orientieren

Fünf nach Zwölf?

Last Minute zu Studium und Ausbildung

„Nicht verzweifeln!“, lautet die Devise, wenn du Bewerbungsfristen verpasst oder Absagen erhalten hast. Auch kurz vor knapp gibt es noch Möglichkeiten, um einen passenden Studienplatz oder eine Ausbildungsstelle zu finden. abi» zeigt dir, wie.

Junger Mann informiert eine junge Frau über verschiedene Berufe.

Lauter Absagen? Lass dich nicht unterkriegen. Es gibt Hoffnung und außerdem viele Alternativen.

In der Regel enden die Bewerbungsfristen für einen Studienplatz am 15. Januar für das Sommersemester und am 15. Juli für das Wintersemester. Aufgrund der Corona-Pandemie verschieben sich derzeit viele Termine. So wird das Bewerbungsportal hochschulstart.de der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) voraussichtlich erst am 1. Juli öffnen; Ende der Bewerbungsphase ist voraussichtlich der 20. August. Über dieses Portal läuft das Zentrale Vergabeverfahren (ZV) für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge, also Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie.

Über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) der SfH kann man sich wiederum für viele, meist örtlich zulassungsbeschränkte, Studiengänge bewerben. Studiengänge sind zulassungsbeschränkt, wenn es mehr Interessierte als Plätze gibt. Die Fristen für Studiengänge, die nicht über das DoSV vergeben werden, stehen auf den Homepages der jeweiligen Hochschulen. Diese verschieben sich ebenfalls sehr wahrscheinlich.

Nachrück- und Losverfahren

Erhalten Bewerber beim ersten Durchgang des DoSV keine Zulassung, bekommen sie die Gelegenheit, an einem Nachrückverfahren teilzunehmen. Dafür können sich übrigens auch Neubewerber anmelden, die ursprünglich nicht am DoSV-Verfahren teilgenommen hatten. Aber Achtung: Das gilt nicht für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge.

Hochschulen, die ihre Vergabeverfahren selbst koordinieren, führen ebenfalls Nachrückverfahren durch. Alle Studienplätze, die anschließend noch unbesetzt geblieben sind – sowohl beim DoSV als auch hochschulintern –, werden über ein Losverfahren vergeben, für das sich Studieninteressierte bei der jeweiligen Hochschule anmelden können. Gesammelt findet man die verbliebenen Plätze zweimal jährlich in der Studienplatzbörse.

Wer danach immer noch keinen Studienplatz gefunden hat, sollte trotzdem nicht verzweifeln: „Manche Hochschulen ermöglichen eine Bewerbung auch noch nach Ablauf aller Fristen“, beruhigt Daniel Söllner, Studienberater bei der Agentur für Arbeit Erlangen. Etwa, wenn sich für einen zulassungsbeschränkten Studiengang nicht so viele Interessierte beworben haben, wie erwartet. „Es lohnt sich, bei den Hochschulen persönlich anzufragen“, ergänzt er.

Vor allem wer hinsichtlich des Studienortes flexibel ist, kann sich in einen zulassungsfreien Studiengang einschreiben – „manchmal sogar noch einen Tag vor Semesterstart“, ermutigt der Studienberater.

Freie Ausbildungsstellen finden

Unterstützung erhalten „Nachzügler“ bei den Beraterinnen und Beratern der örtlichen Agenturen für Arbeit. Diese können ebenfalls helfen, wenn noch kein Ausbildungsplatz in Sicht ist. „Wir haben Listen mit Unternehmen, die kurzfristig Azubis suchen“, erklärt Daniel Söllner. Auch Industrie- und Handels- sowie die Handwerkskammern beraten und informieren auf Ausbildungsportalen. Das Ausbildungsjahr beginnt je nach Bundesland in der Regel zwischen August und September, bewerben sollte man sich am besten mindestens ein Jahr zuvor – vor allem bei beliebten Berufen und großen Unternehmen. Bei schulischen Ausbildungen, zum Beispiel Physiotherapeuten/in oder Erzieher/in, muss man sich an die Fristen der Berufsfachschulen halten.

Bei Ausbildungen gilt genauso: Nicht verzweifeln, wenn es auf den ersten Blick zu spät zu sein scheint. „Über die sogenannte Nachvermittlung kann ein Arbeitgeber theoretisch jederzeit Auszubildende einstellen – allerdings müssen diese dann den Stoff nachholen, der an der Berufsschule bereits vermittelt wurde“, weiß Daniel Söllner. Sinnvoll sei in jedem Fall eine persönliche Nachfrage bei Unternehmen und den Berufsfachschulen, auch nach Ausbildungsstart. Initiativbewerbungen können ein Türöffner sein: Sollte ein Platz plötzlich frei werden, etwa, weil ein Azubi während der Probezeit kündigt, liegt die Bewerbung bereits vor.

Überbrückungsmöglichkeiten

Wer trotz allem keinen passenden Studienplatz und keine Ausbildungsstelle gefunden hat, kann die Zeit sinnvoll überbrücken, zum Beispiel mit einem Freiwilligen Dienst, Work & Travel, Au-pair oder einem Schnupperstudium.

Aktueller Hinweis zur Corona-Pandemie

Die momentanen Beschränkungen des öffentlichen Lebens wirken sich neben dem Abitur auch auf die Zeit dannach aus. Welche Regelungen aktuell gelten und worauf du in Bezug auf Studium, Ausbildung und eine eventuelle Auszeit achten musst, erfährst du in der Übersicht „Studieren in der Corona-Krise: Was du jetzt wissen musst!“ und „Corona-Krise: Was wird aus meiner Auszeit nach dem Abi?“.

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Das Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit informiert über verschiedene Berufsfelder mit mehr als 1.500 Reportagen aus den Bereichen Aus- und Weiterbildung und Studium.
berufsfeld-info.de

Check-U – das Erkundungstool

Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit ist eine kostenfreie, bundesweite Online-Anwendung zur beruflichen Orientierung. Teilnehmer können vier Module bearbeiten (Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben) und erhalten eine Übersicht über passende Studienfelder und Ausbildungsberufe.

check-u.de

abi» 02.07.2020

Diesen Artikel teilen