergangenen Monaten, in denen die Schulen Corona bedingt geschlossen waren.

abi» Das heißt, es gibt an den Schulen eigene Räume, in denen die Berufsberatung stattfinden kann?

Kathrin Bothe: Im Idealfall ja. In manchen Schulen haben die Beraterinnen und Berater sogar ein eigenes Büro. Das ist Teil des Konzepts „Lebensbegleitende Berufsberatung“ (LBB), das vor etwa einem Jahr gestartet ist.

abi» Was hat sich denn noch durch die Lebensbegleitende Berufsberatung geändert?

Kathrin Bothe: Kurz gesagt sind die Beraterinnen und Berater dadurch frühzeitiger und noch häufiger in den Schulen: mehrere Male pro Monat. Und die berufliche Orientierung startet bereits in der neunten Klasse und nicht erst in der Oberstufe. Die Beraterinnen und Berater sind dadurch noch näher dran an den Schülerinnen und Schülern. So können diese ihre Fragen zur Berufsberatung zeitnah loswerden. Sie wissen im Idealfall, wann und wo der Berater oder die Beraterin vor Ort zu finden ist und nehmen sie als Teil der Schule wahr. Diese kurzen Wege sind ein großer Vorteil, für alle Seiten. Bedingt durch die Pandemie mussten wir dieses umfangreiche Angebot im ersten Halbjahr 2020 aber einschränken und an die jeweiligen Rahmenbedingungen der Schulen anpassen.

abi» Ist die Berufsberatung denn fest in den Berufsorientierungs-Unterricht eingebunden?

Kathrin Bothe: In jedem Land gibt es zwischen dem jeweiligen Bildungsministerium und der Regionaldirektion der BA eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit, die eine feste Verankerung im Unterrichtsgeschehen vorsieht. Wie genau dies in den Schulen umgesetzt werden kann, muss die jeweils zuständige Berufsberaterin oder der zuständige Berufsberater mit der Schule vor Ort klären. Daneben gibt es freie Angebote, zum Beispiel im Berufsinformationszentrum – oder eben Beratungstermine, für die sich die Schülerinnen und Schüler anmelden müssen.

abi» Und welche Rolle spielen die Lehrkräfte beim Thema Berufsberatung?

Kathrin Bothe: Die sind ganz, ganz wichtig. Die Lehrerinnen und Lehrer sind unsere Türöffner, ihr Engagement spielt eine wichtige Rolle. Es hängt von der Lehrkraft ab, wie viel Zeit der Berufsberatung eingeräumt wird, um mit den Klassen zu arbeiten. An ihr liegt es auch, eine Verbindlichkeit bei den Schülerinnen und Schülern zu schaffen und sie beispielsweise darauf hinzuweisen, dass demnächst wieder eine Sprechstunde stattfindet oder dass Termine für Beratungsgespräche ausgemacht werden können.
Wir sehen unsere Arbeit als Ergänzung der Arbeit der Lehrkräfte. Diese sind neben den Eltern die wichtigsten Personen, die den Berufsorientierungsprozess begleiten. Sie kennen ihre Schülerinnen und Schüler. Wir versuchen, durch unsere Unterrichtsideen für Berufsorientierung das Bewusstsein für diese Rolle zu stärken. Aber natürlich ist uns auch bewusst, dass Lehrerinnen und Lehrer viele unterschiedliche Aufgaben haben.

abi» Welche Angebote der Bundesagentur für Arbeit können Lehrerinnen und Lehrer nutzen?

Kathrin Bothe: Da gibt es viele. Ganz neu beispielsweise ist Check-U, das Erkundungstool . Unter arbeitsagentur.de können sich Lehrerinnen und Lehrer Unterrichtsmaterial zu Check-U herunterladen. Das hilft dabei, das Erkundungstool erfolgreich im Berufsorientierungs-Unterricht einzusetzen. Zusammen mit der Stiftung der deutschen Wirtschaft haben wir außerdem Unterrichtseinheiten entwickelt. Unterrichtsideen gibt es auch in der Lehrerrubrik auf abi.de.
Die Berufsberatung ist außerdem bereit, an den Konzepten des Berufsorientierungs-Unterrichts mitzuarbeiten. Die Beraterinnen und Berater können ihre Kontakte nutzen und so beispielsweise weitere kompetente Partner mit ins Boot holen, etwa Kammern oder Gewerkschaften, die über das Thema „Arbeitsrecht“ oder ähnliches informieren. Auch bei Kooperationen mit Hochschulen kann die Berufsberatung in der Regel helfen. Und natürlich bei der Elternarbeit, als Unterstützung bei Elternabenden beispielsweise. Insgesamt arbeiten wir Hand in Hand mit den Lehrkräften.

abi» Wurde das Angebot im Zuge von Corona digitalisiert?

Kathrin Bothe: Erst Mal hat alles geruht – die Schulen waren ja geschlossen. In dieser Zeit haben wir beispielsweise Live-Chats auf YouTube veranstaltet, in denen Nutzerinnen und Nutzer Fragen stellen konnten. Die oben erwähnten Unterrichtseinheiten von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft haben wir zum Teil zu Online-Modulen umgebaut, sodass sie für den digitalen Unterricht verwendet werden können. Aktuell konzipieren wir neue Formate, etwa zum Thema Online-Beratung. Es ist viel in Bewegung.

abi» 30.09.2020

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