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Werkstattjahr

Eine kreative Orientierungsauszeit

Holz, Glas, Metall und Textilien – diese Materialen stehen im Mittelpunkt des Unterrichts im Werkstattjahr der Werkbund Werkstatt Nürnberg (WWN). Felicitas Raake (19), Charlotte Odenwald (23) und Aaron Kessler (20) sind drei Teilnehmer des freiwilligen Jahres und bestreiten diesen künstlerischen Weg auf ganz individuelle Weise.

Junge Frau beim Malen.

Während des Werkstattjahres lernen die Schüler in vier Materialwerkstätten alles Wissenswerte über das zu bearbeitende Material.

Während der Schulzeit stieß Felicitas Raake das erste Mal auf einer Berufsfindungsmesse auf die WWN. Das ist eine private Ausbildungseinrichtung, die Jugendlichen ein Werkstattjahr zur Orientierung, Überbrückung oder als Praktikum zur Klärung der Berufswünsche anbietet. Aber auch als Vorbereitung auf ein Kunst-/Designstudium wird dieses Angebot oft genutzt.

Portraitfoto von Felicitas Raake

Felicitas Raake

„Schon am Gymnasium entwickelte ich eine Leidenschaft für Kunst. In der Oberstufe habe ich meine künstlerische Neigung jedoch ein bisschen vernachlässigt und mich eher auf Naturwissenschaften fokussiert“, erklärt sie. „Im Werkstattjahr kann ich mich langsam wieder an die Kunst herantasten und dabei Eindrücke von verschiedenen Materialen gewinnen, Techniken lernen und darauf später zurückgreifen“, erklärt Felicitas Raake.

Dimensionen des handwerklichen Arbeitens

Das Werkstattjahr umfasst neun Monate. In vier Materialwerkstätten – Holz, Glas, Metall und Textil – werden die Schüler in festen Gruppen mit maximal zwölf Personen, von Dienstag bis Freitag, von Dozenten unterrichtet. Am Anfang jedes Blockes erhalten die Teilnehmer eine theoretische Einführung. Sie lernen in den Fächern Werkzeugkunde und Materialkunde alles Wissenswerte über das zu bearbeitende Material. So wird sichergestellt, dass die Praktikanten ein Grundverständnis für den Werkstoff entwickeln. Von Block zu Block werden die Aufgabenstellungen für die Werkstücke komplexer.

Am Ende jedes Blockes sollen die jungen Erwachsenen ein größeres Objekt anfertigen, welches in der Gruppe präsentiert und besprochen wird. Die besten Werkstücke werden sogar in der jährlichen Abschlussausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Dazwischen finden noch andere Fächer wie Theater, Kommunikation, Designtheorie oder Kunstgeschichte ihren Platz. In einem Werkstattbuch dokumentieren die Teilnehmer ihre Arbeiten und reflektieren den Gestaltungsprozess.

Scheitern ist erlaubt

Auch das Scheitern spielt für die persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle. „Man wird immer wieder mit seiner eigenen Arbeitsweise konfrontiert. Ich hatte schon einen Moment, da dachte ich mir: Mein Werkstück ist einfach nur schlecht. Mein Modell dafür, zwei Würfel aus Holz, wobei die Konturen ineinander verschachtelt waren, sahen zwar theoretisch sehr schön aus, aber in der Ausführung hat das nicht funktioniert. Meine Holzteile waren viel zu filigran. Das ist echt hart zu verarbeiten, aber gleichzeitig auch das lehrreichste, was man in dem Jahr lernt“, erzählt Felicitas Raake. Die Schüler lernen im Werkstattjahr, eigene Entscheidungen zu treffen. Jeder löst die Aufgabenstellung auf seine eigene kreative Art, dabei kommen natürlich sehr viele verschiedene Gestaltungsergebnisse heraus. Die junge Frau weiß, wie es für sie nach dem Werkstattjahr weitergeht. „Ich möchte Kommunikationsdesign studieren“.

Portraitfoto von Charlotte Odenwald

Charlotte Odenwald

Die Voraussetzung für die Teilnahme an dem Werkstattjahr ist ein Mindestalter von 18 Jahren. Die Kosten betragen 4.100 Euro für das ganze Jahr, wobei die Materialkosten inklusive sind. Felicitas Raake finanziert das Werkstattjahr mit Hilfe ihrer Eltern und durch einen Nebenjob. Interessierte können sich für die WWN über die Webseite der gemeinnützigen Gesellschaft anmelden. Die Teilnehmerzahl ist dabei auf maximal 48 Personen begrenzt. Natürlich müssen das Interesse und die Motivation für die Kunst und das Handwerk gegeben sein. So wie bei Charlotte Odenwald. Die junge Frau interessiert sich für handwerkliche Abläufe, bringt aber keine handwerklichen Fähigkeiten mit. „Das macht aber nichts, denn einem wird hier wirklich alles gezeigt. Bei dem Material Holz fängt man zum Beispiel ganz einfach mit dem Sägen an.“

Orientierung für die Zukunft

Aaron Kessler zog für das Werkstattjahr extra aus Baden-Württemberg nach Nürnberg. „Die WWN war mir schon länger bekannt. Eine gute Freundin von mir war letztes Jahr hier“, erzählt er. Am besten gefällt ihm die Umsetzung der Arbeitsaufgaben. „Ich kann mir Sachen sehr gut vorstellen und wie diese sich dann im Laufe des Projektes entwickeln können“.

Portraitfoto von Aaron Kessler

Aaron Kessler

Gibt es bei der Umsetzung der Aufgabenstellung Probleme, helfen entweder die anderen Teilnehmer oder auch die Dozenten. „Nur wenn ich ganz verzweifelt bin, frage ich die Dozenten, ob sie einen Tipp haben. Meistens hat sich das gut ausgezahlt, weil sie Ideen haben, mit denen man gut weiterarbeiten kann.“

In zwei Punkten sind sich Felicitas Raake, Charlotte Odenwald und Aaron Kessler einig: „Der gegenseitige Austausch ist hier enorm wichtig. Der andere Punkt ist die Möglichkeit seine Interessen und Neigungen zu finden und sich selbst kennenzulernen.“

Mehr Infos

Werkbund Werkstatt Nürnberg gGmbH

Die Werkbund Werkstatt Nürnberg ist eine private Ausbildungseinrichtung. Sie bietet eine Basisausbildung zur persönlichen und beruflichen Orientierung von jungen Erwachsenen.

werkbund-werkstatt.de

abi» 24.01.2020

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