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Wie beeinflusst die Wahl meiner Abiturfächer meine Studienoptionen?

Bereits zu Beginn der Sekundarstufe II müssen Schülerinnen und Schüler ihre Abiturfächer wählen. Nicht selten beeinflusst die Schwerpunktsetzung dann die Studienwahl. Dass diese Weichenstellung, die viele Gymnasiasten vor eine Herausforderung stellt, in Wirklichkeit nur halb so wild ist, erklärt Berufsberaterin Sabine Najib von der Agentur für Arbeit in Osnabrück im Gespräch mit abi».

Mit Scrabble-Steinen sind die Wörter Abitur und Studium gelegt.

Im Abitur müssen Schwerpunktfächer festgelegt werden. Diese bestimmen aber nicht über die Zulassung zu einem bestimmten Studiengang.

Maximilian:

„Ich bin mir noch nicht sicher, was ich studieren möchte. Allerdings muss ich in der Oberstufe meine Abiturfächer festlegen. Nun habe ich Angst, dass ich mich damit in meiner Studienwahl beschränke. Wie kann ich meine Schwerpunkte wählen, ohne mir Optionen in der Zukunft zu verbauen?“

Sabine Najib, Agentur für Arbeit Osnabrück:

Lieber Maximilian,

ich kann deine Sorgen gut verstehen. Zum Glück ist es so, dass du für ein Studienfach nicht zwingend bestimmte Abiturfächer benötigst, um darin erfolgreich zu sein. Du bist ja in der Wahl deiner Abiturfächer auch nicht völlig frei, sondern musst dich, je nach Bundesland, an bestimmte Vorgaben halten. Das hat einen einfachen Hintergrund: Du erwirbst eine allgemeine Hochschulreife, die darauf ausgerichtet ist, dich auf jeden Studiengang vorzubereiten und dich eben nicht in deiner Wahl einzuschränken. Außerdem gibt es auch spezielle Studienfächer wie zum Beispiel Sinologie oder Umweltinformatik, für die du dich an allgemeinbildenden Gymnasien kaum vorbereiten kannst.

Ein Porträt-Foto von Sabine Najib.

Sabine Najib

Natürlich können Hochschulen für die Zulassung zu bestimmten Studiengängen die Abiturnote aus einem Fach doppelt gewichten. Allerdings ist es rechtlich vorgegeben, dass die Gesamtnote des Abiturs zu mindestens 51 Prozent in die Zulassung zum Studiengang einbezogen werden muss. In einigen Studiengängen, wie zum Beispiel Anglistik oder Romanistik, muss man je nach Hochschule entweder eine bestimmte Anzahl an Lernjahren nachweisen oder zusätzlich eine Bestätigung über ausreichende Sprachkenntnisse erbringen. Dieser Nachweis muss privat erworben werden - zum Beispiel in Form eines TOEFL oder des Cambridge Certificate - oder ein Eignungstest wird direkt an der Hochschule durchgeführt und führt bei Bestehen automatisch zur Zulassung. Die geforderten Kenntnisse in den sogenannten „Alten Sprachen“, also Latein und Griechisch, für Studiengänge wie Geschichte oder Theologie, kann man auch erst im Rahmen seines Studiums erwerben.

Ein weiterer klassischer Irrtum ist zum Beispiel auch, dass man für ein Medizinstudium unbedingt Abitur in Biologie gemacht haben muss oder darin eine sehr gute Leistung vorweisen kann. Dies verbessert zwar möglicherweise die Zugangschancen, aber auch hier zählt vor allem wieder der Abiturgesamtdurchschnitt.

Was mache ich, wenn meine Studienwahl stark von meinen Abiturfächern abweicht und mir die Grundlagen fehlen?

Falls dir für dein gewähltes Studienfach das Grundwissen fehlt, bieten die meisten Hochschulen sogenannte Vorkurse an, mit denen du dich optimal vorbereiten kannst. Darüber hinaus gibt es andere Möglichkeiten, wie du Stoff, den du nicht in der Schule behandelt hast, aber im Studium brauchst, nachholen kannst. Du kannst zum Beispiel Online-Lernprogramme verwenden oder du arbeitest dich mithilfe der Einführungsliteratur in deinen Wunschstudiengang ein. Wer zum Beispiel Physik studieren möchte und unsicher bei seinen Mathematikkenntnissen ist, für den bietet die Onlineplattform „OMB+“ kostenlose Übungen und Tests an, die genau auf die Anforderungen im Studium zugeschnitten sind.

Teilweise kannst du dir auch mehr Zeit lassen für die Aneignung von Grundwissen. Das geht zum Beispiel an der Hochschule Osnabrück, wo du das erste Fachsemester auf zwei Semester strecken kannst, um genügend Zeit zu haben deine Kenntnisse auf die Anforderungen der Hochschule anzuheben. Es lohnt sich also nachzufragen – niemand möchte schließlich, dass du dein Studium abbrechen musst.

Zum Schluss kann ich dir nur raten, mutig zu sein und den Übergang zwischen Schule und Universität nicht als Schwelle wahrzunehmen, sondern eher als Chance deine berufliche Zukunft nach deinen Vorstellungen zu gestalten. Probiere dich erst einmal aus und schau, wo deine Interessen liegen – nach dem Abitur ist die beste Zeit dafür.

Du siehst: Es ist nicht schlimm, wenn du dich für einen anderen Weg entscheidest, als es die Wahl deiner Abiturfächer möglicherweise nahelegt.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuröpäisches Ausland

www.ba-auslandsvermittlung.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

Check-U, das Erkundungstool

Testverfahren der Bundesagentur für Arbeit, das dir dabei hilft, deine Stärken und Interessen einzuschätzen und passende Studienfelder zu finden.

http://check-u.de

abi» 27.12.2019

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