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„Berufliche Orientierung ist ein Prozess“

Junge Frau betritt ein Berufsinformationszentrum
Berufliche Orientierung ist ein Prozess. Der Besuch der Berufsberatung kann dabei der erste Schritt sein.
Foto: Swen Reichhold

So unterstützt die Berufsberatung

„Berufliche Orientierung ist ein Prozess“

Dirk Dankert ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Wiesbaden. Seit dreieinhalb Jahren begleitet er Schülerinnen und Schüler bei ihrer beruflichen Orientierung. Im Interview mit abi>> erklärt er, wie Beratungsgespräche ablaufen und was sie bringen können.

abi>> Herr Dankert, Sie als Berufsberater unterstützen Schülerinnen und Schüler bei der beruflichen Orientierung. Wie können diese sich auf ein Beratungsgespräch bei Ihnen vorbereiten?

Dirk Dankert: Zunächst sollten sie sich Gedanken über die eigenen Interessen und Fähigkeiten machen und mit Familie und Freunden darüber sprechen. Gerade diejenigen, die noch keine konkrete Vorstellung haben, sollten uns frühzeitig ins Boot holen. Berufliche Orientierung ist ein Prozess. Wir als Berufsberater können dabei nicht von heute auf morgen den Hebel umlegen.

abi>> Wissen viele der Schülerinnen und Schüler schon, wo es hingehen soll?

Ein Porträt-Foto von Dirk Dankert

Dirk Dankert

Foto: Astrid Köhler

Dirk Dankert: Das ist sehr unterschiedlich. Einige kommen bereits in der achten Klasse zur Orientierungsberatung, andere erst nach dem Abitur. Eine grobe Vorstellung haben die meisten. Allerdings ist die nicht immer realistisch, wenn es um die Anforderungen von Studiengängen oder Berufsbildern geht.

abi>> Wie helfen Sie auf die Sprünge?

Dirk Dankert: Wir Berater kennen die Studienwelt, den Ausbildungsmarkt, die Berufswelt und die damit verbundenen Anforderungen. So helfen wir, Enttäuschungen aufgrund fehlender Orientierung zu vermeiden. Um herauszufinden, ob die Wunschvorstellung passt, simuliere ich in der Beratung typische Situationen eines Vorstellungsgesprächs. Gerne nutze ich außerdem das Selbsterkundungstool (SET) unter arbeitsagentur.de > Schule, Ausbildung und Studium > „Was passt zu mir?“.

Die Zeugnisse schaue ich mir ebenfalls an – neben Noten achte ich auf Fehlzeiten. Für vertiefende Beratung können wir unseren Berufspsychologischen Service in Anspruch nehmen. Mit dem Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) können Abiturienten für die Studienrichtungen Wirtschafts-, Sprach-, Rechts-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Informatik/Mathematik überprüfen, ob ihre Fähigkeiten den Anforderungen in diesen Studienbereichen entsprechen. Wobei natürlich auch Schülerinnen und Schüler mit negativem Testergebnis erfolgreich studieren können.

abi>> Und wenn ich im Laufe meines Orientierungsprozesses merke, dass mein Wunschberuf und ich womöglich doch nicht zusammenpassen, etwa weil ich nicht alle Voraussetzungen erfülle?

Dirk Dankert: In diesem Fall sollte man sich mit Alternativen auseinandersetzen. Ich bespreche mit den Schülerinnen und Schülern aber auch, wie sie ihr Ziel auf Umwegen erreichen können. Dazu braucht es viel Motivation, aber immerhin geht es darum, das eigene Leben zu gestalten.

abi>> Ihre Beratung ist neutral, Sie verfolgen keine eigenen Interessen. Einfluss auf eine wichtige Lebensentscheidung nehmen Sie dennoch.

Dirk Dankert: Ich sehe mir die Neigung, Eignung und Leistungsfähigkeit der Ratsuchenden genau an und gebe hilfreiche Tipps, aber nicht, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Am Ende erarbeite ich mit ihnen gemeinsam Ideen für ihre berufliche Zukunft. Entscheiden, welchen Weg er oder sie nimmt, muss jede und jeder selbst.

abi>> Die Berufsberatung durch die Arbeitsagenturen kostet die Schülerinnen und Schüler nichts. Zeit sollte man aber schon mitbringen, oder?

Dirk Dankert: Am wichtigsten ist es, sich frühzeitig um eine Beratung zur beruflichen Orientierung zu kümmern. Vor allem wer sich für duale Studiengänge oder kaufmännische Ausbildungen interessiert, sollte sich spätestens ab der Vorabgangsklasse intensiv mit dem Thema beschäftigen. Hier laufen die Bewerbungsverfahren etwa ein Jahr vor dem Einstellungstermin. Wer sich nicht rechtzeitig kümmert, hat unter Umständen schlechtere Chancen auf den Wunschberuf. Und wer möchte sich schon seine Auswahlmöglichkeiten einschränken lassen?

Man sollte sich Zeit für diese wichtige Entscheidung nehmen. Für ein Kennenlernen in der Schule und eine erste Bestandsaufnahme reichen 15 Minuten. Ein Termin für eine umfassende Berufsberatung dauert mindestens 45 Minuten, und häufig sind mehrere Gespräche notwendig.

abi>> Wo beraten Sie am liebsten: bei Besuchen in der Agentur für Arbeit oder an den Schulen?

Dirk Dankert: Da wir Laptops nutzen, können wir unser komplettes Angebot auch in die Schulen bringen. In meinem Büro habe ich allerdings noch hilfreiche Literatur, die ich nicht immer in die Schulen mitnehmen kann. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in der vertrauten Schulumgebung teils wohler. Dort lernen sie uns zuerst kennen, meist bei einer Berufsorientierungsveranstaltung.

abi>> 04.11.2019