Ein Filmfestival in der Mongolei

Pferde und eine Hütte in der Mongolei.
Kultur, Entwicklung oder Naturschutz - es gibt viele Bereiche, in denen Abiturienten Freiwilligendienste absolvieren können.
Foto: Melanie Loser

Nach dem Abi ins Ausland

Ein Filmfestival in der Mongolei

Freiwilligendienst, Workcamp, Jobben, Au-pair: Es gibt viele Möglichkeiten, nach dem Abi internationale Arbeits- und Lebenserfahrung zu sammeln. abi» gibt Tipps zur Vorbereitung deines Auslandsaufenthalts.

So anders und fremd wie möglich sollten Land und Kultur sein, sagte sich Ben Rangnick, als er ein Jahr vor seinem Abi mit der Suche nach einem Freiwilligendienst begann: „Ich wollte so viel wie möglich erfahren und lernen.“ So kam es auch: Der heute 20-Jährige Philosophiestudent machte einen „kulturweit“-Freiwilligendienst im Goethe-Institut in Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei.

Portraitfoto von Ben Rangnick

Ben Rangnick

Foto: Davaanyam Delgerjargal

Etwa zwölf Monate vor seiner Ausreise hatte er mit der Bewerbung begonnen, sein Schulzeugnis eingereicht und Fragen zu Motivation, Fähigkeiten und Präferenzen bezüglich Regionen und Einsatzbereichen beantwortet. Es folgten eine Vorauswahl durch das kulturweit-Team der Deutschen UNESCO-Kommission und eine finale Auswahl durch die Partnerorganisationen. Ben Rangnick erhielt ein Platzierungsangebot für das Goethe-Institut in Ulan-Bator, führte ein Telefoninterview mit der Einsatzstelle - und wurde angenommen. Ein Jahr blieb er in der Kulturabteilung, nach etwa acht Monaten konnte er eigene Projekte betreuen, organisierte den Besuch eines deutschen Regisseurs zu einem Filmfestival und durfte an einem Förderantrag zur Gründung eines Fotografiestudiengangs mitarbeiten.

Auch lernte er Land und Leute kennen – und deren Probleme: Die Kluft zwischen Arm und Reich, Inflation, Korruption, Smog. „Diese Phänomene haben mich dazu bewogen, im Nebenfach VWL zu studieren: Ich möchte lernen, sie zu verstehen und zu analysieren, um später daran arbeiten zu können, sie zu beheben – egal wo in der Welt“, sagt Ben Rangnick.

Dschungel an Angeboten

Kultur, Entwicklungspolitik, Naturschutz, Sport, Bildung – es gibt viele Bereiche, in denen man einen Internationalen Freiwilligendienst absolvieren kann. Und das auf allen Kontinenten, organisiert von zahlreichen Veranstaltern. Von einem „Dschungel an Angeboten“ spricht Annette Westermann, Projektkoordinatorin beim europäischen Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk. Deswegen sei es wichtig, zirka ein Jahr vor dem Abi mit der Recherche zu beginnen, zumal je nach Anbieter die Bewerbungsfristen früh und die Plätze begrenzt sind.

Es gibt zwei Kategorien: Die geförderten und gesetzlich geregelten sowie die nicht-geförderten Freiwilligendienste. Die gesetzlich geregelten, wie das Europäische Solidaritätskorps, oder der Internationale Jugendfreiwilligendienst werden beispielsweise von der EU, beziehungsweise dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert. Bei solchen Diensten müssen sich die Freiwilligen in der Regel nur mit einem geringen Betrag beteiligen. Das Kindergeld wird weitergezahlt. Ein bereits zugesagter Platz in den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen wie Medizin oder Pharmazie bleibt bestehen.
Gesetzlich geregelt bedeutet, dass Dienste, Träger und Einsatzstellen bestimmte Bedingungen erfüllen. So muss die Versicherung gewährleistet, die Arbeit gemeinnützig sein sowie die Bildung im Vordergrund stehen. „Die pädagogische Begleitung ist sehr wichtig“, betont Annette Westermann. Dazu gehört vor der Abreise ein Vorbereitungsseminar, um Fragen zu klären und Infos über das Leben im Zielland zu erhalten. Im Nachgang finden Veranstaltungen für Rückkehrer statt, wo sie das Erfahrene reflektieren können.

Auf Seriosität achten

Portraitfoto von Annette Westermann.

Annette Westermann

Foto: privat

„Die gesetzlich geregelten Dienste sind Langzeitdienste, denn man ist meist mindestens sechs Monate im Ausland“, erklärt Annette Westermann. Die nicht-geförderten Dienste entsenden auch kürzer, die Bewerbungsfrist endet oft später, die Kosten müssen selbst getragen werden und: „Das Kindergeld wird nicht unbedingt weitergezahlt, da der Bildungsanspruch nicht immer nachgewiesen werden kann.“ Wer sich für einen solchen Dienst entscheidet, solle unbedingt darauf achten, dass die Organisation seriös ist, rät Annette Westermann. Kriterien dazu werden auf www.rausvonzuhaus.de/serioese-organisationen erklärt.

Vor allem warnt sie vor bestimmten Angeboten im Bereich des Voluntourismus, bei dem ein kurzer sozialer Dienst mit Urlaub verbunden wird. „Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, doch man muss gut recherchieren, wofür das Geld verwendet wird und ob man mit seinem Einsatz wirklich Gutes tut“, sagt sie. Eurodesk rät generell von kurzfristigen Einsätzen in sozialen Projekten, speziell der Arbeit mit Kindern, in sogenannten Entwicklungsländern ab.

Unterstützerkreis aufbauen

Da auch bei staatlich geförderten Angeboten meist noch Kosten anfallen, rät Annette Westermann dazu, einen Unterstützerkreis aufzubauen: Durch Spenden oder Aktionen wird Geld gesammelt, im Gegenzug verpflichten sich Freiwillige, die Unterstützer über ihren Einsatz zu informieren. Der Vorteil: „Man beschäftigt sich früh mit seinem Aufenthalt, die eigenen Erfahrungen werden wahrgenommen und man wirbt für das Projekt, bei dem man sich engagiert“, weiß Annette Westermann.

Neben den Freiwilligendiensten gibt es natürlich noch andere Wege, um nach dem Abi ins Ausland zu gehen: beispielsweise Sprachreisen, Au-pair-Programme und Workcamps, also Kurzzeitfreiwilligendienste, bei denen Menschen aus aller Welt für einige Wochen zusammen gemeinnützig tätig sind. Praktika oder ein Work & Travel-Aufenthalt sind eine Mischform aus Arbeiten und Reisen.

Absoluter Mehrwert

Michael Hümmer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Fürth, rät dazu, möglichst über eine Organisation ins Ausland zu gehen. Diese kümmere sich um grundlegende Dinge wie rechtliche Voraussetzungen, Arbeitserlaubnis und Sozialversicherung. Wer jobben wolle, also auf eigene Faust unterwegs sei, müsse sich im Vorfeld gründlich über Land, Kultur und Arbeitsbedingungen informieren. Das gelte vor allem bei Aufenthalten in Nicht-EU-Ländern. „Innerhalb der EU kann man im Rahmen der Freizügigkeit unkomplizierter jobben“, erklärt Michael Hümmer.

Reisetipps liefert die „APP ins EU-Ausland“ vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Voraussetzung für einen internationalen Aufenthalt seien grundlegende Kenntnisse in der Sprache der Zielregion sowie sichere Englischkenntnisse.

Für die Zukunft sei ein solcher Aufenthalt ein absoluter Mehrwert: „Er macht sich in jeder Bewerbung gut.“ Nicht nur, weil man berufspraktische Erfahrungen gesammelt und die Sprachkompetenz geschärft hat, sondern auch, weil man sich persönlich weiterentwickelt. Die Zeit nach dem Abi sei der perfekte Moment für eine solche Auszeit, betont Michael Hümmer. Um die Welt – und sich selbst – besser kennenzulernen.

Weitere Informationen

Raus von Zuhaus

Eurodesk Deutschland informiert und berät dich kostenlos und neutral rund um Auslandsaufenthalte, gibt Tipps zur Auswahl von Programmen und Organisationen und zeigt Finanzierungsmöglichkeiten auf.
rausvonzuhaus.de

kulturweit

Der internationale Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission bietet Menschen zwischen 18 bis 26 Jahren die Möglichkeit, sich für sechs oder zwölf Monate in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren. Dabei werden alle Freiwilligen finanziell unterstützt und in Seminaren begleitet
kulturweit.de

Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD)

Der IJFD ist ein Freiwilligendienst des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der es jungen Menschen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres ermöglicht, einen in der Regel einjährigen freiwilligen Dienst über einen deutschen Träger in gemeinwohlorientierten Einrichtungen im Ausland zu leisten und dadurch interkulturelle, gesellschaftspolitische und persönliche Erfahrungen in einer anderen Kultur zu sammeln.
ijfd-info.de

weltwärts

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts wurde 2008 durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Durch die Förderung des BMZ haben alle jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Chance, einen Freiwilligendienst in einem sogenannten Entwicklungs- oder Schwellenland zu leisten. Sie engagieren sich zwischen sechs und 24 Monaten bei einer lokalen Partnerorganisation für Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur oder Menschenrechte.
weltwärts.de

Europäisches Solidaritätskorps

Das Europäische Solidaritätskorps ist eine neue Initiative der Europäischen Union. Es schafft Möglichkeiten für junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, an Freiwilligenprojekten oder Beschäftigungsprojekten in ihrem eigenen Land oder im Ausland teilzunehmen, die Gemeinschaften und Menschen in ganz Europa zugutekommen. Die Projektdauer beträgt zwischen zwei und zwölf Monaten. Die Projektorte liegen in der Regel in den EU-Ländern.
europa.eu/youth/solidarity_de

Workcamps.org

Die Website bietet eine kurze Einführung zu internationalen Workcamps (Jugendgemeinschaftsdiensten). Sie stellt die verschiedenen Anbieter vor und erklärt, mit welchem Ziel sich diese gemeinnützigen Organisationen in der „Trägerkonferenz der internationalen Jugendgemeinschaftsdienste“ zusammengeschlossen haben.
workcamps.org

Eurodesk Deutschland

Eurodesk ist ein europäisches Informationsnetzwerk. Ziel des Netzwerkes ist es, Jugendliche und Multiplikatoren der Jugendarbeit den Zugang zu Europa zu erleichtern.
ijab.de

Wege ins Ausland

Die Berater/-innen der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung helfen nicht nur bei Fragen zum Jobben im Ausland, sondern informieren auch zu den Themen Ausbildung, Studium oder Praktika in anderen Ländern. Kontakt: telefonisch unter 0228 713-1313 oder via E-Mail: zav.outgoing-212@arbeitsagentur.de
arbeitsagentur.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuropäisches Ausland.
ba-auslandsvermittlung.de

App ins EU-Ausland

Die kostenlose und speziell auf Jugendliche zugeschnittene App vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland bietet Auskünfte und Ansprechpartner für 15 beliebte Reiseländer in der EU.
evz.de/de

Eures

Das europäische Portal zur beruflichen Mobilität hilft Arbeitsuchenden dabei, ins Ausland zu gehen und eine Beschäftigung in Europa zu finden. Das Kooperationsnetzwerk soll die Freizügigkeit der Arbeitnehmer in den 28 Ländern der EU sowie in der Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen erleichtern.
ec.europa.eu

 

Jobben im Ausland

Know before you go – so findest du einen Job im Ausland

Claudia Süß, Beraterin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV), spricht mit abi» darüber, was beachtet werden muss, wenn man nach dem Abi eine Zeitlang im Ausland jobben will.

abi» Frau Süß, in welchen Bereichen können Abiturienten einen Job finden?
Claudia Süß: Klassischerweise sind das Saisonjobs in der Gastronomie und Hotellerie. Infrage kommen auch Tätigkeiten, bei denen muttersprachliche Kenntnisse gesucht werden, etwa bei Callcentern, die im Ausland deutschsprachige Kunden betreuen. Wer seine Berufswahlentscheidung überprüfen will, kann fachspezifisch suchen. Wenn noch keine Qualifizierung und Berufserfahrung vorhanden ist, sollte man berücksichtigen, dass man als Hilfskraft gesehen wird.

abi» Wo findet man Jobangebote?
Claudia Süß: Mit der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit findet man auch internationale Angebote. Zudem kann man bei der nationalen Arbeitsverwaltung des Ziellands recherchieren. Das EURES-Netzwerk, in dem alle europäischen Arbeitsverwaltungen zusammenarbeiten, bietet ebenfalls ein Stellenportal.

Portraitfoto von Claudia Süß.

Claudia Süß

Foto: Karin Schliffke

abi» Was ist bei der Bewerbung zu beachten?
Claudia Süß: Idealerweise formuliert man sie in der Landessprache – es sei denn, die Ausschreibung ist auf Englisch. Man sollte stets erklären, was die Motivation ist, die Tätigkeit gerade im Ausland machen zu wollen. Allein dafür ist es wichtig zu überlegen, welches Ziel man mit dem Jobaufenthalt vorrangig verfolgt: Berufserfahrung sammeln, Sprachkenntnisse verbessern, andere Kulturen kennenlernen? Solche Gedanken sollte man sich auch einmal in Ruhe offline machen und sich beraten lassen – zum Beispiel von der ZAV.

abi» Was gibt es organisatorisch zu tun?
Claudia Süß: Vor allem wer ins außereuropäische Ausland geht, sollte früh mit der Stellensuche und der Bewerbung anfangen, da es einiges zu regeln gibt. Insbesondere die Visa-Erteilung kann länger dauern. Auch das Thema Sozialversicherung ist wichtig. Im EU-Ausland sind die Systeme weitgehend harmonisiert. Bei anderen Ländern muss man sich informieren, ob es Abkommen gibt und sich eventuell freiwillig versichern. Auch die Kosten müssen bedacht werden: Anreise, Unterkunft, Verpflegung müssen finanziert werden, meist reicht der Lohn dafür nicht aus.

abi» Wie bereite ich mich persönlich vor?
Claudia Süß: Das EURES-Motto lautet: „Know before you go“. Man sollte sich über die Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort informieren. Grundkenntnisse in der Landessprache sind wichtig – nur so kommt man mit Menschen in Kontakt – ganz im Sinne von networking!

 

Internationaler Jugendfreiwilligendienst in Georgien

Jeder hilft, wie er kann

Trauben ernten, Brot backen, Menschen fördern: Bei ihrem Internationalen Freiwilligendienst (IJFD) war Rabea Lindemann Teil der georgischen Temi-Community. Ein Jahr, das die 19-Jährige nachhaltig positiv geprägt hat.

Wenn Rabea Lindemann von ihrem IJFD erzählt, benutzt sie kaum einmal das Wort „ich“. Stets berichtet sie von „wir“ und „uns“. Gemeint sind die anderen Freiwilligen, die wie sie ins georgische Dorf Gremi gereist sind und die rund 60 Bewohner der Temi-Community. „Dort wohnen Menschen mit verschiedenen Hintergründen“, erzählt die 19-Jährige: Alleinerziehende Mütter, Senioren, Familien, Menschen mit physischen und psychischen Einschränkungen. „In Georgien ist das soziale Auffangnetz immer noch die Familie“, erklärt Rabea Lindemann. Temi wiederum ist wie eine große Familie, zu der sie für ein Jahr gehörte. Und irgendwie auch noch gehört. Denn eines fällt auf: Stets erzählt Rabea im Präsens, als sei sie immer noch dort.

Frühe Recherche

Ein Jahr vor dem Abi begann sie mit der Recherche für ihr Auslandsjahr. Ihr war wichtig, eine seriöse Organisation zu finden, die sie sicher und verantwortungsbewusst begleitet. Sie stieß auf den IJFD, der über deutsche Träger in gemeinwohlorientierten Einrichtungen im Ausland geleistet werden kann, und schließlich auf den „Verein für Soziale Dienste International“ (SDI).

Portraitfoto von Rabea Lindemann.

Rabea Lindemann

Foto: Clara Bergmann

Dort bewarb sie sich, weil ihr die Einsatzstellen und Aufgabenbereiche zusagten. Für die Reisekosten müssen die Freiwilligen beim SDI maximal 2000 Euro beisteuern. Unterkunft, Verpflegung sowie eine Vor- und Nachbereitung von insgesamt 30 Tagen finanziert der staatlich geförderte Verein. Zudem erhalten die Teilnehmer ein monatliches Taschengeld von 110 Euro. Auf einem Bewerberseminar lernte sie die Organisation kennen – und das Temi-Projekt, das ihr gleich gefiel.

Gemeinsam Trauben ernten

Los ging es im August 2018, pünktlich zur Traubenlese kam Rabea in Gremi an: „Wir haben jeden Aspekt der Ernte bis zum Verkauf erlebt und mitgemacht“, erzählt sie. Das bedeutete zunächst, mit den Temi-Bewohnern bei 35 Grad Trauben ernten, später Wein abfüllen, verkorken, etikettieren. Ihre ersten georgischen Wörter hatten entsprechend mit Wein zu tun. Später lernte sie – sprachlich und handwerklich – alles rund um die Bohne, die Tomate, den Weizen fürs eigene Brot und was sonst im Gewächshaus und auf den Feldern gesät, gepflegt und geerntet werden musste.
Nach etwa zwei Monaten habe sie sich recht gut mit den Bewohnern unterhalten können. „Anfangs war es vor allem in Konfliktsituationen schwierig und manchmal frustrierend, weil man sich nicht ausdrücken konnte, wie man wollte. Auch die Personen einzuschätzen, war zunächst mühevoll“, erzählt Rabea Lindemann.

Kommunikation zwischen Kulturen

Bei allen Tätigkeiten galt für die Freiwilligen – es waren stets zwischen vier und sechs zeitgleich da – was auch für die Bewohner gilt: Jeder hilft und macht, was er kann und tun möchte. Besonders der soziale Aspekt ihres Freiwilligenjahres gefiel Rabea gut. Menschen mit Beeinträchtigung zu fördern, mit ihnen zu basteln, zu singen oder spazieren zu gehen waren ebenso Teil ihrer Tätigkeiten wie Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen oder Ferienangebote zu organisieren. All das half ihr, die Menschen in Temi mit der Zeit besser kennen zu lernen.

Dies war schließlich mit ausschlaggebend für ihre Studienwahlentscheidung: Im Oktober hat sie mit „Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen“ an der Hochschule Fulda begonnen. „In Temi habe ich die Kommunikation zwischen den Kulturen schätzen gelernt, viele reflektierte und gute Gespräche mit Georgiern geführt“, berichtet sie. Und zudem viel von deren offenen, zuvorkommenden und entspannten Mentalität gelernt und verinnerlicht. Etwa beim Umgang mit Fremden und mit Ausländern, die in Georgien sehr herzlich empfangen werden. Immer wieder sei sie gefragt worden: „Gefällt dir Georgien?“ Und da sie stets bejahte, folgte prompt die Aufforderung: „Dann bleib doch hier!“

 

Au-pair in Frankreich

Als Nounou in Nanterre

Friedrich von Bosse war zehn Monate lang Au-Pair des siebenjährigen Paul, der mit seinen Eltern in einem Vorort von Paris lebt. Für abi» erzählt der 20-Jährige, wie er von seiner Zeit als „Nounou“ profitiert hat.

Wenn ich Paul zur Schule gebracht habe, kam es immer mal wieder vor, dass mich Eltern fragend anschauten. Sie haben überlegt, wer ich bin – der ältere Bruder, ein Freund der Familie? Dass ich Pauls Au-pair bin, darauf kamen die wenigsten. Oder sein „Nounou“ wie die Franzosen sagen – was allerdings ebenfalls Kindermädchen bedeutet. Es gibt eben sehr wenige junge Männer, die diese Aufgabe übernehmen – oder sie übertragen bekommen.

Zehn Monate zu Paul

Pauls Eltern hatten ganz bewusst nach einem männlichen Betreuer gesucht, vor mir war bereits ein junger Mann bei ihnen als Au-pair gewesen. Ich konnte ganz anders mit Paul umgehen, spielen und toben, als das vielleicht ein Mädchen gemacht hätte. Paul war sieben Jahre alt, als ich in Nanterre, einem Vorort von Paris, ankam, und feierte in den zehn Monaten, die ich bei der Familie lebte, seinen achten Geburtstag.

Portraitfoto Friedrich von Bosse.

Friedrich von Bosse

Foto: Richard Hegenkötter

Ich selbst wusste schon früh, dass ich nach dem Abi, das ich 2017 in Stralsund gemacht habe, Auslandserfahrung sammeln wollte. Meine Französischlehrerin bestärkte mich darin, mich auf eine Au-pair-Stelle zu bewerben. Sie selbst sowie mein bester Freund verfassten mir Empfehlungsschreiben für die Bewerbung. Ich hatte bereits in der zehnten Klasse drei Monate in Frankreich verbracht und war zuhause regelmäßig Babysitter. Außerdem schwankte ich zwischen einem Lehramt- und einem Jurastudium. Als Au-pair konnte ich austesten, ob mir der Umgang mit Kindern zusagt.

Lernen, kochen, spielen

Die Familie wurde mir von der Organisation Kulturist vermittelt. Nach einem ersten Besuch war klar, dass die Chemie stimmt. Ich hatte im Keller einen Bereich zum Wohnen mit eigenem Bad – das war gut, so konnte ich mich auch einmal zurückziehen. Pauls Eltern waren in Vollzeit berufstätig. Wenn sie weg waren, habe ich mich um Paul gekümmert: Frühstück gemacht, ihn auf dem Schulweg im Bus begleitet, gekocht, bei den Hausaufgaben unterstützt und natürlich mit ihm gespielt.

An den Wochenenden, während der Hälfte der Schulferien und wenn Paul in der Schule war hatte ich frei, wobei ich auch manchmal etwas mit der Familie unternommen habe. In der ersten Zeit bin ich vier Mal pro Woche nach Paris zum Sprachkurs gefahren, später habe ich die Stundenzahl reduziert. Außerdem unternahm ich etwas mit anderen Au-pairs, die ebenfalls aus Deutschland kamen. Wir sind zum Beispiel gemeinsam nach Lyon gefahren. So etwas konnte ich gut von meinen 80 Euro Taschengeld pro Woche finanzieren. Zudem gab es Au-pair-Treffen von der französischen Partnerorganisation. An diese hätte ich mich übrigens jederzeit wenden können, wenn ich Probleme gehabt hätte. Das war ein guter Rückhalt und gab mir Sicherheit.

Wichtige Erfahrungen

Nach dem Aufenthalt in Nanterre habe ich mich gegen das Lehramtstudium entschieden. Nicht, weil mir die Zeit nicht gefallen hat, im Gegenteil: Mir hat es Spaß gemacht, mich um Paul zu kümmern. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich das weder mein ganzes Leben lang, noch beruflich machen will.
Meine Französischkenntnisse haben sich in den zehn Monaten deutlich verbessert und ich habe verschiedene Sprachfacetten kennengelernt – schließlich spricht Paul anders und nutzt andere Vokabeln als erwachsene Franzosen.

Und noch eine Erfahrung war sehr wichtig: Schon einmal für längere Zeit von Zuhause weg zu sein, hat mich gut auf die Studienzeit vorbereitet. Es war ein perfekter Mittelschritt: Ich konnte eine Weile bei einer Familie wohnen, wenn auch nicht bei meiner eigenen. Als ich für das Jurastudium nach Bremen gezogen bin, ist mir dadurch der Abschied von Stralsund leichter gefallen.

 

Workcamp in Spanien

Jägerschnitzel, mexikanisches Bingo und Flamenco

Johanna Fox hat nach dem Abi an zwei internationalen Workcamps in Spanien teilgenommen und Kindern ein spannendes Ferienprogramm geboten. Bei abi» erzählt die 19-Jährige von ihren Erlebnissen.

Als einzige Deutsche unter den Workcamplern war es an Johanna Fox, den Kindern eines Feriencamps sowie den anderen Workcamp-Teilnehmern einen kleinen Einblick in die Kultur ihrer Heimat zu eröffnen. Für ihre Kollegen kochte sie Schnitzel mit Kartoffelpüree, mit den Kindern führte sie – auf Englisch – das Volksmärchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf und erklärte ihnen die Regeln des Topfschlagens, der Klassiker unter den Geburtstagsspielen.

Ferienprogramm für Kinder

Portraitfoto von Johanna Fox.

Johanna Fox

Foto: privat

In beiden Workcamps, an denen Johanna Fox in Spanien teilnahm, ging es darum, Kindern unterschiedlichen Alters ein spannendes und zugleich lehrreiches Ferienprogramm zu bieten: „Die anderen Freiwilligen, die Campleitung und ich, haben jeden einzelnen Tag vorbereitet. Wir überlegten uns altersgerechte Themen, entwickelten eine Tagesstruktur, organisierten Material und arbeiteten dann mit den Kindern und Jugendlichen in Gruppen“, erzählt sie.

Das entsprach genau ihren Vorstellungen: „Ich wollte gern etwas mit Kindern machen, da ich damals bereits vorhatte, Lehramt zu studieren und ausprobieren wollte, ob die Arbeit mir liegt“, erklärt die 19-Jährige, die im März 2019 ihr Abitur in Daun, in der Vulkaneifel, gemacht hatte. Im ersten Camp waren die Kinder zwischen neun und 15 Jahre alt, im zweiten zwischen fünf und neun Jahre. „Dort hatten wir Unterstützung von pädagogischen Fachkräften“, berichtet sie. Die Kommunikation lief stets auf Englisch – schließlich sollten die Kinder und Jugendlichen in den Ferien auch ihre Sprachkenntnisse verbessern.

Kulturelle Erfahrungen

Da sie nicht länger als drei Monate weg wollte, hatte sich Johanna Fox entschieden, über Workcamps im Ausland gemeinnützig tätig zu werden und zugleich neue kulturelle Erfahrungen zu sammeln. Und das vor allem durch neue Bekanntschaften, wie die 19-Jährige erklärt: die anderen Teilnehmer – übrigens in der Mehrzahl Frauen –, die unter anderem aus China, Mexiko, Russland und Italien kamen, die spanischen Kinder, die ihr einen ganz eigenen Blick auf ihre Heimat ermöglichten, und die Menschen, die in dem Ort lebten, in dem sie untergebracht war.

Vermittelt wurden ihr die jeweils zweieinhalbwöchigen Workcamps bei Valencia und in der Nähe von Malaga über den Verein „Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten“ (IBG), auf den sie bei ihrer Internetrecherche gestoßen war. Einsatzort und Inhalt der Camps sowie die Tatsache, dass zwei ähnliche hintereinander stattfanden, gaben den Ausschlag für ihre Bewerbung.

Von IBG wurde sie zu einem Vorbereitungsseminar eingeladen, bei dem sie Fragen beantwortet bekam, und sich mit anderen austauschen konnte. In Spanien selbst waren Campleitung und Organisationsträger vor Ort Ansprechpartner. Bei Problemen hätte sie sich aber auch jederzeit an IBG wenden können. Unterkunft und Verpflegung wurden gestellt, doch die Vermittlungsgebühr von 225 Euro für beide Camps sowie die Anreise musste sie selbst finanzieren – dafür jobbte sie zuvor in einer Jugendherberge.

Vorbereitung aufs Studium

„Man lernt viele interessante und nette Menschen kennen, wächst mit der Gruppe zusammen, und es entstehen neue Freundschaften“, fasst Johanna Fox zusammen. Auch in ihrer Berufswahl wurde sie bestärkt: Seit Oktober studiert die 19-Jährige Grundschullehramt an der Uni Köln; die Camps seien die perfekte Vorbereitung gewesen. Außerdem hat sie zwei gute Freunde in Andalusien gewonnen, sie weiß jetzt, wie die mexikanische Bingo-Variante funktioniert und kann Flamenco tanzen.

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Stand: 29.01.2020