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Work & Travel im Inland

„Ich habe sofort ja gesagt“

Für die Kombination aus Reisen und Arbeiten muss man nicht unbedingt in die Ferne schweifen: Max Schmid (22) war nach seinem Abitur für einen Bühnenbauer unterwegs auf Montage in verschiedenen Städten in Deutschland. Auch wenn er die Arbeit als anstrengend bezeichnet, ist ihm die Zeit dennoch in positiver Erinnerung geblieben.

Foto von Geld in einem Portemonnaie

Wer nach dem Abi jobbt, kann Geld für eine Reise oder das Studium zurücklegen.

Nach dem Abitur wollte Max Schmid reisen. „Aber ich hatte nicht genug Geld“, sagt der 22-Jährige. Da kam ihm das Angebot eines Bühnenbauers, für den der gebürtige Wertheimer schon während der Sommerferien gearbeitet hat, gerade recht: Ob er für das Unternehmen auf Montagereise gehen würde, für die Dauer von vier Monaten – sozusagen ein Work & Travel in verschiedene Städte in Deutschland. Er sagte sofort ja: „Hinzu kam, dass ein ungefähr gleichaltriger Nachbar auch schon für die Firma auf Montagereise war und positiv davon berichtete“, erinnert er sich.

Foto von Max Schmid

Max Schmid

Bei seinen Ferien-Einsätzen für die Bühnenbau Wertheim GmbH war er nur in Wertheim tätig und lernte zunächst die Grundlagen, beispielsweise das richtige Tragen von überlangen Massivholzplatten und -latten: „Das ist gar nicht so einfach, wenn man damit um Ecken laufen muss und nirgendwo anstoßen darf.“ Auch der verantwortungsvolle Umgang mit Werkzeugen wie Schleifmaschinen sowie so genannten Ameisen – elektronischen Hubwagen, die wie Gabelstapler funktionieren – und dazugehörige Sicherheitsvorkehrungen wurden ihm beigebracht. Er war also gut vorbereitet für seinen Einsatz unterwegs.

Beim Bühnenbau geht es unter anderem um die richtigen Böden für Spielstätten: Schwingboden fürs Ballett, Parkett für die Philharmonie, Böden mit Spezialfunktionen fürs Theater. Aber auch um den Bau von Souffleurkästen, Schminktischen oder Konzertmuscheln. Die technischen Entwicklungen reichen von speziellem Klebeband, das sich rückstandsfrei vom Bühnenboden entfernen lässt, bis zu Hybridböden, die sich per Knopfdruck vom stabilen zum Schwingboden verstellen lassen.

Am Wochenende zurück nach Hause

An einem Montagmorgen ging es los: Um sieben Uhr beluden Max Schmid und seine Kollegen einen Transporter mit Werkzeugen, Holz, Farbe und anderen Materialen, eine Stunde später fuhren sie los. „Während der Fahrt freundete ich mich bereits mit meinen Kollegen an, von denen ich der jüngste war“, berichtet Max Schmid, der sich von Anfang an wohl in dem Team fühlte. Am jeweiligen Einsatzort stellte man ihm ein Einzelzimmer in einer Pension zur Verfügung. „Freitags oder samstags fuhren wir dann wieder zurück, weil die meisten Kollegen das Wochenende bei ihren Familien verbringen wollten.“

Schon nach wenigen Wochen – nachdem er bewiesen hatte, dass er „keine zwei linken Hände“ hatte – durfte Max Schmid bereits mehr Eigenverantwortung bei der Arbeit übernehmen. Arbeitsbeginn war jeweils um sieben Uhr. „Die Arbeit war so anstrengend, dass ich nach wenigen Stunden total verschwitzt war“, erinnert er sich. „Ich habe in dieser Zeit ganz schön an Muskelmasse zugelegt.“ Um 16 Uhr war Feierabend – den Abend verbrachte er meistens gemeinsam mit den Kollegen.

Am Ende vermisste er das Unterwegssein

Unter anderem kam Max Schmid nach Saarbrücken, Freiburg und Stuttgart. „In Stuttgart besuchte ich in der Mittagspause oft den Schlossgarten, wo man sehr schön spazieren gehen kann.“ Auch traf er Freunde, die in der baden-württembergischen Hauptstadt wohnen. In Freiburg gefiel es ihm so gut, dass er zeitweise sogar überlegte, dort zu studieren: „Die Universitätsbibliothek ist ein riesiges Gebäude aus Glas und sehr eindrucksvoll – und die Stadt ist auch superschön.“ Letztlich entschied er sich dann aber doch für Erlangen als Studienort.

Im Anschluss an seine reisende Tätigkeit arbeitete Max Schmid noch einen Monat lang am Fließband: „Da habe ich das Unterwegssein richtig vermisst.“ Auch die Arbeit beim Bühnenbau fand er abwechslungsreicher.

„Work und Travel im Inland bedeutet weniger Organisationsaufwand, vor allem wenn man für ein Unternehmen arbeitet, das Städte und Unterkünfte aussucht“, stellt Max Schmid fest. Wenn es ihm zeitlich möglich ist, will er aber auf jeden Fall noch Auslandspraktika machen. Die Arbeit beim Bühnenbauer jedenfalls hat sich finanziell für ihn ausgezahlt: „Mit dem Verdienst konnte ich meinen Umzug nach Erlangen und die ersten beiden Monatsmieten bezahlen.“

abi» 07.04.2020

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