Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Jeder hilft, wie er kann

Frauen ernten Trauben auf einem Weinberg.
Trauben ernten gehörte zu Rabea Lindemanns Aufgaben in der Temi-Community.
Foto: André Deco

Internationaler Jugendfreiwilligendienst in Georgien

Jeder hilft, wie er kann

Trauben ernten, Brot backen, Menschen fördern: Bei ihrem Internationalen Freiwilligendienst (IJFD) war Rabea Lindemann Teil der georgischen Temi-Community. Ein Jahr, das die 19-Jährige nachhaltig positiv geprägt hat.

Wenn Rabea Lindemann von ihrem IJFD erzählt, benutzt sie kaum einmal das Wort „ich“. Stets berichtet sie von „wir“ und „uns“. Gemeint sind die anderen Freiwilligen, die wie sie ins georgische Dorf Gremi gereist sind und die rund 60 Bewohner der Temi-Community. „Dort wohnen Menschen mit verschiedenen Hintergründen“, erzählt die 19-Jährige: Alleinerziehende Mütter, Senioren, Familien, Menschen mit physischen und psychischen Einschränkungen. „In Georgien ist das soziale Auffangnetz immer noch die Familie“, erklärt Rabea Lindemann. Temi wiederum ist wie eine große Familie, zu der sie für ein Jahr gehörte. Und irgendwie auch noch gehört. Denn eines fällt auf: Stets erzählt Rabea im Präsens, als sei sie immer noch dort.

Frühe Recherche

Ein Jahr vor dem Abi begann sie mit der Recherche für ihr Auslandsjahr. Ihr war wichtig, eine seriöse Organisation zu finden, die sie sicher und verantwortungsbewusst begleitet. Sie stieß auf den IJFD, der über deutsche Träger in gemeinwohlorientierten Einrichtungen im Ausland geleistet werden kann, und schließlich auf den „Verein für Soziale Dienste International“ (SDI).

Portraitfoto von Rabea Lindemann.

Rabea Lindemann

Foto: Clara Bergmann

Dort bewarb sie sich, weil ihr die Einsatzstellen und Aufgabenbereiche zusagten. Für die Reisekosten müssen die Freiwilligen beim SDI maximal 2000 Euro beisteuern. Unterkunft, Verpflegung sowie eine Vor- und Nachbereitung von insgesamt 30 Tagen finanziert der staatlich geförderte Verein. Zudem erhalten die Teilnehmer ein monatliches Taschengeld von 110 Euro. Auf einem Bewerberseminar lernte sie die Organisation kennen – und das Temi-Projekt, das ihr gleich gefiel.

Gemeinsam Trauben ernten

Los ging es im August 2018, pünktlich zur Traubenlese kam Rabea in Gremi an: „Wir haben jeden Aspekt der Ernte bis zum Verkauf erlebt und mitgemacht“, erzählt sie. Das bedeutete zunächst, mit den Temi-Bewohnern bei 35 Grad Trauben ernten, später Wein abfüllen, verkorken, etikettieren. Ihre ersten georgischen Wörter hatten entsprechend mit Wein zu tun. Später lernte sie – sprachlich und handwerklich – alles rund um die Bohne, die Tomate, den Weizen fürs eigene Brot und was sonst im Gewächshaus und auf den Feldern gesät, gepflegt und geerntet werden musste.
Nach etwa zwei Monaten habe sie sich recht gut mit den Bewohnern unterhalten können. „Anfangs war es vor allem in Konfliktsituationen schwierig und manchmal frustrierend, weil man sich nicht ausdrücken konnte, wie man wollte. Auch die Personen einzuschätzen, war zunächst mühevoll“, erzählt Rabea Lindemann.

Kommunikation zwischen Kulturen

Bei allen Tätigkeiten galt für die Freiwilligen – es waren stets zwischen vier und sechs zeitgleich da – was auch für die Bewohner gilt: Jeder hilft und macht, was er kann und tun möchte. Besonders der soziale Aspekt ihres Freiwilligenjahres gefiel Rabea gut. Menschen mit Beeinträchtigung zu fördern, mit ihnen zu basteln, zu singen oder spazieren zu gehen waren ebenso Teil ihrer Tätigkeiten wie Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen oder Ferienangebote zu organisieren. All das half ihr, die Menschen in Temi mit der Zeit besser kennen zu lernen.

Dies war schließlich mit ausschlaggebend für ihre Studienwahlentscheidung: Im Oktober hat sie mit „Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen“ an der Hochschule Fulda begonnen. „In Temi habe ich die Kommunikation zwischen den Kulturen schätzen gelernt, viele reflektierte und gute Gespräche mit Georgiern geführt“, berichtet sie. Und zudem viel von deren offenen, zuvorkommenden und entspannten Mentalität gelernt und verinnerlicht. Etwa beim Umgang mit Fremden und mit Ausländern, die in Georgien sehr herzlich empfangen werden. Immer wieder sei sie gefragt worden: „Gefällt dir Georgien?“ Und da sie stets bejahte, folgte prompt die Aufforderung: „Dann bleib doch hier!“

abi>> 18.11.2019