Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Den Realitätssinn stärken

Beratungssituation im BIZ Leipzig
Auch mit konkreten Berufsvorstellungen lohnt sich der Besuch bei der Berufsberatung.
Foto: Swen Reichhold

Beratungsprotokoll: Entscheidungsphase

Den Realitätssinn stärken

Auch wenn man schon konkrete Vorstellungen hat, in welche Richtung es gehen soll, ist die Wahl eines passenden Berufs nicht einfach. Die Berufsberaterinnen und -berater der Agenturen für Arbeit können in der Entscheidungsphase unterstützen. Christoph Kremer, Berater bei der Agentur für Arbeit Wiesbaden, zeigt sein Vorgehen am fiktiven Beispiel von Robert auf.

Robert besucht die zwölfte Klasse eines Gymnasiums und hat noch eineinhalb Jahre Schule vor sich, als er sich zu einem Erstgespräch anmeldet. Er möchte einen technischen Beruf ergreifen und berichtet, dass ihn technische Zusammenhänge interessieren. Zum Beispiel schraubt er mit Leidenschaft an seinem Motorrad. Praktisch tätig zu sein, ist ihm wichtig. Als Leistungskurse hat er Mathe und Physik gewählt.

Auf dieser Basis gehen wir zunächst mögliche Berufsfelder durch, die sein Interesse widerspiegeln, etwa Technik, Maschinenbau, Konstruktion und Entwicklung. Wir steigen tiefer ein in ingenieurwissenschaftliche Studiengänge wie Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik. Diese werden auch dual angeboten, entweder mit integrierter Berufsausbildung oder umfangreichen Praxisphasen. Je eingehender wir uns mit dem Thema Studium beschäftigen, desto weniger ist Robert davon überzeugt, studieren zu wollen. In Sachen Selbstorganisation beispielsweise sei er nicht so stark. Eine duale Ausbildung hingegen könne er sich als Start ins Berufsleben gut vorstellen.

Ich empfehle ihm, das Selbsterkundungstool (SET) zu absolvieren, und informiere ihn darüber, dass ihm am Ende sowohl Studienfelder als auch Berufsausbildungen vorgeschlagen werden, die zu ihm passen. Wir vereinbaren einen Folgetermin, um die Ergebnisse zu besprechen.

Passende Ausbildungsgänge identifizieren

Ein Porträt-Foto von Christoph Kremer

Christoph Kremer

Foto: Astrid Koehler

Zum zweiten Gespräch bringt Robert das Testergebnis mit. Aus der Auswertung seiner Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen lässt sich wenig Eignung für ein Studium ablesen. Ein Blick auf seine aktuellen Noten verstärkt diese Einschätzung. Robert räumt ein, dass er größere Schwierigkeiten bei der Bearbeitung des Moduls Fähigkeiten hatte. Auf seinen Wunsch hin identifizieren wir gemeinsam passende Ausbildungsgänge. Von den im Testergebnis vorgeschlagenen Ausbildungsberufen ist Robert begeistert. Er wusste etwa nicht, dass er sich zum Zweiradmechatroniker ausbilden lassen kann, und das speziell in der Fachrichtung Motorradtechnik. Auch die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker und Industriemechaniker finden Anklang bei ihm.

Damit sich Robert die Inhalte und den Ablauf der verschiedenen Ausbildungen vorstellen kann, zeige ich ihm, wie er im BERUFENET selbst nach Informationen zu Ausbildungsaufbau, Tätigkeit, Verdienstmöglichkeiten oder Arbeitsbedingungen recherchieren kann. Ich lege ihm zudem BERUFE.TV und abi.de als weitere Recherchequellen ans Herz.
Darüber hinaus reiße ich das Thema Weiterbildung an, damit sich Robert einen Überblick über die beruflichen Perspektiven verschaffen kann. Er kann nach der Ausbildung den Meistertitel erwerben oder sich zum Techniker weiterbilden lassen. Ein anschließendes Studium wäre ebenso eine Option.

Berufsidee dem Praxistest unterziehen

Nun ist Robert gefordert, weitere Grundlagen für seine Entscheidung zu sammeln. Im laufenden Schuljahr wird er ein Schülerbetriebspraktikum machen. Wir überlegen, ob dies nicht eine Möglichkeit wäre, zumindest einen der für ihn interessanten Ausbildungsberufe in der Praxis zu testen. Robert kommt zu dem Schluss, dass er sich tiefer mit den Ausbildungen beschäftigen möchte und gegebenenfalls auch nach Schnuppertagen in Unternehmen Ausschau hält. Es motiviert ihn, dass er in seiner Entscheidung weiter gekommen ist und nun konkret weiß, wie er vorgehen kann.

Ein drittes Gespräch vereinbaren wir für die Zeit nach dem Praktikum. Dann kann Robert von seinen Erfahrungen berichten und wir können prüfen, ob er beim Thema Bewerbung um eine Ausbildungsstelle weitere Unterstützung braucht.

abi>> 04.11.2019