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Unterstützungsmöglichkeiten für Nichtakademiker-Kinder

Junge Frau in weißem Oberteil steht zwischen Bücherregalen und liest in einem Buch.
Der Schritt an die Universität ist für Abiturienten aus Nichtakademiker-Haushalten häufig mit besonderen Herausforderungen verbunden.
Foto: Julien Fertl

abi» Coaching

Unterstützungsmöglichkeiten für Nichtakademiker-Kinder

Laut dem Hochschulbildungsreport für das Jahr 2020 beginnen nur 21 von 100 Kindern aus Haushalten, in denen beide Elternteile nicht studiert haben, selbst ein Studium. Bei Akademiker-Kindern sind es 74 von 100. Verschiedene Initiativen und Programme haben sich darauf spezialisiert, insbesondere „First Generation Students“ zu unterstützen – sei es finanziell oder ideell. Katrin Ballach von der Agentur für Arbeit Stendal erklärt, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt.

Lisa:

Ich möchte nach meinem Abitur gerne als Erste in meiner Familie ein Studium beginnen. Meine Eltern sind keine Akademiker und können mir bei Fragen zu Bewerbung, Organisation und vor allem Finanzierung nicht wirklich helfen. Deshalb muss ich mir woanders Hilfe holen. Welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es vor und im Studium für mich?

Katrin Ballach, Agentur für Arbeit Stendal:

Liebe Lisa,
zunächst einmal finde ich es toll, dass du dich mit deinen Fragen an uns wendest. Bei vielen Schülerinnen und Schülern in deiner Situation ist die Unsicherheit ein großes Problem. Sich selbst zu überwinden und mit seinen Fragen und Problemen Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist schon mal der erste Schritt.

In diesem Punkt kann ich dir nur Mut machen. In einer persönlichen Beratung kannst du in einem vertraulichen Rahmen deine Bedenken vortragen und ganz grundlegende Fragen klären. Die Berufsberatung deiner örtlichen Agentur für Arbeit kann dabei helfen, dir einen Überblick über deine Möglichkeiten zu verschaffen. Gemeinsam erarbeitet ihr erste Schritte für die Zeit nach dem Abitur. Du erhältst Antworten auf Fragen wie: Wann muss ich mich für meinen Wunschstudiengang bewerben? Welche Stipendienprogramme kommen für mich in Frage? Wann muss ich den BAföG-Antrag einreichen? Und wie organisiere ich mein Studium?

Ich weiß nicht, wie ich das Studium finanzieren kann. Welche Möglichkeiten habe ich?

Ein Porträt-Foto von Katrin Ballach.

Katrin Ballach

Foto: privat

Am Anfang steht häufig die Frage, wie du dein Studium finanzieren kannst. Theoretisch kostet die Einschreibung an einer staatlichen Hochschule pro Semester nur den Semesterbeitrag, der je nach Hochschule variieren kann. In der Praxis kommen mit dem Studium aber noch ganz andere Kosten auf dich zu. Wenn du in eine andere Stadt ziehst und nicht mehr im Elternhaus wohnst, musst du ein Zimmer in einem Wohnheim oder in einer WG finanzieren sowie deinen Lebensunterhalt. Gerade diese beiden Kostenfaktoren sind in großen Universitätsstädten nicht zu vernachlässigen – weil es hier schnell sehr teuer werden kann. Auch das Studium selber birgt versteckte Kosten: Bücher zum Beispiel, die du anschaffen musst.

Verständlich also, dass sich viele Schülerinnen und Schüler aus Nichtakademiker-Haushalten darüber die meisten Gedanken machen. Es gibt mehrere Möglichkeiten: Erste Anlaufstelle sollte das BAföG-Amt sein. Weil die Bearbeitung im Schnitt acht Wochen dauert, solltest du frühzeitig deinen Antrag einschicken, damit das Geld vom ersten Studienmonat an auf deinem Konto eingeht. Natürlich sind an dieser Stelle deine Eltern die ersten Ansprechpartner für die Unterstützung bis zur ersten BAföG-Zahlung. Um dir ein kleines finanzielles Polster anzulegen, kannst du dir in der langen Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn aber auch einen Ferienjob suchen.

Eine weitere Option sind Stipendien. Zu nennen wären hier beispielsweise die Stipendien der Hans-Böckler-Stiftung oder das Lux like Stipendienprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Diese Programme möchten Studierende durch finanzielle und ideelle Förderung unterstützen und damit zu mehr Chancengerechtigkeit im Bildungswesen beitragen. Eine Bewerbung lohnt sich! Wir sollten einmal mit dem Vorurteil aufräumen, dass Schülerinnen und Schüler nur mit einem Notendurchschnitt von 1,0 eine Chance auf ein Stipendium haben. Viel wichtiger ist es zum Beispiel, ehrenamtliches Engagement oder ein besonderes Talent vorweisen zu können. Manchmal lohnt sich auch die Recherche nach lokalen oder regionalen Stiftungen, die Stipendienprogramme anbieten. Diese sind in der Regel weniger bekannt, weil sie Förderung nur an einen sehr kleinen Personenkreis vergeben – gehörst du dazu, hast du gute Chancen!

Bei der Suche nach Stipendien kann dir neben deiner Berufsberaterin oder deinem Berufsberater auch das Internet helfen. Auf myStipendium kannst du dein Studienfach, deinen angestrebten Hochschulabschluss oder deine Hochschule angeben und erhältst als Ergebnis dazu passende Stipendienprogramme. Der Stipendienlotse funktioniert ähnlich. Das ist die offizielle Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

An welche Stellen kann ich mich wenden, wenn ich spezielle Unterstützung möchte?

Die Initiative ArbeiterKind.de richtet sich speziell an Schüler und Schülerinnen aus Nichtakademiker-Familien, die als Erste ein Studium beginnen wollen oder begonnen haben. Einerseits findest du auf ihrer Webseite viele Informationen rund um Organisation, Finanzierung und Stipendienprogramme. Andererseits kannst du dich via Telefonhotline beraten lassen oder dich ohne viel Aufwand einer der Regionalgruppen in deiner Nähe anschließen. Das Gute: Die Hemmschwelle ist hier sehr niedrig. Die meisten Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich und sind selbst sogenannte „First Generation Students“; sie kennen deine Situation also ganz genau – und du kannst von ihren Erfahrungen profitieren. Ideelle Förderung bietet außerdem das Mentoring-Programm Studienkompass. Es begleitet dich über drei Jahre und unterstützt dich bereits vor dem Abitur mit Workshops und persönlicher Beratung bei der Studienwahl.

Zuletzt möchte ich dich auch noch ermutigen, dich an das Studierendenwerk deiner Hochschule zu wenden. Hier findest du ein großes Netzwerk, das dir bei der Vermittlung eines Nebenjobs behilflich sein kann, dich zu Stipendien informiert, teilweise auch Kredite vergibt und in besonderen Härtefällen eine Darlehenskasse bereit hält.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

Stipendienlotse

Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

stipendienlotse.de

myStipendium

Stipendien-Suchmaschine, die nach Studienfach, Abschluss und Hochschule filtert.

mystipendium.de

ArbeiterKind.de

Initiative und Informationsplattform für Studieninteressierte aus Nichtakademiker-Haushalten.

arbeiterkind.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung etc.

studentenwerke.de

BAföG

Fragen und Antworten zum BAföG, Beispiele und Antragsstellung; zudem BAföG-Beratung und ein BAföG-Rechner

das-neue-bafoeg.de

 

abi>> 20.03.2020