Von Bullen und Bären

Wie an der Börse verfolgt ein Mann die Entwicklung der Stromparameter.
Im Bachelorstudium "Finanzwirtschaft - Bank" bekommen Studierende fundierte Einblicke in die verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage.
Foto: Jörg Moritz

Berufe an der Börse

Von Bullen und Bären

Was an den Börsen dieser Welt passiert, ist von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung. Diese mitunter immense Verantwortung auf den Schultern der handelnden Personen macht entsprechende berufliche Wege auch für viele Abiturienten interessant.

Jasmin Keil hat sich für einen dieser Wege entschieden. Die 20-Jährige absolviert den praxisintegrierenden Bachelorstudiengang „Finanzwirtschaft – Bank“ an der Berufsakademie Sachsen am Standort Dresden. „Ich habe mich für Wirtschaft interessiert und schließlich mein Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium gemacht“, erläutert sie ihren Hintergrund. „Für das Studium wollte ich gern in meiner Heimatstadt Dresden bleiben und die Arbeit bei einem regionalen Kreditinstitut kennenlernen. Mich interessieren die verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage und mich reizt der direkte Kundenkontakt.“

Vielfältige Perspektiven im Wertpapierhandel

Ein Porträt-Foto von Jasmin Keil

Jasmin Keil

Foto: privat

Der dreimonatige Wechsel zwischen Theorie an der Berufsakademie und Praxis beim Kreditinstitut ermöglicht es der Studentin, das Wissen aus den Vorlesungen direkt in der Praxis umzusetzen „Das Studium ist sehr vielfältig und enthält sowohl rechtliche Module als auch Vorlesungen zu Statistik, Wirtschaftspolitik, Wertpapiermanagement oder Unternehmensführung. Außerdem haben hier alle Dozenten bereits in der Praxis gearbeitet und können uns deshalb die Inhalte auf besonders anschauliche Art und Weise vermitteln.“

Weil das Studium inhaltlich so breit gefächert ist, bieten sich nach dem Bachelorabschluss viele Möglichkeiten, um an der Börse oder im Wertpapierhandel zu arbeiten. „Zur Vorbereitung tragen beispielsweise die Module zu Finanzenglisch, Investmentbanking oder Derivaten bei“, erklärt Jasmin Keil. „Eine wertvolle Erfahrung ist auch, dass ich durch die Praxisphasen weiß, wie Finanzprodukte aufgebaut sind und wie sie vermarktet werden.“

Ausbildung oder Studium – beides ist möglich

An die Börse oder in den Kapitalmarkt führen unterschiedliche Wege, wie Dirk Huber, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main, erläutert. „Neben – oftmals dualen – Studiengängen wie Banking and Finance oder Betriebswirtschaftslehre mit einer Spezialisierung in der Fachrichtung Bank, Finanzen und Controlling kommen als Einstieg auch mathematisch-statistische Studiengänge infrage.“

Für Abiturienten relevante Ausbildungsberufe sind insbesondere Investmentfondskaufmann/-frau (mehr zu diesem Berufsbild erfährst du in der Reportage „Umfassende Einblicke in Wertpapiergeschäfte") und Bankkaufmann/-frau. Auch einige Weiterbildungen in diesem Bereich gibt es, etwa zum/zur Investment-Fachwirt/in, Betriebswirt/in – Bank oder Fachwirt/in – Bank. „Im Lebenslauf vieler Aktienhändler findet sich sogar beides, Ausbildung und Studium“, betont der Berufsberater. „Abhängig von der jeweiligen Tätigkeit ist in einigen Fällen auch ein Quereinstieg möglich. Ein Studium ist zunächst nicht zwingend notwendig, eine kaufmännisch-orientierte Ausbildung ist ein guter Start.“

Hohe Belastbarkeit als Voraussetzung

Ein Porträt-Foto von Dirk Huber

Dirk Huber

Foto: privat

Grundsätzlich sind die Ausbildung und die persönlichen Voraussetzungen, die man mitbringen sollte, für die verschiedenen Börsenberufe sehr ähnlich, wie Dirk Huber erläutert. „Börsenhändler zeichnet (finanz-)wirtschaftliches Wissen aus. Von Vorteil ist auch, wenn man auf Kenntnisse sowie Erfahrungen aus dem Investment-Banking sowie im Bank- und Börsenrecht zurückgreifen kann. Die englische Sprache zu beherrschen ist eine Grundvoraussetzung, etwa bei internationalen Transaktionen. Weitere Sprachkenntnisse können den Einsatzbereich vergrößern.“

Zusätzlich sollte man laut dem Berufsberater Softskills wie kommunikationsstarkes Auftreten, Belastbarkeit, starke Nerven, Zielstrebigkeit und Interesse an Kapitalmärkten mitbringen und sich auf ungewöhnliche Arbeitszeiten einstellen. „Börsengeschäfte werden üblicherweise online abgewickelt. Durch weltweit vernetzte Handelsplätze sind der Handelsort und die Handelszeit für Börsengeschäfte nicht mehr begrenzt. Börsenhändler (mehr zum Thema liest du in der Reportage „Im Auf und Ab der Kursbewegungen“) und Börsenhändlerinnen können über zugelassene und an die Börsen gebundene externe Abwicklungssysteme vom Computer ihres Arbeitsplatzes aus nahezu rund um die Uhr und auch an Wochenenden rund um den Globus Transaktionen einleiten, weswegen es oft zu unregelmäßigen Arbeitszeiten kommt.“

Perspektiven am Arbeitsmarkt

Die Digitalisierung hinterlässt auch an den Kapitalmärkten ihre Spuren. Doch selbst wenn Tätigkeiten tatsächlich durch Computer ersetzt werden, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass ein Beruf dadurch verschwindet, wie Dirk Huber betont. „Die Tätigkeiten werden sich aber verändern: Während die ersetzbaren Tätigkeiten von Maschinen ausgeführt werden, gewinnen die nicht-ersetzbaren Tätigkeiten für den Menschen an Bedeutung, und es kommen neue Tätigkeiten hinzu. Eine kontinuierliche berufliche Weiterbildung wird daher immer wichtiger.“

Und wie sieht es mit den beruflichen Perspektiven rund um die Börse und den Kapitalmarkt insgesamt aus? „Die Digitalisierung, etwa das Online-Banking, und die damit verbundenen Veränderungen im Bankensektor, führten in den letzten Jahren zu einer gegenläufigen Entwicklung dieses Teilbereichs im Gegensatz zum gesamten Arbeitsmarkt“, erklärt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Davon waren insbesondere die Fachkräfte dieses Berufsfeldes betroffen, also vor allem Bankkaufleute und Investmentfondskaufleute. Hier ist die Arbeitslosenzahl gestiegen und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zurückgegangen – entgegen dem allgemeinen Trend.“

In den vergangenen beiden Jahren sind laut der Expertin aber wieder ein Anstieg in der Nachfrage und ein Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen. „Diese Entwicklung findet sich auch bei Berufen auf dem Kapitalmarkt, die in der Regel einer Weiterbildung bedürfen, wie dem Investmentfachwirt oder dem Bankfachwirt. Bei hoch qualifizierten Finanzanalysten und Anlageberatern, zum Beispiel mit einem Betriebswirtschaftsstudium, ist die Zahl der Arbeitslosen in den letzten fünf Jahren gesunken und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist gestiegen. Die Arbeitslosenquote im übergeordneten Berufsfeld der Versicherungs- und Finanzdienstleistungen liegt bei unter zwei Prozent. Die Chancen für einen Berufseinstieg auf dem Börsenparkett sind entsprechend gut.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung (Suchbegriff: Börse)
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Börse)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Börse)
studienwahl.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Deutsche Börse AG

deutsche-boerse.com

Bundesverband der Wertpapierfirmen e.V.

www.bwf-verband.de

 

Berufe an der Börse – FAQ

So funktioniert der Börsenhandel

abi>> beantwortet zusammen mit Michael H. Sterzenbach, Geschäftsführer des Bundesverbands der Wertpapierfirmen e.V., die wichtigsten Fragen rund um die Börse.

Wie viele und welche Arten von Börsen gibt es in Deutschland?

Die Hauptform sind die Wertpapierbörsen, an denen Anleihen, Aktien, Zertifikate und andere Wertpapiere gehandelt werden. Für den Betrieb einer Börse bedarf es einer öffentlich-rechtlichen Zulassung, hierdurch soll die Qualität des Börsenhandels sichergestellt werden.

Die größte Börse in Deutschland ist die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB, Trägerin und Betreiberin ist die Deutsche Börse AG), mit der elektronischen Handelsplattform Xetra und dem – ebenfalls auf Xetra basierenden – Handelsplatz Börse Frankfurt für Privatanleger. Außerdem gibt es sechs weitere Regionalbörsen mit unterschiedlichen „Börsenträgern“ in Deutschland, und zwar in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart.

Wo werden Wertpapiere und andere Finanzprodukte sonst noch gehandelt?

Unter bestimmten Voraussetzungen besteht darüber hinaus die Möglichkeit, den Handel außerbörslich „Over the Counter“ (OTC) durchzuführen. Das bedeutet ein Wertpapiergeschäft völlig unabhängig von einem Handelsplatz bilateral mit einem anderen Marktteilnehmer zu vereinbaren – zum Beispiel zwei Banken untereinander. Es handelt sich dabei in der Regel um größere Geschäfte. Aber auch ein privater Kleinanleger, der direkt von seiner Bank etwa eine Bundesanleihe erwirbt, handelt in diesem Fall „OTC“. Diese Art des Handels wird jedoch immer weniger und hängt davon ab, ob ein Geldinstitut dies (noch) anbietet.

Wie funktioniert der Kapitalmarkthandel?

Die Funktion des Kapitalmarkts besteht darin, dass jemand, der Kapital benötigt, andere Wirtschaftsteilnehmer fragt: Bist du bereit, mir Kapital zu geben? Bei Fremdkapital handelt es sich um eine Anleihe, die wieder zurückzuzahlen ist. Bei Unternehmensbeteiligungen und Eigenkapital wiederum handelt es sich um Aktien. Anders als eine Aktie besitzt eine Anleihe in der Regel eine bestimmte Laufzeit, nach der das Kapital – wie bei einem Kredit – wieder zurückgezahlt wird. Es gibt dabei unterschiedliche Laufzeiten und Verzinsungen.

Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Primär- und dem Sekundärmarkt: Auf dem Primärmarkt werden Anleihen und Aktien neu herausgegeben. Unter Sekundärmarkt versteht man den Handel mit Wertpapieren, die bereits im Umlauf sind, zum Beispiel an einer Börse.

Für Emittenten (Unternehmen, die Wertpapiere ausstellen und ausgeben) ist es wichtig, dass es genügend Sekundärmärkte gibt. Nur dann können Anleger, ob unvorhergesehen oder geplant, die Wertpapiere wieder verkaufen.

Was bedeutet der Begriff Broker?

Ein Broker ist an sich ein Makler – jemand, der zwischen einem Käufer und Verkäufer vermittelt. Das Geschäft kommt dann zwischen den beiden zustande und der Broker erhält in aller Regel eine Kommission dafür.

Was versteht man unter Xetra?

Der Begriff meint eine vollelektronische Handelsplattform mit einem Algorithmus, der Kauf- und Verkaufsaufträge zusammenführt. Bereits 90 Prozent des deutschen Aktienhandels werden derzeit über Xetra abgewickelt. Mit der Elektronisierung und den zunehmenden regulatorischen Anforderungen gewinnen neben den Wertpapierhändlern weitere Berufsgruppen eine große Bedeutung für den Börsenhandel: beispielweise Informatiker, Risikomanager oder sogenannte Compliancebeauftragte, die für die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften verantwortlich sind.

Was sind Derivate?

Derivate sind Wertpapiere, die sich auf ein anderes Wertpapier beziehen – insbesondere im Bereich des Terminhandels. Bei einer Auktion kann man zum Beispiel das Recht erwerben, ein bestimmtes Wertpapier zu einer bestimmten Zeit zu kaufen oder zu verkaufen.

 

Übersicht

Arbeiten im Börsenumfeld

An der und rund um die Börse gibt es verschiedene Studien- und für Abiturienten relevante Ausbildungsberufe sowie Weiterbildungen.

Anlageberater/in

• Aufgaben: Privat- und Firmenkunden bei Kapitalanlagen unterstützen
• Mögliche Arbeitgeber: Kreditinstitute, Treuhand- und Fondsgesellschaften, Investmentunternehmen, Beteiligungsgesellschaften
• Zugang zur Tätigkeit: kaufmännische Aus- oder Weiterbildung im Bereich Versicherung und Finanzdienstleistungen oder ein Studium

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Bankkaufmann/-frau

• Aufgaben: in verschiedenen Geschäftsbereichen von Kreditinstituten insbesondere Aufträge bearbeiten und Kunden über Finanzprodukte beraten
• Mögliche Arbeitgeber: Kreditinstitute wie Banken und Direktbanken, Girozentralen, Sparkassen und Bausparkassen; Börsen bzw. der Bereich Wertpapierhandel; Versicherungsunternehmen und Immobilienvermittlungen
• Zugang zur Tätigkeit: abgeschlossene Berufsausbildung

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Börsenhändler/in

• Aufgaben: Wertpapiere kaufen und verkaufen bzw. Wertpapiergeschäfte vermitteln zwischen Anbietern und Nachfragern am organisierten Markt (der Börse)
• Mögliche Arbeitgeber: Börsen, Kreditinstitute, Kapitalanlage- und Beteiligungsgesellschaften
• Zugang zur Tätigkeit: kaufmännische Ausbildung im Bankwesen oder ein Studium

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Fondsmanager/in

• Aufgaben: das in Fonds angelegte Vermögen der Kunden vermehren; Anlageentscheidungen unter Abwägung von Risikograd und Ertragschance treffen.
• Mögliche Arbeitgeber: Zentralbanken und Kreditinstitute, Investmentfondsgesellschaften, Firmen im Bereich der Immobilienfondsberatung
• Zugang zur Tätigkeit: kaufmännische Weiterbildung im Bereich Finanzdienstleistung oder ein Studium

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Investment-Fachwirt/in

• Aufgaben: Geschäftsvorgänge in der Verwaltung von Investmentfonds koordinieren und kontrollieren; Märkte und Risiken analysieren, Marketingmaßnahmen veranlassen.
• Mögliche Arbeitgeber: im Kreditgewerbe, z.B. bei Banken, Sparkassen, privaten Kreditinstituten, Investmentaktiengesellschaften, im Börsen- und Wertpapierhandel, im Versicherungsgewerbe
• Zugang zur Tätigkeit: abgeschlossene Weiterbildung, ein Abschluss als Betriebswirt/in für Finanzen und Investment kann den Zugang erleichtern

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Investmentfondskaufmann/-frau

• Aufgaben: Geld-, Kapital- und Wertpapiermärkte analysieren, die Ergebnisse für Entscheidungen des Fondsmanagements aufbereiten; Depots betreuen, Kundenaufträge abwickeln; Aufgaben in der Buchhaltung und im Controlling von Fonds
• Mögliche Arbeitgeber: Kreditinstitute, Investment- und Kapitalanlagegesellschaften, Börsen, Versicherungsgewerbe
• Zugang zur Tätigkeit: abgeschlossene Berufsausbildung

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Wertpapieranalyst/in

• Aufgaben: für Banken oder Wirtschafts- und Vermögensberatungsunternehmen die Entwicklung von Wertpapieren untersuchen
• Mögliche Arbeitgeber: Banken- und Kreditwesen, Beteiligungsgesellschaften, Unternehmensberatung
• Zugang zur Tätigkeit: kaufmännische Weiterbildung im Bereich Banken und Finanzdienstleistung oder ein Studium

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Investmentfondskauffrau

Umfassende Einblicke in Wertpapiergeschäfte

Jenny Uhlmann (21) hat sich für ein besonderes Ausbildungspaket entschieden: Bei Union Investment erlernt sie den Beruf der Investmentfondskauffrau – im Rahmen eines dualen BWL-Studiums.

Schon auf dem Wirtschaftsgymnasium stellte Jenny Uhlmann fest, dass sie wirtschaftliche Zusammenhänge und insbesondere der Kapitalmarkt verstärkt interessieren. „Ich habe mich dann im Internet über passende Berufsausbildungen informiert und dabei das Inserat von Union Investment entdeckt“, erinnert sie sich. „Da ich auch gern studieren wollte, war die Ausbildung zur Investmentfondskauffrau in Verbindung mit einem BWL-Studium für mich die perfekte Möglichkeit, Theorie und Praxis zu kombinieren.“ Kurzerhand schickte sie ihre Online-Bewerbung ab und wurde prompt zu einem Videointerview sowie zum Assessment Center im Unternehmen eingeladen, bei dem sie überzeugte.

Durch sämtliche Abteilungen

Ein Porträt-Foto von Jenny Uhlmann

Jenny Uhlmann

Foto: Christiane Lendt

Inzwischen ist Jenny Uhlmann im letzten Jahr ihrer auf zweieinhalb Jahre verkürzten Ausbildung und hat bereits zahlreiche Unternehmensbereiche am Hauptstandort in Frankfurt am Main kennengelernt. „Die Aufgaben können je nach Abteilung sehr unterschiedlich sein, was die Ausbildung abwechslungsreich macht. In vielen Abteilungen kann ich schnell Verantwortung übernehmen und das Team aktiv unterstützen.“ In der Fondsbuchhaltung etwa buchte sie Wertpapiergeschäfte und berechnete täglich die Fondspreise. Im Kundenservice erlernte sie alles von der Erfassung der Kundenaufträge bis hin zum telefonischen Kundenkontakt. „Mein bisheriges Highlight jedoch war der Aufenthalt in der Abteilung Kapitalmarktkommunikation. Dort durfte ich jeden Tag an den Meetings im Portfoliomanagement teilnehmen und spannende Artikel sowie Marktberichte schreiben, die dann auch veröffentlicht wurden.“

Zusammenspiel von Theorie und Praxis

Die praktischen Inhalte der Ausbildung werden durch Theorie im Blockunterricht an der Berufsschule ergänzt. Insgesamt sechs Blöcke von jeweils rund sechs Wochen Dauer verteilen sich auf die zweieinhalb Jahre. „Zu den kaufmännischen Grundlagen kommen ausbildungsspezifische Lernfelder, die sich um Themen wie Immobilienfonds, die Börse oder besondere Wertpapierarten drehen“, berichtet die 21-Jährige.

Bundesweit gibt es nur zwei Investmentfondsklassen mit je zwölf Auszubildenden – für sie ein Vorteil. „Durch die kleine Klassengröße ist die Lernatmosphäre sehr angenehm und die Lehrkräfte können individuell auf Fragen eingehen.“ Donnerstags und samstags besucht sie gemeinsam mit den anderen Auszubildenden die Vorlesungen an der Hochschule in Mainz. „Dort absolvieren wir das ausbildungsintegrierende Studium der Betriebswirtschaftslehre.“ Aktuell befindet sich Jenny Uhlmann im dritten von insgesamt sieben Semestern. „Besonders gut gefällt mir, dass die Inhalte sehr praxisnah gestaltet sind, viele Dozenten aus der Wirtschaft kommen und daher auf spannende Praxisbeispiele zurückgreifen können.“

Weitere Praxisphasen oder Festanstellung

Weil Jenny Uhlmann sich nach der Ausbildung noch im Studium befindet, wird ihr freigestellt, ob sie weiterhin die verschiedenen Unternehmensbereiche kennenlernen oder direkt in eine Festanstellung wechseln möchte. Dabei ist der Einstieg in die verschiedensten Abteilungen denkbar – egal ob Fondsbuchhaltung, Vertrieb oder Portfoliomanagement. „In welchem Unternehmensbereich ich später einmal arbeiten möchte, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall aber möchte ich nach dem Bachelor ein berufsbegleitendes Masterstudium absolvieren, um mich im Finanzbereich zu spezialisieren.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Investmentfondskauffrau –Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Während ihrer Ausbildung zur Investmentfondskauffrau lernt Jenny Uhlmann (21) verschiedene Abteilungen von Union Investment in Frankfurt am Main kennen.

8.30 Uhr

Kurz vor Beginn der Morning-Meetings ist Jenny Uhlmann bereits im Büro, liest ihre E-Mails und schaut nach, welche Termine an diesem Tag anstehen.

8.45 Uhr

Heute darf die Auszubildende einen Kollegen in das Renten-Meeting begleiten. Dort werden die Entwicklungen an den Anleihemärkten zusammengetragen und die jeweiligen Investmententscheidungen vorgestellt.

9.00 Uhr

Im anschließenden Multi-Asset-Meeting wird über die Neuigkeiten bei den verschiedenen Asset-Klassen wie Renten, Aktien und Rohstoffe gesprochen.

9.15 Uhr

Nun findet das Aktien-Meeting statt. Dabei stellen einige Portfoliomanager die Kennzahlen von Unternehmen vor, die für ein Investment interessant sein könnten.

9.45 Uhr

Im Teammeeting werden die Inhalte der Morning-Meetings von den Mitarbeitern vorgestellt und tagesaktuelle Themen besprochen.

10.00 Uhr

Heute ist der Marktticker zum Thema Aktien fällig. Dazu trägt Jenny Uhlmann die relevanten Daten der vergangenen Woche zusammen und beginnt diese schriftlich festzuhalten.

12.00 Uhr

Jenny Uhlmann geht mit ihren Kollegen im Betriebsrestaurant essen.

13.00 Uhr

Jenny Uhlmann stellt den Marktticker fertig und leitet ihn an ihren Ausbildungsbeauftragten weiter, der ihr ein Feedback dazu gibt.
Außerdem kümmert sie sich um ihren Ausbildungsbericht und fasst die vergangene Woche zusammen.

17.00 Uhr

Jenny Uhlmann räumt ihren Arbeitsplatz auf und verabschiedet sich von ihren Kollegen.

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Börsenhändler

Im Auf und Ab der Kursbewegungen

Philip Leuthe (31) hat sich als Börsenhändler spezialisiert und fühlt sich auf dem Frankfurter Parkett zuhause.

Viele kennen den Beruf des Börsenhändlers vor allem aus Hollywoodfilmen wie „The Wolf of Wall Street“, verbinden ihn vorrangig mit Stress und Nervenkitzel. Für Philip Leuthe spiegeln solche Blockbuster nur einen Teil der Realität wider – je nachdem, welche Phase an den Märkten gerade das aktuelle Geschehen prägt. „Abhängig von der News-Lage oder wenn beispielsweise Quartalszahlen veröffentlicht werden, kann es zu sehr schnellen Kursbewegungen kommen und mitunter auch hektisch zugehen.“

Sein Weg führte ihn von einer Kochausbildung und einem Hotelmanagement-Studium, das er mit Diplom abschloss, zu einem dualen BWL-Studium mit Schwerpunkt Finance an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim. Anschließend fing er an der Börse an. „Nach zwei Monaten bestand ich die Börsenhändlerprüfung und nach weiteren sechs Monaten durfte ich dann selbst aktiv handeln.“

Schnell einschätzen – schnell handeln

Ein Porträt-Foto von Philip Leuthe

Philip Leuthe

Foto: privat

„Der Handel läuft heutzutage zu 99 Prozent elektronisch über den PC. Bei größeren Orders auch selten mal über das Telefon.“ Im Auftrag einer Privatbank vermittelt er Orders von Kunden, die Wertpapiere kaufen wollen, und von Kunden, die verkaufen wollen. Dort ist er im Bereich Fixed Income Trading tätig. „Fixed Income bedeutet Anleihen, also bin ich ein Anleihen-Händler“, erklärt er. „Oft steht bei einem Geschäft auf der einen Seite ein Privatkunde, der zum Beispiel ein Wertpapier kaufen möchte, und ich verkaufe die Anleihe dann weiter an eine Bank.“

Ist eine Aktie zum Beispiel sehr stark gefallen oder gestiegen , kann dies zu teils starken Kursbewegungen führen, weil viele Markteilnehmer aus Angst vor Verlust zum Beispiel einen Titel verkaufen – so lautet der Branchenjargon für eine Aktie. „Dann ist es wichtig, die Situation schnell einzuschätzen und entsprechend zu handeln“, sagt Philip Leuthe.

Vielversprechende Zukunftsaussichten

Und doch hat sein Arbeitsalltag noch andere Seiten. „In anderen Phasen wie zum Beispiel Ferienzeiten geht es eher gemütlich zu und man hat ausreichend Zeit, um Handelsentscheidungen zu treffen.“ Genau aus diesem Grund hat sich Philip Leuthe für seinen Beruf entschieden: „Weil es nie langweilig wird. Die Märkte sind unheimlich spannend und abwechslungsreich. Jeden Tag gibt es andere Werte, bei denen etwas passiert und auf die man reagieren muss. Auf ein paar ruhigere Tage kann ein schneller und dynamischer Abverkauf folgen. Es macht unheimlich Spaß, diese Bewegungen zu antizipieren.“

Schon heute wird die große Masse der Orders im Markt automatisch von Algorithmen generiert. Philip Leuthe sieht hier eine Tendenz für die Zukunft. „Ich bin mir sicher, dass diese Algorithmen in absehbarer Zeit in der Lage sein werden zu lernen, sprich sich selbst zu optimieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Form der künstlichen Intelligenz in Einzelfällen bereits angewendet wird.“ Auch seine Karrieremöglichkeiten sind vielversprechend. „Beim Beruf des Börsenhändlers sind die Hierarchien sehr flach. Neben Junior- und Senior-Tradern gibt es meistens noch Team-Chefs und den sogenannten Head of Trading, der die gesamte Abteilung leitet. Banken und Vermögensverwaltungen sind ebenfalls interessante Einsatzbereiche.“


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Stand: 11.12.2019