„Berufliche Orientierung ist ein Prozess“

Junge Frau betritt ein Berufsinformationszentrum
Berufliche Orientierung ist ein Prozess. Der Besuch der Berufsberatung kann dabei der erste Schritt sein.
Foto: Swen Reichhold

So unterstützt die Berufsberatung

„Berufliche Orientierung ist ein Prozess“

Dirk Dankert ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Wiesbaden. Seit dreieinhalb Jahren begleitet er Schülerinnen und Schüler bei ihrer beruflichen Orientierung. Im Interview mit abi» erklärt er, wie Beratungsgespräche ablaufen und was sie bringen können.

abi>> Herr Dankert, Sie als Berufsberater unterstützen Schülerinnen und Schüler bei der beruflichen Orientierung. Wie können diese sich auf ein Beratungsgespräch bei Ihnen vorbereiten?

Dirk Dankert: Zunächst sollten sie sich Gedanken über die eigenen Interessen und Fähigkeiten machen und mit Familie und Freunden darüber sprechen. Gerade diejenigen, die noch keine konkrete Vorstellung haben, sollten uns frühzeitig ins Boot holen. Berufliche Orientierung ist ein Prozess. Wir als Berufsberater können dabei nicht von heute auf morgen den Hebel umlegen.

abi>> Wissen viele der Schülerinnen und Schüler schon, wo es hingehen soll?

Ein Porträt-Foto von Dirk Dankert

Dirk Dankert

Foto: Astrid Köhler

Dirk Dankert: Das ist sehr unterschiedlich. Einige kommen bereits in der achten Klasse zur Orientierungsberatung, andere erst nach dem Abitur. Eine grobe Vorstellung haben die meisten. Allerdings ist die nicht immer realistisch, wenn es um die Anforderungen von Studiengängen oder Berufsbildern geht.

abi>> Wie helfen Sie auf die Sprünge?

Dirk Dankert: Wir Berater kennen die Studienwelt, den Ausbildungsmarkt, die Berufswelt und die damit verbundenen Anforderungen. So helfen wir, Enttäuschungen aufgrund fehlender Orientierung zu vermeiden. Um herauszufinden, ob die Wunschvorstellung passt, simuliere ich in der Beratung typische Situationen eines Vorstellungsgesprächs. Gerne nutze ich außerdem das Selbsterkundungstool (SET) unter arbeitsagentur.de > Schule, Ausbildung und Studium > „Was passt zu mir?“.

Die Zeugnisse schaue ich mir ebenfalls an – neben Noten achte ich auf Fehlzeiten. Für vertiefende Beratung können wir unseren Berufspsychologischen Service in Anspruch nehmen. Mit dem Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) können Abiturienten für die Studienrichtungen Wirtschafts-, Sprach-, Rechts-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Informatik/Mathematik überprüfen, ob ihre Fähigkeiten den Anforderungen in diesen Studienbereichen entsprechen. Wobei natürlich auch Schülerinnen und Schüler mit negativem Testergebnis erfolgreich studieren können.

abi>> Und wenn ich im Laufe meines Orientierungsprozesses merke, dass mein Wunschberuf und ich womöglich doch nicht zusammenpassen, etwa weil ich nicht alle Voraussetzungen erfülle?

Dirk Dankert: In diesem Fall sollte man sich mit Alternativen auseinandersetzen. Ich bespreche mit den Schülerinnen und Schülern aber auch, wie sie ihr Ziel auf Umwegen erreichen können. Dazu braucht es viel Motivation, aber immerhin geht es darum, das eigene Leben zu gestalten.

abi>> Ihre Beratung ist neutral, Sie verfolgen keine eigenen Interessen. Einfluss auf eine wichtige Lebensentscheidung nehmen Sie dennoch.

Dirk Dankert: Ich sehe mir die Neigung, Eignung und Leistungsfähigkeit der Ratsuchenden genau an und gebe hilfreiche Tipps, aber nicht, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Am Ende erarbeite ich mit ihnen gemeinsam Ideen für ihre berufliche Zukunft. Entscheiden, welchen Weg er oder sie nimmt, muss jede und jeder selbst.

abi>> Die Berufsberatung durch die Arbeitsagenturen kostet die Schülerinnen und Schüler nichts. Zeit sollte man aber schon mitbringen, oder?

Dirk Dankert: Am wichtigsten ist es, sich frühzeitig um eine Beratung zur beruflichen Orientierung zu kümmern. Vor allem wer sich für duale Studiengänge oder kaufmännische Ausbildungen interessiert, sollte sich spätestens ab der Vorabgangsklasse intensiv mit dem Thema beschäftigen. Hier laufen die Bewerbungsverfahren etwa ein Jahr vor dem Einstellungstermin. Wer sich nicht rechtzeitig kümmert, hat unter Umständen schlechtere Chancen auf den Wunschberuf. Und wer möchte sich schon seine Auswahlmöglichkeiten einschränken lassen?

Man sollte sich Zeit für diese wichtige Entscheidung nehmen. Für ein Kennenlernen in der Schule und eine erste Bestandsaufnahme reichen 15 Minuten. Ein Termin für eine umfassende Berufsberatung dauert mindestens 45 Minuten, und häufig sind mehrere Gespräche notwendig.

abi>> Wo beraten Sie am liebsten: bei Besuchen in der Agentur für Arbeit oder an den Schulen?

Dirk Dankert: Da wir Laptops nutzen, können wir unser komplettes Angebot auch in die Schulen bringen. In meinem Büro habe ich allerdings noch hilfreiche Literatur, die ich nicht immer in die Schulen mitnehmen kann. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in der vertrauten Schulumgebung teils wohler. Dort lernen sie uns zuerst kennen, meist bei einer Berufsorientierungsveranstaltung.

 

Checkliste

Mit Plan ins Berufsleben

Keine Sorge bei der Berufswahl – auch für Orientierungslose ist der Zug längst nicht abgefahren. Dafür sorgt die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit. Wer schon konkrete Vorstellungen und Fragen hat, ist hier genauso gut aufgehoben wie Schülerinnen und Schüler, die noch nicht wissen, wo es beruflich hingehen soll. Entscheidend ist es, sich auf den Weg zu machen.

Der Einstieg: einen Beratungstermin vereinbaren

Die Berufsberaterinnen und -berater der Agenturen für Arbeit besuchen regelmäßig Schulen. Das ist eine gute Gelegenheit, um erste Informationen zu sammeln, kurze Fragen zu klären und Termine für vertiefende Gespräche zu vereinbaren. Aktuell wird die Beratungsarbeit an den Schulen sogar noch weiter ausgebaut.

Schülerinnen und Schüler können aber auch direkt mit den Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit in Kontakt treten. Wer einen kostenfreien Termin vereinbaren will, wählt einfach die gebührenfreie Nummer 0800 4 555500, nutzt online unter arbeitsagentur.de das Kontaktformular der Agenturen für Arbeit oder meldet sich persönlich bei der jeweiligen Agentur vor Ort.

Die Vorbereitung: besser mit Gepäck

Die Berufsberaterinnen und -berater sind offen für alle Fragen rund um die Studien- und Berufswahl. Wer sich auf seinen Termin vorbereitet, kommt schneller voran – ein Muss ist das jedoch nicht. Folgende Fragen kann man sich vor einem Beratungsgespräch beispielsweise stellen oder mit Freunden und Familie besprechen:

  • Worauf kommt es mir bei der Berufs- und Studienwahl an? Meine Neigungen zu verwirklichen? Einen sicheren Berufsweg einzuschlagen? Karriere zu machen und möglichst gut zu verdienen?
  • Studium oder Ausbildung – weiß ich schon, was mir liegt? Oder will ich beides verbinden?
  • Wie flexibel bin ich, was die Ortswahl angeht? Bleibe ich lieber zu Hause oder will ich gerne woanders studieren oder eine Ausbildung machen? Oder ist beides in Ordnung?
  • Was erwarte ich von der Beratung? Grundsätzliche Orientierung oder Antworten auf konkrete Fragen?

Die Bundesagentur für Arbeit bietet verschiedene Tools an, mit denen man Interessen und Fähigkeiten erkunden und sich auf ein individuelles Beratungsgespräch vorbereiten kann. (Lies mehr dazu unter „Selbst informieren mit diesen Angeboten“.)

Der Vermittlungsservice: Verbindungen nutzen

Schülerinnen und Schülern, die eine Ausbildungsstelle oder eine Stelle für ein duales Studium suchen, helfen die Berufsberaterinnen und -berater durch die Vermittlung von Ausbildungsstellen. Über die Datenbanken der Bundesagentur für Arbeit können die Beraterinnen und Berater passgenaue Stellen finden. Sie haben dabei die Anforderungen der Betriebe an die Schulbildung, Noten und persönliche Eigenschaften im Auge. Unterstützt werden die Beraterinnen und Berater bei der Vermittlungsarbeit intensiv durch den Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit.

Bei der Bewerbung ist dann Eigeninitiative gefragt. Mit den Berufsberaterinnen und -beratern bleibt man am besten in Kontakt. Sie können die Bewerbungsphase begleiten und Tipps geben.

Die Nachbereitung: den Weg überprüfen

Inwiefern einen die Berufsberatung im Berufswahlprozess weitergebracht hat, kann jede und jeder nur selbst entscheiden. Für ein Fazit können die folgenden Aspekte herangezogen werden:

  • Hat der Berater oder die Beraterin meine Fragen beantwortet und was bedeuten die Antworten für mich?
  • Wurden meine Vorstellungen aufgegriffen und wie haben sich diese durch das Gespräch entwickelt?
  • Habe ich greifbare Vorschläge und Ideen gemeinsam mit dem Berater oder der Beraterin erarbeiten können?
  • Weiß ich, welche Schritte ich als nächstes angehen will und wo ich bei Bedarf weitere Informationen oder Ansprechpartner finde?
  • Möchte ich weitere Schritte oder Zwischenergebnisse mit dem Berater oder der Beraterin besprechen und vereinbare einen neuen Termin? Oder fühle ich mich schon gut gerüstet?

Die nächsten Schritte

Ein erfolgreiches Beratungsgespräch ist nur ein Etappenziel. Zur weiteren Planung gehört festzuhalten, was besprochen wurde, und entsprechende Schritte in Angriff zu nehmen. Das kann eine Bewerbung um eine Ausbildungsstelle sein oder eine Recherche zu konkreten Studiengängen und Bewerbungsmodalitäten.

Wer weitere Fragen hat oder Unterstützung bei der Stellensuche braucht, sollte mit dem Berater oder der Beraterin in Kontakt bleiben. Wie bei jeder Reise gilt: Mit einem Kalendereintrag und entsprechender Erinnerungsfunktion ist man auf der sicheren Seite.

 

So unterstützt die Berufsberatung: Übersicht

Selbst informieren mit diesen Angeboten

Ergänzend zu den persönlichen Beratungsgesprächen hält die Bundesagentur für Arbeit eine große Bandbreite an Medien- und Serviceangeboten bereit. Seien es Selbstinformationsangebote, auf die Schülerinnen und Schüler im Internet zugreifen können, oder Anlaufstellen vor Ort wie die Berufsinformationszentren (BiZ).

Die Beratungsangebote der Agenturen für Arbeit in der Übersicht:

arbeitsagentur.de/bildung/berufsberatung

Berufsinformationszentren (BiZ)

Ohne Anmeldung kann man sich in den Berufsinformationszentren der örtlichen Agenturen für Arbeit über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Dafür stehen Infomappen, Bücher und Zeitschriften bereit. An den PC-Arbeitsplätzen besteht die Möglichkeit, im Internet zu recherchieren oder auch Bewerbungen zu schreiben. Außerdem können Interessierte dort das Selbsterkundungstool (SET) absolvieren oder an Veranstaltungen teilnehmen.

arbeitsagentur.de/bildung/berufsinformationszentrum-biz

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild

berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 500 Filmen über Studiengänge und Ausbildungsberufe

berufe.tv

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Jeder der drei Pfade führt vom Allgemeinen zum Speziellen – von einem bestimmten Berufsfeld hin zu konkreten Berufen.

berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung und der Bundesagentur für Arbeit rund um Studienorientierung und Studiengangsuche. In der Suchmaschine „finder“ können Interessierte nach Studiengängen in ganz Deutschland recherchieren.

studienwahl.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier können Interessierte zum Beispiel zu schulischen Ausbildungen recherchieren.

kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Veranstaltungsdatenbank

Bildungs- und Berufsmessen, Infoveranstaltungen und Workshops rund um berufliche Orientierung, Studium, Ausbildung und Beruf lassen sich deutschlandweit in der Veranstaltungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit recherchieren.

arbeitsagentur.de/veranstaltungen

JOBBÖRSE

Über die JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit kann man nach Jobs und Ausbildungsstellen in seiner Region und darüber hinaus recherchieren. Des Weiteren ist es möglich, eine Online-Bewerbungsmappe zu erstellen und sich potenziellen Arbeitgebern vorzustellen.

jobboerse.arbeitsagentur.de

Merkblatt 11

Alle Angebote der Berufsberatung für Jugendliche und junge Erwachsene auf einen Blick:

arbeitsagentur.de

abi>> Berufswahlfahrplan

In fünf Schritten unterstützt der abi>> Berufswahlfahrplan Schülerinnen und Schüler im Berufswahlprozess. Er zeigt auf, wie sie ihre Interessen und Fähigkeiten erkennen und dazu passende berufliche Optionen finden können. Links zu weiterführenden Internetseiten, Informationen zu Chancen auf dem Arbeitsmarkt und der Suche nach Alternativen runden das Angebot ab.

 

>> Hier geht's zum Berufswahlfahrplan

Selbsterkundungstool (SET)

Mithilfe des online zugänglichen Tests SET können Schülerinnen und Schüler herausfinden, welches Studium oder welche Ausbildung zu ihnen passt. Sie können bis zu vier Module bearbeiten: Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben. Das kann bis zu drei Stunden Zeit in Anspruch nehmen, wobei der Test jederzeit unterbrochen werden kann, um eine Bearbeitungspause einzulegen. Wer alle Module absolviert, erhält am Ende eine Übersicht über passende Studienfelder und Berufsausbildungen. Der SET ist kostenfrei und die Ergebnisse sind anonym.
Übrigens können Teilnehmer während der Bearbeitung über eine eingeblendete Schaltfläche jederzeit Kontakt zu ihrer örtlichen Agentur für Arbeit aufnehmen und einen Termin mit der Berufsberatung vereinbaren, etwa um die Ergebnisse zu besprechen.

 

www.arbeitsagentur.de

 

Beratungsprotokoll: Entscheidungsphase

Den Realitätssinn stärken

Auch wenn man schon konkrete Vorstellungen hat, in welche Richtung es gehen soll, ist die Wahl eines passenden Berufs nicht einfach. Die Berufsberaterinnen und -berater der Agenturen für Arbeit können in der Entscheidungsphase unterstützen. Christoph Kremer, Berater bei der Agentur für Arbeit Wiesbaden, zeigt sein Vorgehen am fiktiven Beispiel von Robert auf.

Robert besucht die zwölfte Klasse eines Gymnasiums und hat noch eineinhalb Jahre Schule vor sich, als er sich zu einem Erstgespräch anmeldet. Er möchte einen technischen Beruf ergreifen und berichtet, dass ihn technische Zusammenhänge interessieren. Zum Beispiel schraubt er mit Leidenschaft an seinem Motorrad. Praktisch tätig zu sein, ist ihm wichtig. Als Leistungskurse hat er Mathe und Physik gewählt.

Auf dieser Basis gehen wir zunächst mögliche Berufsfelder durch, die sein Interesse widerspiegeln, etwa Technik, Maschinenbau, Konstruktion und Entwicklung. Wir steigen tiefer ein in ingenieurwissenschaftliche Studiengänge wie Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik. Diese werden auch dual angeboten, entweder mit integrierter Berufsausbildung oder umfangreichen Praxisphasen. Je eingehender wir uns mit dem Thema Studium beschäftigen, desto weniger ist Robert davon überzeugt, studieren zu wollen. In Sachen Selbstorganisation beispielsweise sei er nicht so stark. Eine duale Ausbildung hingegen könne er sich als Start ins Berufsleben gut vorstellen.

Ich empfehle ihm, das Selbsterkundungstool (SET) zu absolvieren, und informiere ihn darüber, dass ihm am Ende sowohl Studienfelder als auch Berufsausbildungen vorgeschlagen werden, die zu ihm passen. Wir vereinbaren einen Folgetermin, um die Ergebnisse zu besprechen.

Passende Ausbildungsgänge identifizieren

Ein Porträt-Foto von Christoph Kremer

Christoph Kremer

Foto: Astrid Koehler

Zum zweiten Gespräch bringt Robert das Testergebnis mit. Aus der Auswertung seiner Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen lässt sich wenig Eignung für ein Studium ablesen. Ein Blick auf seine aktuellen Noten verstärkt diese Einschätzung. Robert räumt ein, dass er größere Schwierigkeiten bei der Bearbeitung des Moduls Fähigkeiten hatte. Auf seinen Wunsch hin identifizieren wir gemeinsam passende Ausbildungsgänge. Von den im Testergebnis vorgeschlagenen Ausbildungsberufen ist Robert begeistert. Er wusste etwa nicht, dass er sich zum Zweiradmechatroniker ausbilden lassen kann, und das speziell in der Fachrichtung Motorradtechnik. Auch die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker und Industriemechaniker finden Anklang bei ihm.

Damit sich Robert die Inhalte und den Ablauf der verschiedenen Ausbildungen vorstellen kann, zeige ich ihm, wie er im BERUFENET selbst nach Informationen zu Ausbildungsaufbau, Tätigkeit, Verdienstmöglichkeiten oder Arbeitsbedingungen recherchieren kann. Ich lege ihm zudem BERUFE.TV und abi.de als weitere Recherchequellen ans Herz.
Darüber hinaus reiße ich das Thema Weiterbildung an, damit sich Robert einen Überblick über die beruflichen Perspektiven verschaffen kann. Er kann nach der Ausbildung den Meistertitel erwerben oder sich zum Techniker weiterbilden lassen. Ein anschließendes Studium wäre ebenso eine Option.

Berufsidee dem Praxistest unterziehen

Nun ist Robert gefordert, weitere Grundlagen für seine Entscheidung zu sammeln. Im laufenden Schuljahr wird er ein Schülerbetriebspraktikum machen. Wir überlegen, ob dies nicht eine Möglichkeit wäre, zumindest einen der für ihn interessanten Ausbildungsberufe in der Praxis zu testen. Robert kommt zu dem Schluss, dass er sich tiefer mit den Ausbildungen beschäftigen möchte und gegebenenfalls auch nach Schnuppertagen in Unternehmen Ausschau hält. Es motiviert ihn, dass er in seiner Entscheidung weiter gekommen ist und nun konkret weiß, wie er vorgehen kann.

Ein drittes Gespräch vereinbaren wir für die Zeit nach dem Praktikum. Dann kann Robert von seinen Erfahrungen berichten und wir können prüfen, ob er beim Thema Bewerbung um eine Ausbildungsstelle weitere Unterstützung braucht.

 

Beratungsprotokoll: Orientierungsphase

Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Einen Beruf zu wählen ist eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft. Häufig fällt es nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen – auch wenn man klare Neigungen und Interessen mitbringt. Die Berufsberaterinnen und -berater der Arbeitsagenturen helfen, gemeinsam Ideen zu entwickeln. Wie das aussehen kann, schildert Christoph Kremer, Berater bei der Agentur für Arbeit Wiesbaden.

Alina, eine Schülerin der Jahrgangsstufe 12, meldete sich bei mir zum Erstgespräch. Ihre schulischen Leistungen sind gut, Naturwissenschaften liegen ihr allerdings weniger. Sie interessiert sich für Kunst, liest und schreibt gerne und ist sozial engagiert. Der Kontakt zu Menschen ist ihr wichtig. All das würde sie beruflich am liebsten verbinden.

Mit solchen Fragen zur allgemeinen Orientierung habe ich häufig zu tun. Ich versuche hier, behutsam vorzugehen, die Erwartungen zu berücksichtigen und gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern realistische Vorschläge zu erarbeiten. Im Berufsleben lassen sich meist nicht alle Wünsche erfüllen. Auf einer starken persönlichen Motivation aufzubauen, ist aber sehr hilfreich. Häufig ergeben sich Möglichkeiten, an die die Schüler bisher nicht gedacht hatten.

Mit Alina bespreche ich verschiedene Ansatzpunkte. Wir schauen uns mögliche Studiengänge an, da sie gerne studieren möchte: Lehramt, Kunsttherapie oder Soziale Arbeit. Die Anforderungen und Inhalte erkläre ich ihr anhand der Modulhandbücher der Hochschulen. Nun muss Alina selbst herausfinden, was für sie das Richtige ist. Ich zeige ihr das Buch „Studienwahl“ und das zugehörige Onlineportal studienwahl.de. Vor allem das Selbsterkundungstool (SET) lege ich ihr ans Herz, um zu prüfen, welche Studienfelder zu ihr passen. Wir verabreden ein Folgegespräch.

Schritt für Schritt Ideen entwickeln

Ein Porträt-Foto von Christoph Kremer

Christoph Kremer

Foto: Astrid Koehler

Zum Anschlusstermin bringt Alina die Ergebnisse des SET mit: Aus den empfohlenen Studienfeldern können wir schnell die interessantesten herausfiltern – etwa das Sozialwesen in verschiedenen Ausrichtungen und Germanistik. Im nächsten Schritt schauen wir uns beispielhaft passende Studiengänge an der Hochschule RheinMain und der Uni Frankfurt an, denn Alina will nah an ihrem Wohnort studieren. Ich zeige ihr Informationsfilme im BERUFE.TV zu den jeweiligen Studiengängen und Berufsbildern.
Ein wichtiges Thema sind die Berufsperspektiven. Alina liegt an einer guten Absicherung, was die Beschäftigungsmöglichkeiten und die Gehaltsaussichten angeht. Ein Germanistikstudium ist für sie eher nicht die beste Lösung, da der Berufsweg nicht klar vorgezeichnet ist. Da braucht es etwas Mut, sich auf Ungewissheit einzulassen.

Konkrete Entscheidungshilfe geben

Weiterführende Links und Stellenvorschläge für duale Studiengänge im sozialen Bereich gebe ich ihr mit auf den Weg. Da dual Studierende bereits einen Vertrag mit einem Arbeitgeber haben und der Praxisbezug im Studium sehr hoch ist, gelingt der Berufseinstieg nach Studienabschluss häufig gut. Das kommt ihrem Wunsch nach Sicherheit entgegen. Nun ist Alina gefragt: Sie muss die verschiedenen Möglichkeiten weiterverfolgen und ihre Entscheidung treffen. Ich gebe ihr dazu weitere Informationsmaterialien mit wie einen Flyer der Hochschule RheinMain. Und ich verweise sie auf die Studienberatung Soziale Arbeit dort.

Die Vorschläge, die wir entwickelt haben, überraschen die Schülerin: die Studien- und Berufsmöglichkeiten im Sozialwesen waren ihr nicht bekannt beziehungsweise dachte sie nicht, dass sie zu ihr passen könnten. Sie hat nun klar umrissene Vorstellungen, die sie begeistern. Ich bin gespannt, welche weiteren Fragen Alina zum nächsten Termin mitbringt. Vielleicht hat sie sich bis dahin schon entschieden.

 

Umfrage

„Der Termin war ein wichtiger Anstoß“

Was will ich beruflich werden? Und wie kann ich das werden? Um diese elementaren Fragen zu beantworten, haben sich zwei Abiturientinnen und ein Abiturient Unterstützung bei der Berufsberatung ihrer örtlichen Agenturen für Arbeit geholt. Für abi>> berichten sie von ihren Erfahrungen.

Nina (19) hat 2019 ihr Abitur am Scharrer-Gymnasium in Nürnberg gemacht. Im kommenden Jahr will sie in Berlin ein Bachelorstudium in Modedesign beginnen.

Ein Porträt-Foto von Nina Eising

Nina 

Foto: privat

„Ich bin äußerst kreativ und modebegeistert. Dass ich beruflich in diese Richtung gehen werde, war für mich schon seit einem Jahr klar. Bei einem Infotag an unserer Schule und einem Termin im örtlichen Berufsinformationszentrum (BiZ) konnte ich meine Vorentscheidung überprüfen. Ich wollte mich informieren, worauf ich bei dieser Studien- und Berufswahl achten muss. Die Berater haben mir ein realistisches Bild vom Studium, den beruflichen Perspektiven und den Verdienstmöglichkeiten vermittelt. Zudem haben sie mir einen Überblick über weitere Optionen gegeben, wie ich meine Interessen beruflich verwirklichen kann. Das hat mir geholfen, zu vergleichen und abzuwägen.

Dass Modedesign das Richtige für mich ist, darüber bin ich mir nun im Klaren. In das Studium gehe ich mit realistischen Erwartungen und weiß, dass eine große Portion Eigeninitiative gefragt ist. Mittlerweile habe ich auch meine Hochschule gefunden – mich zieht es nach Berlin. In den nächsten Monaten arbeite ich an meiner Bewerbungsmappe.“

Für Noah Petrik liegt das Abitur schon ein Jahr zurück. Er hat die Zeit genutzt, um seinen Berufswunsch zu überprüfen. Bald beginnt der 19-Jährige ein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaft in Konstanz.

Ein Porträtfoto von Noah Petrik

Noah 

Foto: privat

„Ich interessiere mich sehr für gesellschaftliche Themen. Journalismus oder Politikwissenschaften waren meine Wunschstudiengänge. Mit der Berufsberatung habe ich erst kurz vor dem Abi gesprochen. An unserem Gymnasium werden alle sechs Wochen Beratungstage mit Einzelterminen angeboten. Das Gespräch mit der Beraterin war sehr hilfreich. Ich hatte Bedenken, dass mir nach dem Politikstudium die Arbeitslosigkeit droht. In dieser Hinsicht konnte sie mich beruhigen. Sie zeigte mir die beruflichen Möglichkeiten sowohl mit politikwissenschaftlichem Studium als auch im Journalismus auf.

Die Beraterin hat mich ermutigt, ein Studium zu beginnen und über Praktika herauszufinden, was mir am meisten liegt. Einen Studienplatz habe ich im ersten Anlauf nicht bekommen. Ich konnte mein Gap-Jahr jedoch nutzen, um praktische Arbeitserfahrung zu sammeln. Die Berufsberaterin hat mir zudem wichtige Hinweise zum Kindergeld gegeben. Das erhalten Eltern nämlich weiter, nachdem man sich um einen Studienplatz beworben hat, wenngleich es zunächst nicht geklappt hat.“

Eva Goßrau hat ihr Abitur am Forchheimer Ehrenbürg-Gymnasium gemacht. Kommendes Jahr geht es für die 18-Jährige nach Bamberg zum Studium der Sozialen Arbeit.

Ein Porträt-Foto von Eva Goßrau

Eva

Foto: privat

„Mein Termin bei der Berufsberatung liegt schon eine Weile zurück: In der 11. Klasse hatte ich bei einem der Besuche des Beraters in der Schule einen Einzeltermin. Danach standen die Klausuren im Vordergrund. Erst nach dem Abi habe ich mich wieder mit der Studienwahl befasst und meine Unterlagen von damals durchgesehen. Gemeinsam mit dem Berater habe ich herausgefunden, dass der Studiengang Soziale Arbeit zu mir passen könnte. Die Frage, was mir liegt, hatten wir im Ausschlussverfahren geklärt. Aus verschiedenen Interessensfeldern konnte ich auswählen, was nicht infrage kommt. So wurden meine Präferenzen nach und nach präziser. Im nächsten Schritt stellte der Berater mir passende Studiengänge vor.

Für mich war der Termin ein wichtiger Anstoß. Ich habe mich zum ersten Mal mit meinen Interessen und beruflichen Möglichkeiten befasst. Auf dieser Grundlage konnte ich sehr gut selbstständig weiter recherchieren und überlegen. Dazu habe ich auch Onlinetests der Hochschulen genutzt und Berufsmessen besucht.“


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Stand: 11.12.2019