orientieren

Überbrückungsmöglichkeiten im Überblick

Gap Year – zwischen zwei Lebensabschnitten

Nach dem Abi beginnt für dich ein neuer Lebensabschnitt, in dem du viele Entscheidungen eigenständig treffen darfst, die gut überlegt sein wollen. Hast du schon Pläne für deine berufliche Zukunft? Falls nicht, helfen dir womöglich ein paar Monate Auszeit, um dich auszuprobieren, zu orientieren und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Möglichkeiten, die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn zu nutzen, gibt es genug – abi» gibt einen Überblick.

Blick in einen roten Trolley, in dem verschiedene Reiseutensilien sind, wie etwa eine Kamera, Bücher, ein Laptop, T-Shirts.

Die Zeit zwischen dem Abitur und dem Start in Studium oder Ausbildung eignet sich hervorragend, um Erfahrungen zu sammeln.

Aktueller Hinweis zur Corona-Pandemie

Die momentanen Beschränkungen des öffentlichen Lebens wirken sich neben dem Abitur auch auf die Zeit danach aus. Welche Regelungen aktuell gelten und worauf du in Bezug auf Studium, Ausbildung und eine eventuelle Auszeit achten musst, erfährst du in der Übersicht „Studieren in der Corona-Krise: Was du jetzt wissen musst!“ und „Corona-Krise: Was wird aus meiner Auszeit nach dem Abi?“.

Freiwilligendienst

• Motivation: Es gibt einen bestimmten Bereich, der dich interessiert, zum Beispiel Kinder- und Jugendarbeit oder Umweltschutz? Bei einem Freiwilligendienst kannst du dich dafür engagieren und erweiterst gleichzeitig deine Kompetenzen und dein Wissen. Nach Abschluss des Freiwilligendienstes erhältst du ein qualifiziertes Zeugnis über die erworbenen Kenntnisse. Für die Bewerbung um einen Studienplatz zählt die Zeit des Dienstes als Wartezeit. Je nach Hochschule wird der Dienst sogar bei der Zulassung zu bestimmten Studiengängen berücksichtigt und kann ggf. als Vorpraktikum angerechnet werden. Und: Eine Zulassung zu einem Studienplatz vor Antritt deines Dienstes oder währenddessen verfällt übrigens nicht: Bei deiner nächsten Bewerbung für den gewählten Studiengang an dieser Hochschule hast du Anspruch auf bevorzugte Auswahl.

• Im Inland: Es gibt eine Vielzahl von Freiwilligendiensten, wobei nur der Bundesfreiwilligendienst (BFD), das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) – auch in Kultur, Sport, Wissenschaft, Denkmalpflege oder Politik – sowie das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) als Jugendfreiwilligendienste gesetzlich geregelt sind. Das bietet wichtige Schutzfunktionen wie die gesetzliche Sozialversicherung und den fortdauernden Anspruch auf Kindergeld. Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung werden oft erstattet oder gestellt. Außerdem bekommst du ein Taschengeld.

• Im Ausland: Das FSJ und das FÖJ können auch im Ausland geleistet werden. Darüber hinaus kommen Organisationen wie der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) oder der Europäische Freiwilligendienst (EFD) infrage. Private Agenturen organisieren ebenfalls Freiwilligendienste, allerdings sind diese nicht durch den Staat gefördert, und du musst die entstehenden Kosten selbst tragen. Dafür ist es leichter, einen Platz zu bekommen, und der Bewerbungsprozess ist weniger aufwendig. Angeboten werden spannende Einsätze im Bereich des Friedens- und Entwicklungsdienstes oder im Sozialdienst.

• Dauer: Ein Freiwilligendienst dauert in der Regel 12 Monate, kann aber auch auf sechs Monate verkürzt oder auf 18 Monate verlängert werden. In Ausnahmefällen ist ein Bundesfreiwilligendienst (BFD) bis zu 24 Monate zulässig. Bei privaten Anbietern bist du zeitlich flexibler und kannst die Dauer selbst wählen.

• Gut zu wissen: Wenn du mindestens 18 Jahre alt bist, hast du auch die Möglichkeit, einen Freiwilligen Wehrdienst zu leisten – etwa bei der Marine, der Luftwaffe oder im Sanitätsdienst. Dieser dauert 7 bis 23 Monate und du beziehst in der Zeit einen Wehrsold. Gerade für gesetzlich geförderte Freiwilligendienste ist es wichtig, dass du eine ausreichende Vorbereitungszeit einplanst. Am besten beginnst du bereits ein Jahr im Voraus mit Recherche und Bewerbung, denn die Teilnahme ist begrenzt.

Jobben

• Motivation: Jobben nach dem Abi ist eine gute Gelegenheit, um etwas Arbeitsluft zu schnuppern und dabei das Konto aufzufüllen. Denn ein Studium ist mit Kosten verbunden – besonders wenn du dafür in eine andere Stadt ziehen möchtest. Entscheidest du dich, im Ausland zu jobben, kannst du dich zudem über interkulturelle Erfahrungen freuen.

• Im Inland: Fließbandarbeit, Nachhilfe geben oder in einer Gärtnerei aushelfen: Neben- oder Ferienjobs sind mit Eigeninitiative in vielen verschiedenen Bereichen zu finden.

• Im Ausland: Du kannst auch im Ausland jobben. Wie wäre es zum Beispiel mit Australien, Kanada oder Neuseeland? Besonders beliebt sind Work &Travel-Aufenthalte. Dabei kannst du das jeweilige Land bereisen und finanzierst dich durch Gelegenheitsjobs dort, wo du dich gerade aufhältst. Typische Arbeiten sind die Aushilfe in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft. Im Trend liegt zudem das sogenannte WWOOFen („World Wide Opportunities on Organic Farms“), bei dem du für Unterkunft und Verpflegung auf Biohöfen mithelfen kannst.

• Dauer: Vom Mini-Job über Teilzeitarbeit bis hin zum Vollzeit-Ferienjob ist alles dabei. Dauer und Umfang sind von den jeweiligen Jobangeboten abhängig.

• Gut zu wissen: Die eigenständige Planung von Auslandsaufenthalten ist zeitintensiv und aufwendig – vor allem, wenn du außerhalb Europas reisen möchtest. Hier gibt es viele Formalien wie Visum und Co. zu berücksichtigen. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich von einer Vermittlungsagentur unterstützen zu lassen. Wer die damit verbundenen Kosten umgehen will, kann sich um ein Stipendium bewerben – davon gibt es allerdings nicht sehr viele. Einige Angebote findest du aber zum Beispiel auf www.praktikawelten.de oder auf www.rausvonzuhaus.de. Für eine finanzielle Entlastung kann auch das Kindergeld sorgen, das zwar normalerweise pausiert, wenn du jobbst, unter Umständen aber gewährt wird, wenn du zusätzlich einen Sprachkurs besuchst oder anderweitig nachweisen kannst, dass dein Auslandsaufenthalt dich für deinen zukünftigen Beruf qualifiziert. Grundsätzlich solltest du eine längere Vorbereitungszeit von bis zu fünf Monaten vor Reiseantritt einplanen.

Au-pair

• Motivation: Du hast Erfahrungen in der Kinderbetreuung, zum Beispiel durch Babysitten oder Nachhilfe, und möchtest nach dem Abitur gerne deine Fremdsprachenkenntnisse verbessern? Dann könnte ein Au-pair-Aufenthalt zu dir passen: Im Gegenzug für Unterkunft, Verpflegung und ein kleines Taschengeld hilfst du einer Gastfamilie bei der Betreuung der Kinder. So profitieren alle Beteiligten und die Kosten bleiben überschaubar.

• Im Ausland: Au-pair-Aufenthalte finden im Ausland statt und sind weltweit möglich. Wohin du gehst, bleibt ganz dir und deinen kulturellen Interessen überlassen. Besonders beliebte Ziele sind zum Beispiel die USA, Australien, Großbritannien oder Frankreich.

• Dauer: Meist dauert ein Au-pair-Aufenthalt sechs bis 12 Monate, kann aber auch verlängert werden. Die Arbeitszeit pro Woche beträgt in der Regel 30 bis 40 Stunden.

• Gut zu wissen: Im Internet bieten zahlreiche Vermittlungsagenturen ihre Dienste an. Hier solltest du darauf achten, dass es sich um eine seriöse Agentur handelt. Ein Zeichen dafür ist das RAL Gütezeichen Au-pair, das nur geprüfte Agenturen erhalten. Weitere Informationen sind außerdem beim Bundesverband für Au-pair Agenturen, Gastfamilien und Au-pairs in Deutschland zu finden.

Praktikum

• Motivation: Möchtest du Erfahrungen für das spätere Berufsleben sammeln, erste Kontakte knüpfen oder verschiedene berufliche Möglichkeiten ausprobieren, triffst du mit einem Praktikum eine gute Entscheidung. Zudem sind für manche Studiengänge – etwa Agrarwissenschaften oder Bauingenieurwesen – Vorpraktika verpflichtend.

• Im Inland: In nahezu allen Branchen werden Praktika angeboten. Manchmal lassen sich Stellen in der Jobsuche der Agentur für Arbeit finden. Bei der Suche ist aber vor allem Eigeninitiative erforderlich.

• Im Ausland: Praktika im Ausland sind möglich, aber eher unüblich. Nur wenige europäische Länder kennen ein Praktikum von Schülern oder Studierenden. Die Vermittlung ist über kommerzielle Anbieter möglich, du solltest aber bedenken, dass hierbei Vermittlungsgebühren anfallen. Zu berücksichtigen ist zudem, dass in den meisten Fällen gute Sprachkenntnisse erforderlich sind. Außerdem musst du bei einem Auslandspraktikum Kosten für Versicherungen, An- und Abreise und Unterkunft einplanen. Finanzielle Unterstützung bekommst du unter Umständen durch ein Stipendium.

• Dauer: Dauer und Umfang von Praktika variieren und können häufig individuell abgesprochen werden. Üblich sind mehrere Monate bis zu einem halben Jahr.

• Gut zu wissen: Ein Praktikum muss in Deutschland mit dem Mindestlohn vergütet werden, wenn es freiwillig erbracht wird und länger als drei Monate dauert. Pflichtpraktika, die von der Schule oder der Hochschule vorgeschrieben werden, müssen nicht vergütet werden. Neben Praktika können verschiedene studienvorbereitende Programme bei der Berufswahl helfen. Zu nennen sind hier etwa das Schnupperstudium und das Studium Generale. Im Ausland bieten sich sogenannte Academic Gap Years oder Summer Sessions an. Weißt du schon, was du studieren möchtest, kannst du dich mit Brücken- oder Mappenkursen konkret vorbereiten.

Sprachkurs

• Motivation: Englisch, Französisch, Spanisch oder doch lieber Japanisch? Mit Sprachkursen kannst du bereits erworbene Sprachkenntnisse vertiefen oder dir ganz neues Wissen aneignen.

• Im Inland: Sprachkurse sind beispielsweise an der Volkshochschule möglich oder bei privaten Anbietern. Informationen über verschiedene Kursangebote findest du zum Beispiel bei den Kulturinstituten verschiedener Länder wie Großbritannien, Frankreich oder Spanien.

• Im Ausland: Am leichtesten lernt man eine Sprache in dem Land, in dem sie gesprochen wird. Nebenbei kannst du so auch Kultur und Menschen kennenlernen. Sprachreisen werden in Einzel- oder Gruppenunterricht sowie in verschiedenen Niveaustufen angeboten. Ein Sprachkurs im Ausland ist mit teilweise hohen Kosten – zwischen 500 und 2000 Euro – für An- und Abreise, Unterkunft und Verpflegung verbunden. Für finanzielle Unterstützung kannst du dich für ein Stipendium, zum Beispiel ein Weiterbildungsstipendium, bewerben.

• Dauer: Sprachkurse und -reisen sind schon ab einer Woche möglich. Einen größeren Lernerfolg wirst du jedoch haben, wenn du dich für einen längeren und intensiveren Unterricht entscheidest.

• Gut zu wissen: Du hast Lust auf mehr? Sprachkurse lassen sich wunderbar mit anderen Überbrückungsmöglichkeiten kombinieren – sowohl im In- als im Ausland.

Mehr Infos

Rausvonzuhaus

rausvonzuhaus.de

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Arbeitskreis Wege ins Ausland

wege-ins-ausland.de

Ausland.org

ausland.org

Deutscher Akademischer Austauschdienst

daad.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

ba-auslandsvermittlung.de

Bundesfreiwilligendienst

bundesfreiwilligendienst.de

Freiwilliges Ökologisches Jahr

foej.net

Kulturweit

kulturweit.de

weltwärts

weltwaerts.de

Au-Pair Society e.V.

au-pair-society.org

abi» 12.06.2020

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