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Ich will was machen rund ums Meer

Bitte mehr Meer

Ein Containerschiff lenken, Yachten bauen, Waren rund um die Welt verschiffen oder mit einem Forschungsschiff wertvolle Klimadaten sammeln: Es gibt viele Berufe, in denen sich alles rund um das Meer dreht.

Eine Welle rollt an den Strand.

Das Meer bietet vielseitige Berufsmöglichkeiten.

Mit einer Flotte von 520 Schiffen, die 500 Häfen überall auf der Welt ansteuern, und einem Netzwerk von über 493 Agenturen weltweit transportiert die Mediterranean Shipping Company (MSC) jede erdenkliche Fracht an Zielorte rund um den Globus. Darunter sind Autos, Papier, Textilien, Medikamente oder Lebensmittel. Wie das im Detail funktioniert, lernt Sofia Spirgatis. Die 21-Jährige ist angehende Schifffahrtskauffrau bei MSC in Hamburg. Nach ihrem Abitur hat sie ein Jahr in einem Versandlager gearbeitet und wollte anschließend mehr über die Logistik wissen, die hinter dem Warenfluss steckt: „Die Ausbildung bei MSC finde ich faszinierend, weil die ganze Lieferkette abgedeckt ist, vom Ursprung der Produkte bis hin zu ihrem Zielort.“

Ein Porträt-Foto von Sofia Spirgatis.

Sofia Spirgatis

MSC ist eine Containerreederei. Für die Containerschiffe gibt es feste Fahrpläne – wie bei einer Buslinie. Aktuell arbeitet Sofia Spirgatis in der Logistikabteilung: „Hier kümmern wir uns unter anderem darum, dass die Container für den Kunden zum Beladen bereitstehen“, erklärt sie. Im Customer Service werden Ratenangebote für Kunden erstellt, während es am Booking Desk um die Auftragsabwicklung und die Dokumente geht, die benötigt werden, damit Container auf der Ladeliste stehen können. Im Laufe ihrer Ausbildung wird sie noch einige weitere Abteilungen durchlaufen. Kommunikation, vor allem auf Englisch, ist das A und O: „Das Fachvokabular lernt man im Berufsalltag und in der Berufsschule sehr schnell“, findet die angehende Kauffrau, die mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr ist.

Nicht nur Schifffahrtskaufleute beschäftigen sich mit dem Warenstrom und der Logistik. Fachkräfte für Hafenlogistik be- und entladen Containerschiffe, Absolventen international ausgelegter Studiengänge wie „Maritime Logistics & Port Management“, „Maritime Management“, Verkehrsingenieurwesen oder Schiffs-, Reedereimanagement und Hafenwirtschaft arbeiten bei Reedereien, Hafenunternehmen, Logistikunternehmen und Spediteuren. „Das sind sehr kommunikationsstarke Berufe, in denen neben viel Kundenkontakt auch Sprachen, allen voran Englisch, wichtig sind“, sagt Michael Warnck, Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit Husum.

Raus aufs Meer

Wen es hinauszieht auf die hohe See, der kann zum Beispiel mit einer Berufsausbildung zum Schiffsmechaniker starten und den gesamten Schiffsbetrieb von der Pike auf lernen. „Sie leisten sowohl Decks-, Brücken- als auch Maschinendienst und können nach ihrem Abschluss ein Studium der Nautik aufnehmen und nautischer Wachoffizier und später Kapitän werden. Alternativ können sie Schiffsbetriebstechnik studieren, um dann Technischer Wachoffizier und später Leiter der Maschinenanlage zu werden“, erklärt Susann Marohl von der Zentralen Heuerstelle Hamburg.

Auch in den fachpraktischen Ausbildungen zum Nautischen Offiziersassistenten (siehe Reportage „Auf den Weltmeeren zu Hause“) oder zum Technischen Offiziersassistenten – je nachdem, ob man sich im Maschinenraum oder auf der Brücke wohler fühlt - fährt man zur See: „Diese beiden Ausbildungen ebnen ebenfalls den Weg in ein Studium der Nautik oder der Schiffsbetriebstechnik“, informiert Susann Marohl. Für einen Abschluss in Nautik ist es Pflicht entweder während oder vor dem Studium eine bestimmte Zeit auf See zu verbringen.

Von Boot- und Wasserbauern

Wer lieber wissenschaftlich arbeiten und den Geheimnissen des Lebensraumes Meer auf den Grund gehen möchte, kann Ozeanographie, Meeresbiologie, Küsten- und Meeresforschung, Geophysik oder auch Geologie studieren. Mit der Energie- und Rohstoffgewinnung im und auf dem Meer befassen sich die Studiengänge Geowissenschaften, Rohstoffingenieurwesen und auch Energie- und Meerestechnik. Eher ein Nischendasein führt die Fischerei: Neben der beruflichen Ausbildung zum Fischwirt befassen sich Studiengänge wie Marine Ökosystem- und Fischereiwissenschaft oder Aquakultur mit den Lebewesen im Wasser. Während sich die meisten unter dem Beruf Bootsbauer oder dem Studiengang Schiffbau etwas vorstellen können, ist das Berufsbild Wasserbauer weniger bekannt. Hierbei geht es um das Pflegen von Dämmen, das Sichern von Ufern und Anlagen des Küsten- und Inselschutzes.

Ob als Bootsbauer oder draußen auf dem Meer: „Hier werden Leute gesucht, die keine Berührungsängste vor körperlich anstrengender Arbeit haben und die den oft widrigen Wetterbedingungen trotzen können. Natürlich muss man seetauglich sein und am besten eine Liebe zum Element Wasser, dem Wind und den Wellen mitbringen“, erklärt Michael Warnck.

Portät-Foto von Michael Warnck.

Michael Warnck

Darüber hinaus gibt es viele Berufe, die in der weiteren Spezialisierung das Thema Meer aufgreifen. Tourismuskaufleute und Studienabsolventen des Tourismusmanagements etwa vermarkten Reisen und Reiseziele rund ums Meer. Geht es um die Sicherheit auf den Meeren und an den Küsten, kommen Ingenieure für Rettungswesen oder Sicherheitstechnik, Polizeibeamte der Küstenwache oder Berufssoldaten der Marine zum Einsatz. „Wenn man von der Küste kommt, Land und Leute kennt und vielleicht sogar die plattdeutsche Sprache spricht, ist das mit Blick auf die Wasserwacht, Fischerei und den Bootsbau sicherlich ein Vorteil“, scherzt der Berufsberater.

Kein einheitlicher Arbeitsmarkt

So facettenreich Berufe rund ums Thema Meer, so unterschiedlich zeigt sich der Arbeitsmarkt in den verschiedenen Berufsfeldern. Beispiel Schifffahrt: Der Boom in der Kreuzfahrtbranche hat bei Berufen in der Fahrzeugführung im Schiffsverkehr, wie etwa Hafenschiffer oder Kapitän, nicht zu einem Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen geführt. „Diese ist in den vergangenen fünf Jahren sogar um 15 Prozent auf 8.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gesunken. Dennoch ist gleichzeitig auch die Zahl der Arbeitslosen gesunken und es gibt einen leichten Zuwachs in der Nachfrage nach Personal“, erklärt Claudia Suttner vom Team der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Bei den Berufen rund um den Schiffsbau, zu denen etwa Ingenieure für Schiffsbetriebstechnik oder auch Schiffsmechaniker zählen, ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen in den vergangenen fünf Jahren überdurchschnittlich auf 4.000 gestiegen. Das sehr kleine Berufsfeld der Fischwirtschaft, das lediglich 2.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zählt, hat in den vergangenen fünf Jahren ebenfalls einen Zuwachs erfahren, zeitgleich sind aber auch die Arbeitslosenzahlen gestiegen und den Arbeitssuchenden stehen nur wenige Stellen zur Auswahl.

Weitere Informationen

Zentrale Heuerstelle Hamburg- Fachvermittlung für Seeleute

Vermittlung von Jobs und Ausbildungsplätzen in der See- und Küstenschifffahrt und in der Hochseefischerei

arbeitsagentur.de/vor-ort/hamburg/zentrale-heuerstelle-hamburg

Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM)

Zusammenschluss von Forschungsinstitiuten zur Identifizierung neuer Forschungsfelder und Entwicklung internationaler Forschungsstrategien

www.deutsche-meeresforschung.de

Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Kompetenzzentrum für die Erforschung der Arktis und Antarktis; unter anderem mit dem Forschungseisbrecher Polarstern.

awi.de

berufsfeld-info.de

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.

berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild

berufenet.arbeitsagentur.de

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

abi» 06.01.2020

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